Lenzburg
Der ehemalige Regionalpolizeichef tritt in den Ruhestand

Nach 24 Jahren Dienstzeit bei Stadtpolizei und Regionalpolizei Lenzburg tritt Werner Rimann im Alter von 63 Jahren in den Ruhestand. «Ich verstand mich als Partner und Helfer für Bevölkerung und Politik und hatte mit beiden ein gutes Einvernehmen.»

Heiner Halder
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Werner Rimann hat als Regionalpolizeichef «immer den guten Mittelweg gefunden». HH.

Werner Rimann hat als Regionalpolizeichef «immer den guten Mittelweg gefunden». HH.

Er habe «immer den guten Mittelweg, den Konsens gefunden», hält der langjährige Polizeichef fest, und: Der Polizeiberuf sein für ihn eine Berufung gewesen. Konsequent und unnachgiebig in der Sache, im Gespräch Lösungen zu suchen und zu finden und dann einen Strich darunter zu ziehen, lautete Rimanns Rezept.

Es waren zwei Dutzend bewegte Jahre, vieles hat sich seit Rimanns Amtsantritt als Chef der Stadtpolizei Lenzburg am 1. Januar 1988 verändert. Doch das habe er als spannend empfunden: «Das sind Herausforderungen, in denen man sich bewähren kann, sie sind als Chance zu verstehen.»

Das Korps mit damals sechs Mitarbeitern war im ehemaligen Feuerwehrmagazin beim Försterhaus an der Marktgasse untergebracht. Als Verkehrs-, Sicherheits- und Verwaltungspolizei war man nur für die Stadt zuständig, die Aufgabentrennung zur Kantonspolizei streng, aber nicht immer ganz klar. Grossen Anteil im Pflichtenheft nahm der Verkehrsdienst auf den Kreuzungen ein, im administrativen Bereich bestand Aufholbedarf.

Pionierhafte Regionalpolizei

Um das Jahr 2000 herum wurde die Stadtpolizei Lenzburg auf Veranlassung des damaligen Stadtammanns Rolf Bachmann im Aargau pionierhaft erstmals regionalisiert, erinnert sich Rimann. Zuerst mit Niederlenz, Rupperswil und Hunzenschwil ging man gemeinsam auf Patrouille und leistete Pikett.

Der Ausbau zur Stadt- und Regionalpolizei erfolgte mit dem Beizug von Othmarsingen, Schafisheim, Staufen, Möriken-Wildegg, Hendschiken und Brunegg. Die polizeiliche Versorgung von Dörfern ohne Ordnungshüter und Verstärkung von «Einzelkämpfern» besorgten neun Polizisten und eine Zivilangestellte. Rupperswil und Hunzenschwil zogen allerdings nach kurzer Zeit den Alleingang vor. 1990 verzeichnete Lenzburg die erste vollamtliche Polizeibeamtin auf kommunaler Ebene.

Duales System seit 2008

Mit dem neuen Polizeigesetz von 2008 wurde auf kantonaler Ebene das duale System von Kantonal- und Regionalpolizei eingeführt. Erstere behandelt den Kriminalbereich, Verkehrsunfälle und Autobahnpolizei, letztere steht 365 Tage im Jahr während 24 Stunden in den angeschlossenen 12 Gemeinden der Region in Einsatzbereitschaft (Pikett). Die Repol Lenzburg zählt gegenwärtig 14 Polizisten (davon zwei Frauen) und drei Zivilangestellte (zwei Frauen).

«Aus dem beschaulichen Betrieb wurde ein hoch professioneller Apparat», beschreibt Werner Rimann die Veränderung. Auch die «Kundschaft» hat sich gewandelt: Man ruft einerseits sofort die Polizei, andererseits nehmen Respektlosigkeit und Gewalt gegen alle und alles zu. Sinnlose Zerstörungswut ist ein neueres Phänomen, die Jugend sei aber nicht schlechter geworden, jedoch würden alle kollektiv zu den «schwarzen Schafen» gezählt.

Positiv wertet Rimann, dass das Gespräch mit dem Bürger immer noch stattfindet, «aber nicht mehr so selbstverständlich ist». Sein Fazit: «Die Polizei muss mehr zu de Lüüt.»

Haus, Garten und Dampfloki

Im Hinblick auf die Umstrukturierung der Polizeiorganisation, verbunden mit dem Umzug ins Malagahaus, und die Pensionierung von Werner Rimann wurde 2007 Ferdinand Bürgi als neuer Repol-Chef eingesetzt.

Im Ruhestand wird es dem Demissionär sicher nicht langweilig. Er ist an der Gartenbahn in Staufen beteiligt und will für sie noch eine eigene Dampfloki bauen, mit Gattin und Reisemobil in Europa herumtouren und in Staufen Haus und Garten pflegen.