Beinwil am See

Der Hallwilersee bekommt eine neue Bucht und einen Steg

Projektleiter Erik Olbrecht steht vor dem Uferwegabschnitt, der abgetragen wird, und deutet aufs Areal der Flachwasserbucht. tf

Projektleiter Erik Olbrecht steht vor dem Uferwegabschnitt, der abgetragen wird, und deutet aufs Areal der Flachwasserbucht. tf

Der Kanton will über rund 60 Meter das Ufer des Hallwilersees renaturieren. Noch bis am 3. September liegt in Beinwil am See ein Projekt auf: Im Gebiet Ägelmoos soll der aufgeschüttete Weg abgetragen und renaturiert werden.

Kaum ein Schweizer Mittellandsee lässt sich derart ufernah umwandern wie der Hallwilersee. Vergessen geht dabei oft, dass der Uferweg und seine Befestigung relativ jung und keineswegs naturnah sind.

Nun will der Kanton auf einer kurzen Strecke der Natur mehr Raum zurückgeben. Noch bis am 3. September liegt in Beinwil am See ein Projekt auf: Im Gebiet Ägelmoos soll der aufgeschüttete Weg abgetragen und renaturiert werden. Durch diese Naturschutzmassnahme entsteht eine kleine Flachwasserbucht, die durch eine anschliessende Feuchtwiese ergänzt werden soll.

Der Uferweg wird natürlich nicht unterbrochen, sondern führt an dieser Stelle zwischen Beinwil am See und Birrwil über einen Holzsteg in Dreieck-Form hinaus auf den See.

Internierte bauten den Damm

Erik Olbrecht, Projektleiter Natur und Landschaft in der Abteilung Landschaft und Gewässer im kantonalen Baudepartement, ist verantwortlich für das Vorhaben. Er bezeichnet es als Glücksfall, dass hier dank dem Entgegenkommen des Landwirts Robert Merz eine am Uferweg gelegene Wiese für Aufwertungsmassnahmen zur Verfügung steht.

Hier soll eine flache Bucht, die laut Olbrecht verschiedenen Fischarten eine «ideale Jungstube» bietet, angelegt werden. «Die heutige Situation ist ungünstig für die Feuchtwiesen am See, da das Wasser wegen dem Damm nicht ins Wiesengebiet zirkulieren kann», so der Projektleiter.

Um dem abzuhelfen, muss der im Zweiten Weltkrieg von internierten Soldaten mit Schottersteinen aufgebaute Damm, auf dem seither der Uferweg verläuft, auf einer Länge von rund 30 Meter abgetragen werden. Zusammen mit dem Ausbaggern der Bucht und der aufzuwertenden Feuchtwiese rechnet man mit rund 500 Kubikmeter Aushubmaterial.

Steg aus einheimischem Holz

Nicht nur verschwindet hier der eigentliche Damm, sondern auch die Steine, die im See vor rund 70 Jahren auf einer Breite von mehreren Metern für die Befestigung ausgelegt wurden, werden entfernt, wie Olbrecht bei einem Augenschein vor Ort erläuterte.

Der Uferweg darf durch die geplante Renaturierungsmassnahme nicht unterbrochen werden. Ein Verlegung hinter Flachuferbucht und neue Feuchtwiese kam nicht infrage. Vorgesehen ist nun ein Steg, der in Dreiecksform hinaus auf den See führt und dem Wanderer ermöglicht, den wertvollen Schilfgürtel einmal von der Seeseite aus zu sehen. «Selbstredend verwenden wir dafür einheimisches Holz», so Olbrecht.

Normales Verfahren

Das Ägelmoos-Projekt, das vielleicht an andern geeigneten Uferpartien eine Fortsetzung finden könnte, kostet rund 150 000 Franken. Dieser Betrag stammt aus dem Globalbudget für Aufwertungsmassnahmen in Naturschutzgebieten von kantonaler Bedeutung. «Hier entsteht ein Lebensraum-Standortmosaik für ein Maximum verschiedener Organismen», fasst Olbrecht die Bedeutung zusammen.

Das Baugesuch muss, auch wenn hier der Kanton als Bauherr auftritt, das übliche Verfahren durchlaufen. Unmittelbar nach der öffentlichen Auflage wird das Projekt am 5. September auch von der Seeuferschutzkommission (SUK) behandelt, die den Kanton bei der Umsetzung des Hallwilerseeschutzdekrets berät. Olbrecht als ehemaliges SUK-Mitglied sieht dieser Prüfung optimistisch entgegen.

Liegt die Bewilligung vor und ist’s weiterhin trocken, sollen die Arbeiten noch im Herbst ausgeführt werden. Ende September, früher als möglicher Einweihungstermin genannt, hat sich allerdings als illusorisch erwiesen.

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