Staufen
Der ersehnte Sensationsfund auf dem Staufberg

Vor der eindrücklichen Naturkulisse des Staufbergs, passend unterstützt durch die drohende Wetterlage am Horizont, hat in Staufen das Landschaftstheater «Vatto der Zeitenwanderer» Premiere gefeiert.

Markus Christen
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Das Freilichttheater feierte Premiere mit der Inszenierung «Vatto der Zeitenwanderer»

Emanuel Freudiger

Ein Team von enthusiastischen Schülerinnen und Schülern gräbt emsig nach dem ursprünglichen Fundament der Staufbergkirche.

Der ersehnte Sensationsfund würde Aufschlüsse über das christliche Leben zu Römerzeiten erlauben und die missachtete Archäologin Urecht (gespielt von Judy Cahannes Begni) auf einen Schlag ins Rampenlicht katapultieren. Der Lehre und der Ehre wäre Genüge getan.

Doch die Ausgrabungen verlaufen alles andere als störungsfrei. Bornierte Behördenvertreter verkünden das Ende der Ausgrabungen, weil der Kanton den Geldhahn zugedreht hat.

Und just in dem Moment, als die Forscherin Urecht eine alte Glasscherbe findet, tritt Vatto (Urs Wullschleger) auf die Szene, schnappt sich die Scherbe und verschwindet.

Wer dieser Vatto ist, kann niemand mit Sicherheit sagen. Ein Geist, spekulieren die einen. Ein streunender Obdachloser, mutmassen die anderen.

Eindrückliche Naturkulisse

Nach den Produktionen «Gaunerkönig Bernhart Matter» im Jahr 2009 und «Dorfgschichte» im Jahr 2011 ist «Vatto der Zeitenwanderer» die dritte Inszenierung des Vereins Freilichttheater Staufberg.

Rund 70 Laienschauspieler, darunter viele Schulkinder, sind an der Aufführung beteiligt, die vorgestern Donnerstag vor vollen Rängen und eindrücklicher Naturkulisse Premiere feierte.

Die Geschichte rund um die historisch belegte Figur des Vatto, im Stück ein Helvetier und römischer Feldherr, stammt aus der Feder des Wohler Autors und Regisseurs Peter Locher und verknüpft auf einfallsreiche Weise die Zeit, zu der die letzten Römer im Staufberggebiet siedelten, mit der Gegenwart.

«Es war mir wichtig», sagt Locher, «die Landschaft in die Aufführung mit einzubeziehen und die Tiefe und Breite des Raumes auszunutzen.» Dies sei für alle Beteiligten eine grosse Herausforderung gewesen.

Es sind denn auch diese ausschweifenden Szenen, die das Premierenpublikum zu bannen wussten. Den Höhepunkt auf dem Staufberg bildete die Flucht der römischen und helvetischen Bevölkerung vor den einfallenden Germanen. Zur grossen Aufregung trug die drohende Wetterlage am Donnerstagabend ihr Übriges bei.

Kreativer Austausch mit Regisseur

Da die Hintergrundgeschichte zum Stück reichlich komplex ist, beinhaltet die Aufführung einige langatmige Passagen, etwa wenn in einer Szene Kelten, Germanen, Römer und Christen nacheinander erörtern, weshalb der Staufberg ihrem Hoheitsgebiet zuzurechnen ist.

Viel Freude bereiteten den Zuschauern an der Premiere die Musicalelemente. Grosse und mehrstimmige Choreinlagen der jungen und erwachsenen Laienschauspieler wurden begleitet von freudvollen Tanzeinlagen.

Für Choreografin Simone Frey gestaltete sich die Arbeit mit dem Schauspielensemble als spannend, insbesondere da die meisten Akteure nicht darauf vorbereitet waren, im Stück auch tanzen zu müssen. «Es galt, den Schauspielern auch die Freude am Tanzen zu vermitteln und zu schauen, dass sie diese behalten.»

Text und Musik aus einem Guss

Für die musikalische Untermalung des Freilichttheaters zeichnet Urs Erdin mit seinem siebenköpfigen Theater-Orchester verantwortlich. Erdin hat die Zusammenarbeit mit Peter Locher geschätzt und lobt den kreativen Austausch, der stattgefunden hat.

«Man darf nicht vergessen, für diese Aufführung wurde alles neu geschrieben, sowohl Text als auch Musik. Am Ende ist entscheidend, dass alles erscheint wie aus einem Guss.»

Äusserst zufrieden mit dem Premierenabend zeigte sich Regisseur Peter Locher. «Die Schauspieler waren mit vollem Einsatz dabei. Das war auch bei den Proben stets der Fall.» Diesen Einsatz verdankte dann auch das Publikum mit einem lang anhaltenden Applaus.