Lenzburg/Niederlenz

Der Kies soll weiter fliessen – dafür braucht es einen Planungskredit

Kieswerk Lenzburg

Kieswerk Lenzburg

Die Ortsbürgergemeinden rüsten sich für den Kiesabbau in den kommenden 50 Jahren.

Vor zwei Jahren bündelten die Lenzburger und Niederlenzer Ortsbürger die Kräfte ihrer beiden nur wenige Kilometer auseinanderliegenden Kieswerke. Zum einen, um der nicht unbedeutenden regionalen Konkurrenz die Stirn zu bieten. Zum andern wollte man einander keinesfalls das Wasser der ordentlich sprudelnden Kiesquellen abgraben.

Aus der operativen Zusammenlegung der zwei Kieswerke ist die Kies Lenz AG entstanden. An dieser sind die beiden Ortsbürgergemeinden Lenzburg und Niederlenz zu je 45 Prozent und die Beton AG zu 10 Prozent beteiligt. Die Firma ist seit Anfang 2015 in Betrieb und bewirtschaftet seither beide Kieswerke als Pächterin. Im Auftrag der Ortsbürgergemeinden – in deren Besitz die Abbaubewilligungen und Grundstücke sind – baut sie Kies ab. Mit dieser institutionalisierten Zusammenarbeit will man Synergien nutzen und die Einnahmen der Ortsbürgergemeinden langfristig sichern.

Niederlenz entscheidet an Gmeind

Die Rechnung geht auf. An Pachtzinsen, Abbau- und Deponieentschädigungen sowie Dividenden der Kies Lenz AG fliesst ordentlich «Kies» von der Kies Lenz AG in die Kassen der Ortsbürger. «Das Kieswerk rechnet 2018 mit Einnahmen von 650'000 Franken», heisst es beispielsweise in der Vorlage zur Ortsbürgergmeind Niederlenz vom kommenden Montag, 13. November.

An dieser Gmeind haben die Niederlenzer Ortsbürger über einen Bruttokredit von 300'000 Franken (der Anteil von Niederlenz beträgt 150'000 Franken) zu befinden. Damit decken die Niederlenzer ihren Beitrag an die Vorbereitungsarbeiten, mit welchen die beiden Ortsbürgergemeinden die Rohstoffversorgung für die Kies Lenz AG längerfristig sichern wollen.

Der Planungsprozess bis zur Abbaugenehmigung nimmt Jahrzehnte in Anspruch, erklärt Gemeindeammann Jürg Link, weshalb die Diskussion frühzeitig gestartet werden müsse: «Es betrifft unsere Zukunft. Wir wollen parat sein.» Deshalb müssten sich die Ortsbürgergemeinden nun darüber Gedanken machen, wo in den Gemeinden neue Abbaugebiete für die kommenden 30 bis 50 Jahre erschlossen werden könnten. Bereits im Frühling wurde eine Arbeitsgruppe mit Vertretern aus beiden Gemeinden ins Leben gerufen. Sie wurde beauftragt, sich detailliert mit der künftigen Rohstoffversorgung auseinanderzusetzen, Vorschläge über Abbaugebiete vorzulegen und die dazugehörenden Anträge auszuarbeiten. Für die gemeinsame Abbaustrategie ist ein Zeithorizont von rund drei Jahren vorgesehen.

Lenzburger Anteil im Budget

In Lenzburg kommt das Geschäft nicht separat vor die Ortsbürgergemeinde. «Hier wird es anders gehandhabt und der Betrag auf die Budgets der kommenden drei Jahre verteilt», erklärt Ortsbürgervorsteher Martin Stücheli. Das heisst, von 2018 bis 2020 sind in Lenzburg im Rahmen des Budgets der Ortsbürgergemeinde je 50 000 Franken für die Planung des späteren Kiesabbaus zu sprechen. Das Budget der Lenzburger Ortsbürger sieht 2018 Einnahmen aus dem Kiesabbau von 720'000 Franken vor – für Abbau und Deponieentschädigung, Pachtzins und Dividende.

Sowohl der Ortsbürgervorsteher von Niederlenz als auch jener von Lenzburg sind überzeugt, dass die Nachfrage nach Kies und Beton selbst dann bestehen bleibt, wenn der Neubauboom etwas nachlassen sollte. Zudem investiert man bei den Ortsbürgern kräftig in Recycling-Produkte.«Nicht nur beim Neubau, auch bei Sanierungen und Ersatzbauten, das heisst beim Rückbau bestehender Liegenschaften, sowie im Strassenbau werden all diese Produkte auch in Zukunft unverzichtbar sein», sagt Martin Stücheli.

Stücheli macht für die gemeinsame Abbaustrategie auch ökologische Gründe geltend. «Der Eingriff in die Landschaft ist möglichst klein zu halten. Wir wollen in den zwei Gemeinden nicht überall Löcher öffnen.» Wo immer in ferner Zukunft Kies abgebaut wird, muss später wieder aufgefüllt und das Gelände seiner ursprünglichen Nutzung zugeführt werden. Das ist bereits heute der Fall und wird jeweils in der schriftlichen Abbaugenehmigung festgehalten. «Ist ein Abbaugebiet bewaldet, wird die Fläche am Schluss aufgeforstet. Und eine Landwirtschaftszone muss wieder landwirtschaftlich bewirtschaftet werden», erklärt Stücheli.

Meistgesehen

Artboard 1