Die sieben fast gleich lautenden Motionen stammen aus den Federn von Parlamentariern jeder politischen Couleur: Darunter die Aargauer Nationalräte Ruth Humbel (CVP), Cédric Wermuth (SP) und Bernhard Guhl (BDP).

Aber auch Nathalie Rickli (SVP) oder der Obwalder Ständerat Hans Hess (FDP) reichten je eine Motion ein. Alle fordern sie eine Gleichstellung des Kitesurfens mit anderen Wassersportarten. Das Surfen mit einem Lenkdrachen soll also auf Schweizer Seen grundsätzlich erlaubt werden.

Rückenwind erhalten die Kitesurfer und Politiker von der ISAF, der International Sailing Federation, die Anfangs Mai entschied, dass Kitesurfen olympisch wird. Schon an den Olympischen Spielen 2016 in Rio de Janeiro soll Kitesurfen die Disziplin Windsurfen abgelöst haben.

Hinter dem politischen Vorstoss stecken die Organisationen Pro Kitesurfen Schweiz und Swiss Sailing – der Schweizerische Segelverband. Mit den Motionen nimmt der Druck auf den Bundesrat zu, am 2001 eingeführten Verbot etwas zu ändern.

Zum Teil lange Anfahrtswege

Zwar können die Kantone bereits heute Gewässer zur Nutzung durch Kitesurfer freigeben, doch müssen Sportler zum Teil lange Anreisewege in Kauf nehmen, um ihrem Hobby – etwa auf den Engadinerseen, dem Boden-, Urner oder Neuenburgersee – zu frönen.

So geht es auch den Aargauer Kitesurfern. Auf dem Hallwilersee ist Windsurfen zwar erlaubt, Kitesurfen dagegen verboten. Doch müsste mit einem Boom gerechnet werden, wenn sich an der Bundesgesetzgebung etwas ändern würde?

Hallwilersee wird nie zum Kite-Mekka

Grundsätzlich hätte es genug Platz für Kitesurfer auf dem Hallwilersee, sagt der Präsident des Segelclubs Hallwil, Martin Strobel. Die Sportler würden sich erst dann auf dem Wasser austoben, wenn es für alle anderen Nutzer bereits zu garstig sei. «Kitesurfer brauchen sehr viel mehr Wind als Segelboote, die meisten Segelsportler gehen ab einer bestimmten Windgeschwindigkeit jedoch nicht mehr auf den See», erklärt Strobel.

Das bestätigt auch der Projektleiter von Pro Kitesurfen Schweiz, Mario Kaufmann: «Unter einer Windstärke von vier Beaufort geht gar nichts.» Windsurfen und Segeln sei dagegen bei weniger starkem Wind möglich. Trotzdem: Für Kaufmann hat der Hallwilersee nicht oberste Priorität. Vielmehr hofft er, dass es gelingen möge, das Verbot auf dem Sempachersee aufzuheben (siehe Box).

Die Windstärke ist aber nur das eine, er sollte auch möglichst konstant sein. Doch gerade diese Komponente fehlt auf dem Hallwilersee. Christine Glaus, die in Meisterschwanden eine Surf-Schule betreibt, weiss das. Noch bevor das nationale Verbot 2001 in Kraft trat, hätten es einmal zwei Kitesurfer versucht. «Sie kamen aber nie wieder», erinnert sich Glaus. Zu lau blies das Lüftchen auf dem Hallwilersee.

Parlament hat die Sache in der Hand

Gespannt wartet die Kite-Szene nun auf die Behandlung der Vorstösse im Plenum während der Herbstsession. Stimmen beide Kammern den Motionen zu, muss der Bundesrat über die Bücher und seine Haltung – wie sie Doris Leuthard dargelegt hatte (siehe Box unten) – wohl oder übel revidieren.