Auf einem alten Küchenherd in der Gaststube köchelt eine Gemüsesuppe in einem grossen Topf. Der Duft verteilt sich in der warmen Stube und strömt in den Eingangsbereich. Es ist kurz vor zwölf Uhr, als die ersten Gäste in den «Landgasthof zu den drei Sternen» in Brunegg für das Mittagessen einkehren.

«Der Küchenherd stammt aus dem Simmental», sagt Ernst Müller, der gemeinsam mit seiner Ehefrau Elisabeth den Landgasthof mit Restaurant und Hotel aus dem 19. Jahrhundert betreibt. Dann führt er durch die Gaststube und zeigt auf die Holzbalken an der Decke. Diese, so der 70-Jährige, seien aus dem Emmental. Aus dem Jura hingegen stamme ein Grossteil des Mobiliars. «Was gefunden wurde, haben wir restaurieren lassen und wiederverwendet», sagt der Gastgeber.

Mit Preis ausgezeichnet

Dass Ernst und Elisabeth Müller Wert auf Nachhaltigkeit legen, zeigt sich nicht nur in der Stube «Schloss-Pintli». Auch in der anliegenden modernen Küche und im Weinkeller sowie in verschiedenen Bereichen wie Reinigung, Wasseraufbereitung, Wärmeerzeugung oder Lüftung schauen die beiden, dass der Landgasthof möglichst ressourcenschonend betrieben wird. «Jede Ecke ist durchdacht», sagt Ernst Müller.

So durchdacht, dass sie vor kurzem die bronzene Auszeichnung des Heineken Green Smiley Award 2014 entgegennehmen durften. Der Nachhaltigkeitspreis des drittgrössten Brauereikonzerns der Welt zeichnet Gastronomiebetriebe in der Schweiz aus, die sich für Mensch und Umwelt einsetzen.

«Der dritte Rang war für uns eine Überraschung», sagt Elisabeth Müller. Denn eigentlich, so die 50-Jährige, wollten sie und ihr Ehemann gar nicht an die Preisverleihung gehen. «Im Rampenlicht zu stehen, ist nicht unbedingt unsere Art», sagt die Hotelfachfrau. Sie würden lieber im Hintergrund bleiben.

Im Nachhinein sind die Gastgeber dennoch glücklich, am Galaabend der 14 Finalisten im zürcherischen Uitikon Waldegg anwesend gewesen zu sein. «Es ist unsere erste Anerkennung in Bezug auf die Nachhaltigkeit», ergänzt Ernst Müller. Einen Preis für eine der besten Weinkarten der Schweiz sowie einen für exzellenten Service hat das Ehepaar bereits abgeholt, von verschiedenen Auszeichnungen für ihre Gourmet-Küche ganz zu schweigen.

Während sich Ernst Müller vor allem um die Verwaltung und die Technik kümmert, ist die gebürtige Salzburgerin unter anderem für die Bereiche Lebensmittel und Dekoration zuständig. Das Ehepaar legt Wert auf regionale Produkte und Fleisch aus artgerechter Tierhaltung. Auch findet man im Weinkeller keine einzige Flasche aus Übersee. «Wir kaufen nur das, was ökologisch vertretbar ist», sagt Ernst Müller.

Regelmässige Investitionen

Nachdem das Ehepaar den Landgasthof im Jahre 1989 erworben und während fünf Jahren umgebaut hatte, haben Elisabeth und Ernst Müller regelmässig in das Haus investiert. «Damit wir an der Front bleiben», so der Gastgeber. Die moderne Küche mit Induktionsherd und das Wärmerückführungssystem sind nur einige Neuerungen, welche der diplomierte ETH-Ingenieur in den letzten Jahren in seinem Betrieb eingeführt hat. Die regelmässigen Investitionen haben sich ausbezahlt: Der Landgasthof verbraucht nun rund ein Drittel weniger Strom.

Die Preissumme von 3000 Franken, die das Ehepaar mit dem bronzenen Award erhalten hat, wird aber nicht in das Haus investiert: Das Geld haben die beiden bereits an gemeinnützige Institutionen in der Schweiz gespendet. Denn: «Uns geht es gut», sagt Ernst Müller. Dann blickt er zu Elisabeth und fügt lachend an: «Auch dank meiner Frau. Sie hat die Hauptführung.»