Seon
Der Mehrzweckstreifen soll das Dorf voranbringen – für 3,3 Millionen Franken?

Die Gemeindeversammlung entscheidet am Freitag über die Neugestaltung eines Teils der Seetalstrasse. Wollen die Seoner 3,3 Millionen ausgeben für eine 380-Meter lange Neugestaltung?

Fritz Thut
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Andernorts, wie hier in Reinach, hat sich der mittige Mehrzweckstreifen bereits bewährt.

Andernorts, wie hier in Reinach, hat sich der mittige Mehrzweckstreifen bereits bewährt.

Peter Siegrist

3,3 Millionen Franken für 380 Meter Strasse. Der Betrag für die Sanierung eines kurzen Teilstücks der Seetalstrasse, über die die Seoner am nächsten Freitag an der Gemeindeversammlung abzustimmen haben, erscheint extrem hoch.

Der Anteil der Gemeinde Seon liegt bei rund 1,5 Millionen. Doch dürfe man nicht nur die Kosten anschauen, so Gemeindeammann Heinz Bürki an einem Orientierungsabend, an dem das Projekt vorgestellt wurde: «Das Dorf wird profitieren. Wir bekommen einen schöneren Ortskern, der zum Einkaufen, Flanieren und Verweilen einlädt.»

Zauberwort Mehrzweckstreifen

Eine schlichte Sanierung der Kantonsstrasse würde für diesen angestrebten Entwicklungsschub nicht reichen – «und ebenfalls rund 1,5 Millionen Franken kosten», so Bürki. Auf Gemeindeseite ist man froh, dass der Kanton Hand bietet für eine Lösung, die echten Mehrwert verspricht.

Statt das sanierungsbedürftige Teilstück zwischen dem Sternenkreisel und der Einmündung des Reiterwegs einfach nur mit einem neuen Belag zu versehen, soll der Strassenraum hier massiv aufgewertet werden. Dazu ist die Errichtung eines mittigen Mehrzweckstreifens vorgesehen. Dieser Begriff hat sich zum Zauberwort der Verkehrsplaner gemausert.

Viele Vorteile

Das Mittel Mehrzweckstreifen, das sich beispielsweise in Reinach und Suhr seit einiger Zeit bewährt hat, vereint gemäss Projektverfasser Thomas Lanker auch in Seon Vorteile:

Die Mittelspur vereinfacht das Linksabbiegen; der Geradeausverkehr kann weiterfliessen

Als Mittelinsel bietet sie Fussgängern bei der Querung der Strasse mehr Sicherheit

Als Ausweichfläche für Autofahrer ergibt sich beim Überholen von Velofahrern mehr Abstand und damit mehr Sicherheit; in Seon vor allem wichtig, weil die Seetalbahn parallel zur Strasse verläuft

Durch die farbliche Abgrenzung und mit punktuellen Einbauten, die verhindern, dass sie als Überholspur verwendet wird, wertet die Mittelspur den Strassenraum optisch auf

Mehr Raumbedarf

Mit zwei Fahrbahnen à 3,25 Meter, dem Mehrzweckstreifen von 2,5 Metern und einem Trottoir von 2 Metern wird die Seetalstrasse mit dem neuen Betriebs- und Gestaltungskonzept breiter als bisher. Zudem soll die nach Lenzburg führende Bushaltestelle 45 Meter nach Norden verschoben werden. So machen die Landerwerbskosten rund 10 Prozent der Gesamtkosten aus.

Wegen der vielfältigen Unwägbarkeiten, wie Abhängigkeit von der bald startenden Sanierung der Unterdorfstrasse, den Landerwerbsverhandlungen und möglichen Einwendungen liegt der Ausführungstermin in den Sternen: «Zum möglichen Baustart ist keine Aussage möglich», liess sich Projektleiter Mathias Blaser von der Abteilung Tiefbau des kantonalen Baudepartements am Orientierungsabend nicht auf die Äste hinaus.

Investoren in den Startlöchern

Neben der Sanierung der Seetalstrasse laufen in Seon ergänzende städtebauliche Projekte. Planer Thomas Meier erläuterte die Vorhaben in den Bereichen «Milchgasse» und «Hirschen», deren Rahmen zu einem gemeinsamen Erschliessungsplan zusammengefasst werden sollen.

Meier sprach von «einer spannenden Operation am Herzen von Seon». Das Areal werde geprägt sein von Einkaufsmöglichkeiten: «Es entsteht eine eigentliche Flaniermeile». Der Raum bis zur Seetalstrasse erhält mit einer Reihe von Bäumen «ein zentrales Element».

Private Investoren sind, so Ammann Bürki, hier in den Startlöchern. Man wartet auf das grüne Licht für die Seetalstrassensanierung durch die Gemeindeversammlung, die nicht nur die Freigabe durch den Kantons auslösen werde, sondern auch die Investitionen befeuern werde: «Bei einem Nein zu dieser Vorlage würden wir nicht nur viel Zeit, sondern auch die Chance verlieren, unser Dorf zu entwickeln», ist Heinz Bürki überzeugt.