Lenzburg

Der Rebbau ist für Monica Stauffer ein Hobby – das hat für sie und den Wein Vorteile

Monica Stauffer in ihrem Rebberg oberhalb von Lenzburg.

Monica Stauffer in ihrem Rebberg oberhalb von Lenzburg.

Die Lenzburger Winzerin betreibt den kleinsten Rebberg der Stadt. Sie ist überzeugt, dass der hiesige Wein besser ist als sein Ruf.

Den Weinberg von Monica Stauffer kann man bequem mit dem Lift erreichen: Man steigt in der Tiefgarage ein und ist wenige Augenblicke später im Rebberg. Die Grenzen zwischen Stadt und Landwirtschaftszone, Überbauung und Natur, sind selten so fliessend wie hier am Fuss des Schlossbergs.

Und auch sonst hat der Weinberg einige Merkmale, die ihn einzigartig machen. Mit 404 Rebstöcken ist es die kleinste Einheit am Schloss- und Goffersberg und sie wird von Monica Stauffer als Hobby betrieben. Aus den Riesling-Sylvaner-Trauben gibt es den Schlossberger Lenzburg.

Der Rebberg von Monica Stauffer ist nicht nur räumlich mit der darunter liegenden Überbauung am Brättligäu verbunden. Stauffers Vater hat die Häuser 1983 mit dem Staufner Bauunternehmer Plinio Doninelli erstellt und den Rebberg darüber angelegt. «Die Herren hatten eine innovative Ader», sagt Monica Stauffer (57).

Paul Stauffer war gelernter Landwirt und führte die Geflügelfarm Tannlihag, wo Monica Stauffer aufwuchs. Der Bezug zur Landwirtschaft und Natur wurde ihr nicht nur vom Vater weitergegeben. «Meine Mutter war sehr erdbezogen», sagt sie. 2002 hat Monica Stauffer den Rebberg von ihrer Mutter übernommen. «Ich wusste schon immer, dass ich das gern machen würde.»

Wer ihr zuhört, merkt: Draussen fühlt sie sich wohl. Sie hat ein Gspüri für alles, was wächst. Möglichst viele Trauben zu produzieren, ist nicht ihr Ziel. Ihre Reben stehen quer zum Hang und bis zu zwei Meter auseinander. Bei der ersten Reihe blüht ein Rosenbusch, zuoberst an der Steinmauer wächst ein Weinbergpfirsichbaum, den Monica Stauffer selber gezogen hat. Ihr Rebberg ist ein liebevoll gepflegtes Kleinod.

Hobby heisst nicht Laissez-faire-Weinbau

Monica Stauffer ist trotz familiärer Weichenstellung nicht Vollzeit-Landwirtin geworden. Sie ist hauptberuflich als Unternehmerin im Bereich Immobilien und Versicherung tätig. Die beiden Welten Büro und draussen vereint sie auch in ihrer Erscheinung: Selten schaffen es Menschen, in Outdoor-Kleidern und Turnschuhen so adrett und souverän auszusehen, dass sie gleich bei einem Business-Seminar auf die Bühne treten könnten.

Und die Bezeichnung Hobby-Winzerin heisst nicht, dass sie die Reben im Laissez-faire-Stil aufzieht. Sie hat Ausbildungen im Gemüse- und Obstbau absolviert und bildet sich im Weinbau ständig weiter.

Monica Stauffer ist stolz auf ihren Wein, den Schlossberger Lenzburg. Deshalb hat sie ihm auch diesen Namen verpasst. Vorher hiess er zwanzig Jahre lang Brättligäuer, nach dem Strassennamen. Die Herkunft dieses Namens ist nicht vollständig geklärt.

Möglicherweise wurde er vergeben, weil an diesem Ort frühere Scheunen und Häuser aus Holz standen und das Brättligäu ein Kontrast zur Altstadt aus Stein war. Neben der Tatsache, dass Brättligäu ein wenig schäbig tönt, hatte die Winzerin auch das Problem, dass ihr Wein mit dem Prättigau assoziiert wurde. So taufte sie ihn auf Schlossberger Lenzburg um.

Der Lenzburger Wein ist besser geworden

Im Lenzburger Volksmund gibt es böse Sprüche über den Wein von den Hausbergen. Dem widerspricht Monica Stauffer. «Wir haben hier alle sehr gute Weine», sagt sie. Vom Kanton wird vorgegeben, wie viele Kilo Trauben pro Fläche und Sorte geerntet werden können. Seit dieser Regelung sei die Qualität des Weines allgemein gestiegen. Monica Stauffer hat mit ihrem Mini-Rebberg den Vorteil, dass sie alle Arbeitsschritte optimal an das Wetter anpassen kann.

Wärmt die Sonne im Spätsommer nochmals besonders stark, kann sie die Ernte hinauszögern. «Wir können jedes Trübeli umdrehen, bis es reif ist», sagt sie und lacht. Zehn Helfer haben für die Ernte ungefähr einen halben Tag. Im Durchschnitt werden 800 bis 900 Kilogramm Trauben gelesen, pro Kilo gibt es zirka eine Flasche Wein.

Am Prosecco-Gespräch heute Abend (siehe Hinweis) diskutiert Stauffer mit dem ehemaligen JVA-Rebmeister Nik Rüttimann und dem früheren Räblüs-Obmann Kurt Wernli über den Lenzburger Rebbau. Die Zusammenarbeit mit den anderen Winzern sei sehr gut, sagt Stauffer.

Ein Thema, dem sich alle Player am Rebberg stellen müssen, sind Pilzkrankheiten ein grosser Feind der Reben. 2018 war diesbezüglich ein gutes Jahr, da es kaum feucht war. An Stauffers letzten Fortbildung waren neu gezüchtete Rebsorten ein Thema, die widerstandsfähiger gegen Pilze sein sollen. Doch sie hat nicht vor, demnächst alle Reben auszureissen und zu ersetzen. «Jetzt wo man den Lenzburger Wein endlich trinken kann», sagt sie und lacht.

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