Ein Mann steht im Walde. Es ist Oberförster Frank Hämmerli der Forstdienste Lenzia. Mit gesenktem Blick steht er neben einer Fichte. Auf den Brombeerblättern liegen dunkle Krümel, für den Laien nicht weiter auffällig. «Das ist Bohrmehl», sagt Hämmerli. Eine schlechte Nachricht, denn das sind die Spuren des Befalls. Der Schädling, dessen Name vor dreissig Jahren jedes Kind kannte, der von Peach Weber mit einem Lied besungen wurde, ist auch heute noch aktiv. Der Borkenkäfer.

Den Käfer gibt es in mehreren Arten, eine davon heisst Buchdrucker und befällt nur Fichten. Findet Frank Hämmerli Bohrmehl, hat sich der Buchdrucker durch die Rinde gebohrt. Der Baum versucht, den Schädling mit Harz zu vertreiben. Gelingt dies nicht, legt der Käfer seine Eier; die Larven fressen sich ihre Gänge durch die Borke. Wenn sie flügge sind, bohren sie sich durch die Rinde und fliegen zum nächsten Baum. Passiert dies an mehreren Stellen, sind die Verbindungswege des Baums für Nährstoffe unterbrochen. Die Nadeln fallen aus, die Krone wird braun, die Rinde blättert ab.

«Der Borkenkäfer hat in diesem Jahr bereits 400 Kubikmeter Zwangsnutzung verursacht», sagt Hämmerli. Das ist ein Würfel mit 7,5 Metern Kantenlänge. Je schneller der Befall entdeckt wird, desto mehr Wert hat das Holz noch. Mit dem Revierleiter-Stellvertreter Thomas Waltenspühl bespricht Hämmerli, wo als Nächstes geholzt werden muss. Waltenspühl rechnet lieber in Stückzahlen als in Kubikmetern. «Wenn der Borkenkäfer junge Bäume im besten Wachstum befällt, macht er extrem viel kaputt.»

In den 80er-Jahren war die Angst vor dem Waldsterben gross. Saurer Regen, Luftverschmutzung und Schädlinge setzten alten Baumbeständen zu. 1984 demonstrierten 30 000 Menschen in Bern gegen das Waldsterben. Die geschwächten Bäume waren für den Borkenkäfer ein gefundenes Fressen. Der Begriff Waldsterben hat seine Brisanz verloren, der Borkenkäfer ist noch da. Natürliche Gegenspieler des Borkenkäfers sind andere Käfer und Vögel wie die Spechte, welche die Population der Borkenkäfer leicht regulieren können. Wenn die Käferplage grösser wird, muss der Mensch eingreifen. (JGL)

Der Borkenkäfer: Waldfeind Nr. 1

In den 80er-Jahren war die Angst vor dem Waldsterben gross. Saurer Regen, Luftverschmutzung und Schädlinge setzten alten Baumbeständen zu. 1984 demonstrierten 30 000 Menschen in Bern gegen das Waldsterben. Die geschwächten Bäume waren für den Borkenkäfer ein gefundenes Fressen. Der Begriff Waldsterben hat seine Brisanz verloren, der Borkenkäfer ist noch da. Natürliche Gegenspieler des Borkenkäfers sind andere Käfer und Vögel wie die Spechte, welche die Population der Borkenkäfer leicht regulieren können. Wenn die Käferplage grösser wird, muss der Mensch eingreifen. (JGL)

Draussen im Wald hat Frank Hämmerli eine Spraydose in der Jackentasche. Befallene Bäume erhalten ein Mal. Der Zeitpunkt zum Holzen muss gut gewählt sein. Die zweite Generation Borkenkäfer soll am Ausfliegen gehindert werden. Sonst können sie in einem Umkreis von bis zu einem Kilometer neue Fichten befallen. «Manchmal lassen wir einen Baum extra stehen.» Dieses Opfer heisst Fangbaum.

Die letzte grosse Borkenkäferplage wurde im Jahr 2003 verzeichnet. Das heisse und trockene Wetter im Jahrhundertsommer entsprach dem Borkenkäfer. In diesem Jahr wurden im Revier der Forstdienste Lenzia 2107 Kubikmeter Käferholz verzeichnet, im Jahr darauf wurde eine Höchstzahl von 2541 Kubikmetern erreicht. «Die Spuren sind heute noch spür- und sichtbar», sagt Hämmerli. Der Verkauf von Fichtenholz sei merklich zurückgegangen.

Trockenheit schwächt Fichten

In den letzten Jahren wurde eine leichte Zunahme von Borkenkäferbefall festgestellt. «Ein gewisses Grundflimmern ist normal», sagt Ruedi Bättig, Forstingenieur beim Kanton. Der Juni in diesem Jahr sei für die Käfer sehr gut gewesen. Trockenheit schwächt die Bäume; die Käfer haben leichtes Spiel. Das Gleiche gilt für Stürme, Orkan Lothar sorgte im Jahr 2000 für eine Massenvermehrung des Borkenkäfers. «Wichtig ist ein gut durchmischter Wald mit standortheimischen Baumarten», sagt Bättig. Je mehr standortfremde Bäume im Wald stehen, desto anfälliger wird er.

Frank Hämmerli stapft durch den regennassen Wald. In der Nähe des höchsten Baums von Niederlenz – eine Douglasie – findet er Bohrmehl. Mehrere Fichten sind befallen. Eigentlich hätten sie noch 50 Jahre weiterwachsen sollen. An einer anderen Stelle in Othmarsingen hat der Borkenkäfer ein 50 mal 50 Meter grosses Feld auf dem Gewissen. Wo früher Fichten standen, ziehen die Forstdienstmitarbeiter jetzt Eichen auf. Beim dritten Halt im Lenzburger Lind bleibt die Spraydose in der Jackentasche. Dieses Waldstück ist käferfrei. Beschwingten Schrittes marschiert der Förster zurück zum Auto.