Marcel Ruf, der Direktor der Justizvollzugsanstalt Lenzburg (JVA), steht vor einer massiven Drehtür. Von hier führt der Weg ins Zentralgefängnis, das – bei der Eröffnung im April 2011 – inklusive der benachbarten Strafanstalt das zweitgrösste Gefängnis der Schweiz sein wird. Die beiden Anstalten bieten 300 Gefangenenplätze.

Wenn dereinst seine 42 neuen Mitarbeiter im 35-Millionen-Bauwerk an die Arbeit gehen, behält Direktor Marcel Ruf sein Büro im «Fünfstern». Das neue Gefängnis wird betrieblich in die bestehende JVA integriert. Der «Fünfstern» soll für 40 Millionen Franken saniert werden.

Kontrolle mit Augenscanner

Im Eingangsbereich sieht es aus wie am Flughafen: Detektoren zur Besucherkontrolle und um Taschen zu durchleuchten. Der Direktor schaut in einen Augenscanner, eine Stimme meldet, der Eintritt sei freigeschaltet. Die Tour führt zur Schleuse, durch die Gefangene von der Polizei gefahren werden. «Wir prüfen die Personalien, dann kommen sie ins Aussackzimmer», erklärt er. Dort wird eine Leibesvisitation durchgeführt.

Ein Rundgang durch das Zentralgefängnis in Lenzburg

Ein Rundgang durch das Zentralgefängnis in Lenzburg

In den Pikettzimmern für die Mitarbeiter scheint alles bezugsbereit, in der Küche stehen bereits die Wagen für die Essensverteilung parat. «Wegen der Kosten ist vieles aus Beton geblieben, zum Nachteil der Mitarbeiter und Untersuchungsorgane», sagt Marcel Ruf beim Gang durch das dreistöckige Gefängnis. Gebaut wurde es aus Sicherheitsgründen in die ehemalige Kiesgrube der JVA, umgeben von einer 6 Meter hohen Mauer. So sei eine Kontaktaufnahme von aussen nahezu unmöglich. Überall sind Überwachungskameras installiert.

Die Möbel in den Zellen sind – zur Suizidprävention – tief konstruiert. Und: Für eine effizientere Zellenkontrolle wurde die Einrichtung nicht an die Wände angebaut. So ist es für die Insassen schwer, etwas zu verstecken. Die Zellentüren verfügen neben Sichtfenstern und Essensdurchreichen über eine spezielle Rückhaltevorrichtung: Sie verunmöglichen ein Aufschlagen der Türe durch den Häftling, wenn das Personal die Zelle aufschliesst. Zellentür reiht sich an Zellentür: die Abteilung für Halbgefangenschaft, Zellen für männliche oder weibliche Untersuchungsgefangene, der Jugendbereich, die Abteilung für Senioren oder die Sicherheitsabteilung. Der Neubau bietet insgesamt 107 Gefangenen Platz.

Eine Arrestzelle ganz in Pink

In den Gefängnishöfen stehen Betonbänke und ein Tischtennistisch. Der Blick nach oben führt durch Gitterstäbe und ein Netz, das verhindern soll, dass jemand etwas hereinwerfen kann. «Etwa mit einem Pfeilbogen», so der JVA-Direktor. «Bei der Sicherheit haben wir nicht gespart», betont er. In den Wänden montieren Spezialisten Detektoren, die Alarm schlagen, wenn ein Gefangener verbotenerweise ein Handy benutzt.

Zum Schluss führt der Direktor in die Arrestabteilung. Vier Zellen stehen zur Verfügung. Drei Zellen sind weiss gestrichen, eine ist ganz in Pink. Marcel Ruf: «Die Farbe soll dämpfend und beruhigend auf aggressive und renitente Gefangene wirken.»