Lenzburg

Der Mythos Drache soll Touristen ins Seetal locken

Drache im Anflug auf den Hallwilersee: Der Verein Seetal Tourismus will mit der «Seetaler Drachensage» vor allem Familien ansprechen.Fotos: Chris Iseli, Shutterstock; Montage: mta

Drache im Anflug auf den Hallwilersee: Der Verein Seetal Tourismus will mit der «Seetaler Drachensage» vor allem Familien ansprechen.Fotos: Chris Iseli, Shutterstock; Montage: mta

In der Region Lenzburg-Seetal haben einst ganze Drachensippen gehaust. Doch wo sind sie geblieben? Familien aus der ganzen Schweiz sollen jetzt nach ihnen suchen. So will es ein neues Projekt von Seetal Tourismus.

Mit Nessie sind schon Bücherregale gefüllt worden. Egal, wie sehr man an das Fabelwesen von Loch Ness glaubt, fast jeder Schottland-Reisende hat wohl einen Extra- Abstecher zum geheimnisumwobenen See gemacht und seinen Blick hoffnungsvoll über das Wasser schweifen lassen.

Wer sich auf Ungeheuer-Suche machen will, braucht künftig nicht mehr so weit in den Norden zu reisen. In der Region Lenzburg-Seetal soll es nur so wimmeln von Drachenfamilien, die mit ihren Kindern schon seit dem Mittelalter hier leben. Gesichtet wurde bisher keiner von ihnen. Bis auf einen: Drache Fauchi auf Schloss Lenzburg. Er ist der einzige Leibhaftige. Aber es soll noch viel mehr von ihnen geben: Zum Beispiel Haldi und Baldi. Es heisst, dass sie im Hallwiler- und Baldeggersee wohnen und möglicherweise gar mit ihrem berühmten Kollegen in Schottland verwandt sein sollen. Das zumindest behauptet der Drachenforscher Ambrosius Ferdinand Sigismund Maria von und zu Drachenfels. Er leitet das im Seetal ansässige Institut für Drachologie. Seine Forschungsarbeit führt den umtriebigen Professor an diverse Tourismus-Spots in der Region.

Die Ergebnisse der aufwendigen Recherchen werden derzeit in der «Seetaler Drachensaga» gebündelt. Dort finden sich die abenteuerlichsten Geschichten über ganze Drachensippen, die sich an sehenswerten Plätzen von Lenzburg bis an den Hallwiler- und Baldeggersee abspielen.

Angebot für Familien

Was bei dieser Geschichte auf den ersten Blick etwas mysteriös anmutet, ist in Tat und Wahrheit das neuste Projekt vom Verein Seetal Tourismus. Dieser will mit der «Seetaler Drachensaga» kein neues Angebot auf den Markt bringen. Die Absicht ist eine andere. «Wir wollen unsere bisherigen vielseitigen Angebote stärken und besser vernetzen», sagt Vereinspräsident René Bossard. Mit diesem Projekt sollen vor allem Familien angesprochen werden. «Wir wollen das Seetal als familienfreundliche Freizeitregion stärken», hält Bossard fest. Nicht nur aus dem Kanton Aargau: Aus der ganzen Schweiz will Seetal Tourismus mit dem Drachen-Mythos Menschen ins Seetal locken.

René Bossard, Präsident Verein Seetal  Tourismus

René Bossard, Präsident Verein Seetal Tourismus

Mit Bilderbuch vermarkten

Für die Vermarktung beschreitet der Verein bisher eher unkonventionelle Wege. Er setzt unter anderem auf ein Bilderbuch. Die Drachen-Geschichten stammen aus der Feder von Kinderbuchautor Dan Wiener, illustriert wird das 64 Seiten starke Werk vom Aarauer Illustrator Andrey Fedorchenko. Kinder und ihre Eltern von überall her sollen dem Mythos folgen, die im Buch beschriebenen real existierenden Schauplätze in der Region Seetal besuchen und dort ihre eigenen Drachenforschungen anstellen. So sieht es das Konzept vor.

Das vom Verein Seetal Tourismus initiierte Projekt wird in Zusammenarbeit mit anderen Tourismus-Anbietern umgesetzt. Mit der Realisierung beauftragt wurde die Firma Gutundgut GmbH, Zürich, welche unter anderem derartige Projekt im Tourismusbereich entwickelt.

Das Bilderbuch erscheint im Kinderbuchverlag Baeschlin. Der Verein rechnet mit Kosten für das Bilderbuch von 30 000 Franken. Davon will er 5000 Franken über eine Crowdfunding-Aktion auf www.ideenkicker.ch generieren. Für ihren Beitrag erhalten die Geldgeber eine Gegenleistung. Je nach Betragshöhe kann dies in Originalbildern, als Erwähnung im Buch oder mit druckfrischen Büchern erfolgen. Erscheinen soll das Bilderbuch «Seetaler Drachensaga» im Frühling 2018.

Anschliessend wird sich zeigen, ob grosse und kleine Drachenforscher ins Seetal ausschwärmen und nach Haldi, Baldi & Co. Ausschau halten werden. Ob die Region Lenzburg-Seetal mit ihrem eigenen Drachen-Mythos dem schottischen Loch-Ness touristisch dereinst gar den Rang abläuft? Das wird sich erst weisen müssen.

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