Niederlenz

Der neue Ammann: «Wir werden über viele Dinge hart diskutieren müssen»

Jürg Link vor dem Eingang zum Gemeindehaus: «Der eine oder andere Entscheid wird möglicherweise etwas weh tun»

Jürg Link vor dem Eingang zum Gemeindehaus: «Der eine oder andere Entscheid wird möglicherweise etwas weh tun»

Gemeindeammann Jürg Link wünscht sich eine aktive Bevölkerung, welche die Zukunft der Gemeinde mitgestaltet. Die Baustellen in Niederlenz sind ihm schon bekannt. Dazu gehört das Dauerthema Finanzen oder die Sanierung der Hauptstrasse.

Er selber tut sich schwer mit einer Selbstdarstellung. Er sei im positiven Sinn ein «gwundriger» Mensch, wissensdurstig, suche für alles eine Lösung, entspreche also genau dem Cliché eines Ingenieurs, sagt Jürg Link über sich selber. Eine Einschätzung, welche Gemeinderätin Gabi Lauper Richner bestätigt: «Er ist ein ausgeglichener volksverbundener Mensch mit breit gefächerten Interessen», charakterisiert sie ihren Parteikollegen.

Seit acht Jahren sitzt der 53-jährige Link im Gemeinderat. Zum Jahresbeginn hat er die Zügel von Niederlenz aus den Händen des langjährigen Gemeindeammanns Maurice Humard übernommen.

Die Frage sei an dieser Stelle erlaubt: Weshalb stellt ein erfolgreicher Informatikunternehmer fast die Hälfte seiner Arbeitszeit dem Allgemeinwohl zur Verfügung und wird Ammann einer Gemeinde, deren finanzielle Perspektiven nicht gerade rosig aussehen? Mit 2014 Franken Steuereinnahmen pro Kopf der Bevölkerung gilt Niederlenz laut kantonalen Richtwerten noch knapp als im Alleingang «überlebensfähig».

Doch reicht das aus? Mittelfristig müssen rund 40 Millionen Franken in Schulbauten investiert werden. Der Steuerfuss von 120 Prozent schwingt aber jetzt schon obenaus. Wie also will Jürg Link die Finanzen seiner Gemeinde ins Lot bringen, wenn eine Fusion für Niederlenz als Alternative gar nicht infrage kommt? Eine Heirat mit Nachbar Lenzburg hatte die Bevölkerung vor fünf Jahren nämlich kategorisch abgelehnt.

Entscheide konsequent umsetzen

Link reagiert gelassen. Und es spricht tatsächlich ganz der Ingenieur, wenn er sagt: «Es ist tatsächlich so: Wir werden über viele Dinge nachdenken, hart diskutieren und die bestmöglichen Lösungen suchen müssen. Der eine oder andere Entscheid wird möglicherweise etwas weh tun.»

Die Bevölkerung solle sich dabei einbringen und die Zukunft der Gemeinde mitgestalten. Mit diesen Worten hat er seine Absicht beim Neujahrsempfang kundgetan. Analytisch und lösungsorientiert, so beschreibt ihn auch Kollegin Gabi Lauper: «Er kann sich in kurzer Zeit ein fundiertes Wissen über ein neues Themenfeld erarbeiten, sucht anschliessend mit den Betroffenen fundiert und engagiert nach Lösungen.» Die Entscheide, so Lauper werden anschliessend konsequent und bestimmt umgesetzt.

Die Niederlenzer «Baustellen» seien ihm bekannt, sagt Link. Nebst dem Dauerthema Finanzen gehört die derzeit laufende Sanierung der Hauptstrasse dazu. Bei diesem Projekt ist ein Ende in Sicht: Ende 2015 sollte das Jahrhundertprojekt abgeschlossen sein.

Die Kooperation der beiden Kieswerke Lenzburg und Niederlenz mit der Beton AG steht ebenfalls weit oben auf der Prioritätenliste des neuen Gemeindeammanns.

Erholungsphasen einplanen

Doch zurück zur Frage nach dem Reiz, welches das Amt auf ihn ausübt. «Mit Menschen arbeiten und etwas bewegen können.» Zwar wird der Budgetanteil, über den die Gemeinden selber bestimmen können, immer kleiner. Diesen Umstand betrachtet der neue Gemeindeammann eher als Herausforderung.

Jürg Link ist ein Optimist. Eine schwere Erkrankung in der frühen Kindheit hat ihn stark geprägt. Eher unbewusst, meint er. Mit den Kräften haushälterisch umgehen, sich seine Inseln zur Erholung zu schaffen, ist ihm ein wichtiges Anliegen: Dies findet er in seiner Familie und bei regelmässigen Kurzurlauben.

Kraft für den Alltag schöpft der aus dem Oberwynental stammende und in Niederlenz eingebürgerte Link beim «Iserädli», dem Niederlenzer Wehr und dem angrenzenden Naherholungsraum. Ein Besuch in Schrebergärten hat für ihn ebenso erholsamen Charakter.

Eine Fliege als neues Accessoire

Für das Foto hatte er sich eine elegante Fliege um den Hals gebunden, ebenso wie auch am Neujahrsempfang, seinem ersten offiziellen Auftritt als Gemeindeammann, und der feierlichen Inpflichtnahme in Aarau. Seit Jürg Link Gemeindeammann ist, trägt er des Öfteren eine Fliege anstelle einer Krawatte als Halsschmuck.

Auf ein neues Markenzeichen will er sich deshalb jedoch nicht festsetzen lassen. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Er weiss jedoch, dass bei der Fliege gegenüber der Krawatte handfeste Vorteile auszumachen sind: Die Fliege wird beim Essen weniger schnell bekleckert und geht ganz sicher nicht im Suppenteller baden.

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