Ausgerechnet bei der alten Hallwiler Badi, wo ganze Schulklassen in die Kunst des Schwimmens eingeführt wurden, wurde der Aabach über 280 Meter naturnaher gestaltet. Wie im Rahmen der Bauarbeiten im letzten Herbst versprochen, wurde der Abschluss der Renaturierung nun offiziell gefeiert.

Unter dem vorläufig etwas euphorischen Titel «Neuer Lebensraum für die Barbe» lud die beim Projekt federführende Sektion Aargau der Naturschutzorganisation zur «Einweihung des Aabachs bei Hallwil». Natürlich fliesst der Aabach schon seit ewigen Zeiten durch Hallwil, doch Fische wurden am gut besuchten Anlass noch keine gesehen.

Ein geselliger Fisch

Doch mit der Befreiung des Seetaler Fliessgewässers aus seinem engen von Betonelementen vorgegebenen Kanalkorsett hat man beste Voraussetzungen geschaffen, damit sich Fische aller Art, und damit auch die Barbe, hier wieder ansiedeln und zwischen Hallwilersee und der Aabach-Einmündung in die Aare in Wildegg zirkulieren können.

Die Flussbarbe ist gemäss Fachleuten ein geselliger Fisch, der sich meist in Bodennähe in starker Strömung aufhält. Dank den verschiedenen Massnahmen wie Uferverschiebungen, Ausbaggerungen, Kiesaufschüttungen und Stein- und Wurzelstocksetzungen mitten im Flusslauf findet die Art nun auch in Hallwil wieder mehr Lebensraum. Der Barbenbestand war durch Gewässerregulierungen und -verschmutzung unter Druck geraten, erholt sich aber langsam wieder.

Tier und Mensch profitieren

Wie Regula Bachmann (Magden), Grossrätin und Präsidentin von WWF Aargau, den Einweihungsgästen erläuterte, seien solchen Bachrenaturierungen gerade im Wasserkanton Aargau wichtig: Während hier die Barbe wieder ihren Platz finden soll, hat man mit ähnlichen Massnahmen den Lachs in den Rhein und die Nase in die Suhre zurückgebracht.

Das Teilstück bei der Hallwiler Badi sei bereits die zweite Etappe am Aabach nach Seon im letzten Jahr. Gemäss Bachmann «profitieren nicht nur die Tiere, sondern auch die Menschen».

In Hallwil können Spaziergänger tatsächlich von einem massiv aufgewerteten Wanderziel profitieren. «Jetzt hört man den Aabach wieder», wies Emil Hänni, ausführender Bauleiter vom Büro creato, die Premieren-Gäste auf die akustische Veränderung hin.

Ergänzt wird der nun wieder munter plätschernde Fluss mit einem eigens angelegten Amphibienteich. Durch Querungsmöglichkeiten profitieren auch Säugetiere wie Wiesel vom Projekt wie Hanspeter Lüem von der Sektion Wasserbau des Baudepartements ausführte. Der Kanton hat zusammen mit einem Naturfonds des Elektrizitätswerks der Stadt Zürich den Grossteil der anfallenden Kosten bestritten.

Schwimmunterricht im Anzug

An die besondere Bedeutung der Aabach-Badi erinnerte der Hallwiler Gemeinderat Lukas Kraus in seiner Grussadresse. In den Weltkriegsjahren bildeten die Gemeinden Egliswil, Hallwil und Seon eine Badekommission und im Jahr 1949 wurde das Ergebnis, eine Flussbadi, in Betrieb genommen.

Klassenweise wurde hier den Schülern das Schwimmen beigebracht, wobei laut Kraus überliefert ist, dass ein Lehrer in Anzug und Krawatte vom Ufer aus Instruktionen erteilte und hin und wieder einem Eleven ein Seil um den Bauch band, um ihn zu ziehen.

Mit der Inbetriebnahme der Abwasserreinigungsanlage Hallwilersee im Oberlauf im Jahr 1964 verlor die Badi an Bedeutung, doch nun will man mit Wasserproben abklären, ob wieder unbedenklich gebadet werden kann.