Lenzburg
Der Kletterpionier übergibt den Kraftreaktor an die nächste Generation

Nach zwölf Jahren verkauft Thomas Georg seine Kletterhalle an Marco und Franziska Toretti.

Michael Küng
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Nachfolger Marco Toretti (38) ist schon seit der ersten Stunde dabei. Ehefrau Franziska (37) übernimmt die Administration.

Nachfolger Marco Toretti (38) ist schon seit der ersten Stunde dabei. Ehefrau Franziska (37) übernimmt die Administration.

Michael Küng

22 Jahre nach dem Bau des Rolling Rock in Aarau tritt Kletterpionier Thomas Georg zurück. 2006 zog er nach dem Abriss des Rolling Rock nach Lenzburg um, wo er den über die Region hinaus bekannten Kraftreaktor aufgebaut hat. Nun geben er und seine Frau Angela das Unternehmen ab. An das Aarauer Ehepaar Marco (38) und Franziska Toretti (39). Ersterer ist seit dem Anfang im Rolling Rock mit dabei. «Als ich 16 Jahre alt war, erzählte mir mein Vater, dass in der Telli eine Skate-Halle gebaut wird, da musste ich gleich vorbeigehen», verrät Marco Toretti. Wieder zu Hause, hatte er einen Ferienjob im Sack, der mit einem Saison-Abo entlöhnt wurde. Beim Inline-Skaten beobachtete er Thomas Georg dabei, wie er in der Kletterwand neue Routen montierte, und rief zu ihm hoch: «Das will ich auch machen!» Georg wendete ein, dass er doch gar keine Ahnung vom Klettern habe. Kurz darauf besuchte Marco Toretti seinen ersten Kletterkurs. Nach dem Abschluss der Maler-Lehre hängte er gleich eine zweite an, als Detailhandelsfachmann im Rolling Rock. «Der Abriss tat weh. Noch heute erinnere ich mich an den Geruch des frischen Teers in der Halle.»

Doch es ging weiter, zu viert haben sie in Lenzburg den Kraftreaktor eröffnet, irgendwann hat Marco Toretti die Führung des Ladens in der Halle übernommen und 2012 wurde er stellvertretender Geschäftsführer. Am 1. September wird er ein Team mit fünfzehn Mitarbeitern übernehmen können.

Und was haben die beiden neuen Besitzer vor mit dem Kraftreaktor? «Wir werden sicher nicht grössenwahnsinnig werden», sagt Marco Toretti. Bauprojekte oder ähnlich dimensionierte Veränderungen gibt es deshalb fürs Erste keine. «Wir werden uns auf die Übernahme der Führung konzentrieren und das Management neu organisieren.» So bekommt der Kraftreaktor neu einen Betriebsleiter, und die Verantwortungsbereiche des Personals werden vergrössert.

Stolz sind die beiden darauf, dass die alle paar Monate geänderten Kletterrouten von Hand montiert werden. «Das machen wir am Seil, richtige Knochenarbeit. Aber man sieht den fertigen Routen an, dass sie nicht von einer Hebebühne aus an die Wand geklatscht wurden. Sie sind besser», sagt der baldige Chef. Diese Arbeit will er künftig neben die Öffnungszeiten legen. «Das ist zwar teurer, aber wir wollen unseren Gästen so wenig in die Quere kommen wie möglich». Und am 14. September folgt das grosse Finale der Bouldertrophy, einem jährlichen Wettkampf, dessen Finale jeweils von DJ, Catering und vielen Zuschauern begleitet wird.

Und die bisherigen Besitzer? Thomas und Angela Georg wollen sich nun privaten Projekten widmen. «Spruchreif ist aber noch keines», sagt Thomas Georg. «Ich will einfach machen, was mir gefällt, ohne damit unbedingt Geld verdienen zu müssen.» Insgesamt habe der Lebensabschnitt mit Rolling Rock und Kraftreaktor fast 25 Jahre gedauert, doch: «Ich bin mehr Aufbauer von etwas Neuem als Verwalter von etwas Bestehendem.» Deshalb sei die Übergabe der richtige Schritt. «Ab dem 1. September gehört die Kraftreaktor AG zu hundert Prozent Marco und Franziska, mitsamt dem Gebäude.» Einen Tag nach der Übergabe wird der Kraftreaktor am 2. September für eine Abschiedsparty während der üblichen Öffnungszeiten ein paar Stunden schliessen, das erste Mal überhaupt. Marco Toretti lacht. «Und das in meinem Geschäftsjahr! Das hat sich Thomas verdient.»