Möriken-Wildegg
Der fast 40-jährige Traktor der Lüfte kommt ans Traktorentreff

Damit die fast 40-jährige Antonov An-2 am Traktorentreffen in wenigen Wochen landen kann, müssen die Felder schon seit Frühling speziell bewirtschaftet werden.

Markus Christen
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Die Antonow An-2: Der heutige Eigentümer hat die Maschine vor zehn Jahren in Riga gekauft.

Die Antonow An-2: Der heutige Eigentümer hat die Maschine vor zehn Jahren in Riga gekauft.

Zur Verfügung gestellt

Vor vier Jahren war ein 36 Meter hohes, in weitem Umkreis sichtbares Riesenrad die grosse Unterhaltungsattraktion am Traktorentreffen in Möriken. Rund 20 000 Besucher in drei Tagen strömten damals auf das Festgelände, um die über 700 in Reih und Glied ausgestellten Oldtimertraktoren zu begutachten und den historischen Landwirtschaftsmaschinen beim Arbeiten zuzusehen.

Vom 25. bis 27. August findet nun das nächste Oldtimer-Traktorentreffen statt. Auf eine Rundfahrt auf dem Riesenrad werden die Besucher in diesem Sommer verzichten müssen. Doch die Organisatoren um Jakob Gebhard bereiten für ihr Publikum ein neues und aufregendes Spektakel vor. Am Festsamstag und -sonntag wird auf dem Neufeld zwischen Möriken und Brunegg eine Antonov An-2 landen und starten.

In Landwirtschaft eingesetzt

Das Transportflugzeug An-2 gilt mit einer Flügelspannweite von über 18 Metern als der grösste einmotorige Doppeldecker der Welt und ist auch unter dem Namen «Traktor der Lüfte» bekannt, da er sehr langsam fliegen kann und im ehemaligen Ostblock auch in der Landwirtschaft eingesetzt wurde. «Die Idee, während des Traktorentreffens ein Flugzeug landen und starten zu lassen, entstand vor ungefähr vier Jahren», sagt Festorganisator Jakob Gebhard. Doch vom ursprünglichen Einfall bis zur Realisierung dieser aussergewöhnlichen Festattraktion sei es ein weiter Weg gewesen. «Viele Stellen mussten dafür ihr OK geben. Die Polizei, die Feuerwehr, die Gemeinde, die Besitzer des Landes, das wir für die Flugpiste brauchen, und das Bundesamt für Zivilluftfahrt.» Diese sind mittlerweile eingetroffen.

Jakob Gebhard, Philipp Fehlmann und Pascal Furer (v.l.) auf dem als Landepiste speziell präparierten Feld.

Jakob Gebhard, Philipp Fehlmann und Pascal Furer (v.l.) auf dem als Landepiste speziell präparierten Feld.

Markus Christen

Es sind jedoch noch weitere Vorkehrungen nötig. Zum Beispiel braucht es eine präparierte Landemöglichkeit für das Flugzeug. Bereits im Frühling säten die Organisatoren auf einem 500 Meter langen und 30 Meter breiten Feldstück zwischen Möriken und Brunegg das Gras für die Start- und Landepiste. Dieses muss nun bis im August regelmässig gestutzt werden. «Die Spezialität der Antonov An-2 besteht darin, dass sie nicht auf eine geteerte Piste angewiesen ist», so Gebhard. Dies bedeutet allerdings auch, dass die Flugaktion am Traktorentreffen vom Wetter abhängig sein wird. «Wenn der Boden nass oder weich sein sollte, dann haben wir ein Problem».

Flugzeug gilt als sehr sicher

Jean Voegelin ist der Pilot des Transportflugzeuges, welches das Traktorenfest im August besuchen wird. Er ist auch der Präsident des Antonov Clubs Avianna. Dem Liebhaber-Club gehört die Antonov An-2 mit Baujahr 1978, die auf dem Regionalflugplatz Birrfeld ihren Standplatz hat. «Es ist das Flugzeug, das am längsten produziert wurde, ohne eine Veränderung vorzunehmen. Das zeigt die einzigartige Qualität des Fliegers.» Die An-2 gelte auch als eines der sichersten Flugzeuge.

Der Club Avianna hat seinen Flieger, der ursprünglich als russische Offiziers-Transportmaschine diente, vor 10 Jahren in Riga gekauft und in die Schweiz überflogen. Auf die Landung in der Landwirtschaftszone von Möriken freut sich Jean Voegelin. «Auf Gras zu starten und zu laden, gehört zwar zur Routine. Aber auf freiem Feld in Möriken zu landen, ist für mich auch deshalb faszinierend, weil so ein Eindruck davon entsteht, wie die Fliegerei in früheren Zeiten funktioniert hat.»