Das Ende war der Höhepunkt: In seiner letzten Saison als Goalie des TV Suhr konnte Tobias Widmer im Jahr 2000 den Meisterpokal in die Höhe stemmen. Da war er bereits Sportlehrer an der Berufsschule Lenzburg. Es war das Ende der einen und der Beginn der nächsten Karriere: Nach 23 Jahren als Lehrer, Abteilungsleiter und Konrektor wird Tobias Widmer am 1. Juli 2019 Rektor. Er löst seinen langjährigen Vorgänger Ruedi Suter ab, der pensioniert wird. Vom Sport ist Tobias Widmer einiges geblieben: «Die Vorwärtsstrategie, die ich verfolgen möchte, der Wille, sich dem Wettbewerb zu stellen.» Das ist wichtig: Der Kanton diskutiert seit Jahren eine Reform der Berufsschullandschaft. Einzelne Bereiche könnten abwandern oder neu hinzukommen. «Bis zur Klärung der Standortfrage müssen einige Projekte warten», antwortet Widmer deshalb auf die Frage nach seinen ersten Herausforderungen als Rektor. Einen Entscheid erwartet er im Verlauf des nächsten Jahres.

Nicht warten muss die Digitalisierung, es ist das Stichwort, das Tobias Widmer im Gespräch mit der AZ am häufigsten benutzt: «Bei der Digitalisierung im Unterricht sind die Säger am weitesten», sagt er – dem Fachlehrer sei das zu verdanken, der früh die Initiative ergriffen habe. Schwierig sei dafür ihr Lehrplan: «In Deutschland ist dieser Beruf inzwischen hochtechnologisiert. Drei bis vier Mitarbeiter führen riesige Verarbeitungshallen, in denen alles automatisiert abläuft», erzählt Widmer. «In der Schweiz mit ihren kleinen Waldflächen ist dieser Beruf weit weniger digitalisiert – in welche Richtung bilden wir die Säger also aus, wie weit gehen wir?».

Heute ist es fast zu leise

Bei den Berufsbildern am meisten gewandelt habe sich der Beruf vom Automechaniker, der heute Automechatroniker heisst. «Mit Schrauben hat das nicht mehr viel zu tun», sagt Widmer. Die hochkomplexe Technik hat die Anforderungen stark verändert und auch erhöht. «Es gibt eine gewisse Fluktuation», so Widmer.

Allerdings geschehe das «Vorsortieren» oft schon vor dem Eintritt in die Berufsschule. «Vor 15 Jahren sah man auf unserem Parkplatz noch wunderschöne, modifizierte Autos mit Spoilern und speziellen Felgen. Heute sehen alle Autos aus, als kämen sie von der Stange», sagt Widmer und bedauert es sichtlich. «Früher», das war auch, als die Lehrerschaft auch mal einen BMW- und einen Mercedes-Lehrling beruhigen musste, weil sie sich beim Fachsimpeln in die Haare gerieten. «Heute sitzen alle hinter ihren Geräten, es ist fast leise auf den Gängen», sagt der Konrektor.

«Dieses Glitzern, dieser Stolz»

An seinem ersten Tag als Allgemeinlehrer betrat Widmer vor vielen Jahren die Eingangshalle, in ihr waren gerade die Abschlussarbeiten der Schreiner ausgestellt, Widmer kannte sie bereits aus dem Sportunterricht. «Wow, dass dieser eine Schüler ein so schönes Möbel bauen kann!», dachte er sich.

Dabei sei der doch gar nicht so gut im Sport. «Ich staunte darüber, wie vielfältig Menschen sein können.» Die Ausstellung gibt es bis heute, ihr Beginn zählt zu den liebsten Tagen im Jahr von Tobias Widmer: «Wenn die selbst geschreinerten Möbel ausgeladen werden, dann sehe ich es noch in den Augen, dieses Glitzern, den Stolz: ‹Das habe ich gemacht›.»