Schloss Lenzburg
Der grösste Kran, den er je gesteuert hat: «Der Wind kann schnell problematisch werden»

Fabian Baumgartner ist Herr über den Kran, der für die Sanierungsarbeiten auf Schloss Lenzburg benötigt wird. Die Ladung punktgenau an den Dächern und Mauern vorbeizusteuern und dann noch den Einfluss des Windes einzuberechnen, ist eine Herausforderung.

Janine Gloor
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Kranführer auf Schloss Lenzburg
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Der Kran steht in der Schlosszufahrt. Bläst der Wind durch das Gestänge, schwankt und klingt er.
Diesen Ausblick aus 50 Metern Höhe können sonst nur die Dohlen geniessen.
Auf dem Kran hat man den Überblick über die ganze Region – wenn sie nicht im Nebel liegt.
50 Meter sind ganz schön hoch.

Kranführer auf Schloss Lenzburg

Chris Iseli

Es ist still hier oben. 50 Meter hoch ist der Kran, der das Schloss Lenzburg derzeit überragt. Für einmal ist nicht die Burg der höchste Punkt der Stadt, sondern kann auch von oben betrachtet werden. Die Gesichter der Menschen im Schlosshof sind kaum noch zu erkennen.

Fabian Baumgartner ist Herr über diesen Kran. Normalerweise steuert er ihn vom Boden aus. Doch mindestens einmal pro Woche klettert er die 50 Meter hoch und kontrolliert unter anderem die Bolzen, Splinte und Seile. Die Sprossen der Leiter sind zahlreich und kalt.

Baumgartner steigt zielstrebig höher und höher – in der Mitte legt er gewöhnlich eine kurze Pause ein. Im Kranführerhäuschen ist der Boden vor dem Sitz transparent. Die Füsse auf einen durchsichtigen Boden mitten in der Luft zu stellen, der Teil eines Krans ist, der auf einem steilen Hügel steht, lässt erstmals Zweifel am Unterfangen aufkommen.

Doch der Boden hält und der Stuhl ist bequem. Es ist ein windstiller Tag und trotzdem schwankt der Kran sanft. «Der Aufleger ist 60 Meter lang», sagt Baumgartner. Der Wind kann schnell problematisch werden. Wenn er zu stark ist und Baumgartner mit dem Aufleger nicht mehr dagegenhalten kann, muss die Arbeit mit dem Kran auch mal pausiert werden.

«Man hört den Wind, wenn er quer zum Aufleger bläst», sagt Baumgartner. Er ist Holzbauer und seine Firma, die für die Dachsanierungen auf dem Schloss zuständig ist, verwendet oft Kräne. «Für das Bernerhaus mussten wir 100 Tonnen Material herumhieven.»

Das Führen des Krans erfordert eine ruhige Hand. «Ich werde oft gefragt, ob ich zu Hause viel am Computer spiele», sagt er. Tut er aber nicht. Die Ladung punktgenau an den Dächern und Mauern vorbeizusteuern und dann noch den Einfluss des Windes einzuberechnen, ist eine Herausforderung.

Der Kran auf Schloss Lenzburg ist der grösste, den Baumgartner je gesteuert hat. Noch gibt es für die beiden viel zu tun; zum Beispiel eine Hebebühne und Material für den Dachbodenausbau des Bernerhauses hochzuheben. Und bei der Demontage des Gerüsts wird er ebenfalls eingesetzt.

Wann der Kran abgebaut wird, ist noch unklar. Entweder noch dieses Jahr oder erst im Frühjahr 2019. «Die Strasse muss komplett trocken sein», sagt Projektleiter Hansruedi Urech. Gibt es eine Weihnachtsbeleuchtung, falls der Kran länger bleibt? «Nein», sagt der Kranführer. «Um diese zu montieren bräuchte es einen zweiten Kran.»