Dintikon

Der Dintiker Jugend ist Gackern alles andere als peinlich

Eine Woche vor dem Eieraufleset haben junge Männer gackernd Spenden gesammelt. Pablo und Pascal waren zum ersten Mal dabei. Gackern sei nicht peinlich, sagen die beiden. Im Gegenteil.

«Ga, ga, ga, gagagaga», tönte es am Samstagnachmittag im ganzen Dorf. Für die Dintiker nichts Aussergewöhnliches: Die Eieraufleser waren wieder unterwegs. Alljährlich sammeln die 16- bis 20-jährigen Männer Eier und Geld für den Eieraufleset, der am kommenden Sonntag stattfindet.

Nur für männliche Dorfjugend

18 junge Männer trafen sich am Samstagnachmittag zum Auftakt des Osterbrauchs, dem «Gaggelen» oder «Gagelen» – Quellen nennen beide Varianten. In drei Gruppen, jede ausgestattet mit einem Korb voll Weizenspreu und einer Karte mit dem zugeteilten Gebiet, machten sie sich auf den Weg. Sechs der Eieraufleser waren zum ersten Mal dabei, unter ihnen Pablo Gonzalez und Pascal Rey. Die Neulinge müssen den Spreukorb tragen.

Auftakt zur traditionellen Uflesete in Dintikon

Auftakt zur traditionellen Uflesete in Dintikon

Unaufgefordert packten Pablo und Pascal deshalb den Henkel und zogen mit Severin Brun, Thomas Härri und Piero Surber los. Thomas hielt seine Kollegen dazu an, am Anfang nicht zu laut zu gackern – die Stimme müsse bis zum Abend halten. Auch gruppierte er seine Mitgackerer jeweils schön um die Haustüre herum, bevor geläutet und gegackert wurde.

Pablo und Pascal mussten nicht lange zum Mitmachen überredet werden. Eher musste Pablo seine Mutter überzeugen, die befürchtete, dass die Jungen eins über den Durst trinken könnten. Schliesslich durfte Pablo doch mit auf Tour. Er und Pascal möchten damit die Dorftradition aufrechterhalten. Das Gackern vor den Haustüren ist ihnen überhaupt nicht peinlich.

Dass Pablos Mutter mit ihren Bedenken nicht unrecht hatte, zeigte sich schnell: Nicht nur Eier und Geld wurden den Eiersammlern zugesteckt. Auch Bier und Wein landete im Spreukorb und wurde unterwegs getrunken. Piero relativierte: «Jeder kann nein sagen, man muss nicht mittrinken.» Und Thomas schaute darauf, dass niemand beim Gackern ein Bier in der Hand hielt.

Eine Handvoll Spreu als Mahnung

Die meisten Dintiker waren vorbereitet. Eier oder ein Zehner-Nötli wanderten fast bei jeder Haustüre in den Spreukorb. Abwesende konnten ihre Spende vor der Türe oder im Briefkasten deponieren. Wer nicht öffnete oder nichts gab, bekam eine Handvoll Spreu vor die Haustüre – schön drapiert auf einem Flyer, damit der Fehlbare wenigstens weiss, wo und wann der Eieraufleset stattfindet: nämlich am Sonntag, 19. April, ab 13.30 Uhr.

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