Lenzburg

Der Holzfäller vom Aabach: Warum der Biber für die Natur kein Problem ist

Regelmässig nagen Biber Bäume am Aabach an.

Regelmässig nagen Biber Bäume am Aabach an.

Am Uferbereich der Aabach Region sind Spuren des Bibers zu finden – ein Problem für die Natur ist das nicht.

Spaziergängern entlang am Aabach wird es schon aufgefallen sein, zahlreiche Bäume sind angeknabbert. Bei den einen fehlt nur ein Stück der Rinde, bei anderen ist eine grosse Kerbe in den Stamm genagt. Die Ursache des Baumschwundes ist rund einen Meter lang und wiegt bis zu 25 Kilo: der Biber. In der Schweiz wurden die Tiere Anfang des 19. Jahrhunderts ausgerottet. In den 50er-Jahren wurden die ersten Tiere wieder angesiedelt. Seit 1962 sind sie bundesrechtlich geschützt.

Bestand des Bibers im Aargau relativ konstant

Im Kanton Aargau hat der Biberbestand in den letzten 10 Jahren leicht zugenommen. 2008 waren es 272 Biber, zehn Jahre später haben rund 344 Tiere ihr Revier entlang der Flüsse und Bäche beansprucht. Gemäss Miriam Peretti, Projektleiterin der Aktion Biber & Co von Pro Natura, ist der Bestand des einst ausgerotteten Tieres im Kanton Aargau relativ konstant. «Natürlich gibt es immer wieder leichte Veränderungen im Bestand». Diese können aber auch auf natürliche Schwankungen innerhalb eines Tierbestandes zurückzuführen sein.

Entlang des Aabachs haben sich die Tiere an drei verschiedenen Standorten ein Revier eingerichtet. Jeweils eines in Seon, Lenzburg und Niederlenz. Die Reviere sind dabei grösser als erwartet: «Von wenigen 100 Metern Länge am Bach bis zu einigen Kilometern ist eigentlich alles möglich», sagt Miriam Peretti. An verschiedenen Stellen des Gebietes markieren die Biber ihr Revier mit einem Sekret.

In welchem der drei Reviere wie viele Tiere leben, ist gemäss Peretti schwer zu sagen: «Biber sind in ihren Gebieten entweder alleine, als Paar oder gar als Familie.» Das letzte durchgeführte Monitoring im vergangenen Jahr habe gezeigt, dass momentan drei Paare am Aabach sind. Auch wenn die Tiere sich vermehren, steigt der Bestand an einem Revierstandort nicht unkontrolliert. «Biberjunge bleiben jeweils bis anfang drittes Lebensjahr bei den Eltern, danach ziehen sie aus », so Peretti. Auch akzeptieren die Biber in ihrem Revier keine anderen Artgenossen ausser ihrer Familie.

Keine Gefahr für die Aabach-Region

Dass die von den Bibern verursachten Schäden an den Bäumen zurzeit mehr auffallen, überrascht die Projektleiterin nicht. «Biber halten keinen Winterschlaf, sie sind das ganze Jahr über aktiv». Mit dem Wechsel der Jahreszeiten ändert sich jedoch auch der Menuplan der Vegetarier: «Ernähren sie sich im Sommer hauptsächlich von krautigen Pflanzen in und am Wasser, wechseln sie im Winter aufgrund der Verfügbarkeit zu Baumrinde von Weichhölzern.»

Den Standort, wo sich die pelzigen Holzfäller gütlich tun, wechseln sie regelmässig: «Der Fällplatz der Biber ist immer sehr punktuell, die Bäume, die sie annagen, sind meist Weichhölzer. Wechseln die Biber den Platz, bilden die Bäume im nächsten Jahr wieder neue Triebe aus.» Zudem sei die Menge an Holz, die der Biber durch seine Arbeit raustrage, immer noch beträchtlich kleiner als diejenige des Menschen.

Eine Gefahr für die Natur in der Aabach-Region sind die Tiere mit der langen Kelle also nicht. Laut Peretti sind sie sogar eine Bereicherung für die Biodiversität. «Der Biber macht eigentlich einen Gewässerunterhalt am Aabach. Durch die Totholzstrukturen, die er damit in die Gewässer bringt, unterstützt er nachweislich die Artenvielfalt.»

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