Das gegenwärtig grösste Bauprojekt der Schweiz geht seiner Vollendung entgegen. Obwohl das neue Coop-Verteilzentrum mit Grossbäckerei noch nicht in Betrieb ist, wird im Hintergrund intensiv an den Sicherheitsvorkehrungen gearbeitet.

So steht zum Beispiel die Aargauische Gebäudeversicherung (AGV) seit Beginn des Baus in Verhandlungen mit Coop, um die nötigen Brandschutzmassnahmen zu definieren und einzurichten. «Wir haben gemeinsam nach Lösungen gesucht und diese auch gefunden», bestätigt Urs Ribi, Abteilungsleiter Feuerwehrwesen der AGV.

Vom Gesetz vorgeschrieben

Gemäss Feuerwehrgesetz ist die AGV ermächtigt, «besondere Betriebsfeuerwehren oder Löschgruppen zu organisieren, wo sie dies als notwendig erachtet». Je nach Personenbelegung, Brandbelastung (grosse Mengen an brennbarem Material), Aktivierungsgefahr (was könnte einen Brand auslösen), Versicherungssumme und Personensicherheitsrisiko wird die erforderliche Grösse der Betriebsfeuerwehr ermittelt. Für das Verteilzentrum Coop hat sich die Grössenklasse 3 ergeben.

Eine Betriebsfeuerwehr der Klasse 3 muss mindestens 36 Personen, darunter 5 Offiziere und 9 Unteroffiziere, umfassen. Nicht in diesem Mindestbestand enthalten sind die Spezialisten wie Sanitäter, Elektriker und Verkehrsverantwortliche. Diese werden jeweils unter Berücksichtigung der Betriebsrisiken bestimmt.

500 Tonnen fliegen durch die Luft: Grösste Bagger der Schweiz montieren 160-Meter-Passarelle auf grösster privater Baustelle der Schweiz.

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Kommandant wird Roger Strebel

Als Kommandant der neuen Betriebsfeuerwehr Coop wurde Roger Strebel gewählt. Als Kommandant der Regiofeuerwehr Lenzburg-Ammerswil-Staufen verfügt er über die nötige Erfahrung für diese Aufgabe. In Zusammenarbeit mit der AGV und den Sicherheitsbeauftragten wird er in den nächsten Monaten die nötigen Vorbereitungen treffen. «Angesichts der Weitläufigkeit des Areals wird es neben einem Feuerwehrlokal mehrere Aussenstationen geben», erklärt Urs Ribi. Tatsächlich handelt es sich um aussergewöhnliche Dimensionen. So bietet etwa die 5 Etagen umfassende Tiefgarage Platz für rund 1500 Fahrzeuge – eine Herausforderung für Einsatzkräfte.

Das Coop-Personal, das für die Feuerwehr rekrutiert wird, führt die AGV zu gegebener Zeit einen speziellen Einführungskurs vor Ort durch. Ziel ist es, bis zum Herbst eine Kleinstformation mit 24 Feuerwehrleuten zusammenzustellen, sie auszubilden und einen ersten Einsatzplan zu erstellen.

Im Neubau sind beste Brandschutzmassnahmen vorgesehen. Das grösste Risiko besteht deshalb während der Bauzeit, weil diese Massnahmen dann noch nicht aktiv sind.

Entlastung der Ortsfeuerwehr

Normalerweise ist die Ortsfeuerwehr für die Industrie- und Gewerbebetriebe in ihrem Gebiet verantwortlich. «Eine Betriebsfeuerwehr entlastet die Ortsfeuerwehr und damit die Gemeinde, die sonst die Verantwortung für einen 700-Millionen-Betrieb und etwa 1500 Leute tragen müssten», erwähnt Ribi einen weiteren Grund für die Einrichtung einer Betriebsfeuerwehr.

Vorläufig ist allerdings die Feuerwehr Hunzenschwil-Schafisheim für den Bau zuständig. Kommandant Marco Lüscher kennt den Coop-Neubau inzwischen besser als jedes andere Industrie-Gebäude in seinem Gebiet. «Seit Baubeginn finden alle vier Wochen sogenannte Blaulichtrundgänge mit dem Coop-Sicherheitsbeauftragten statt. Neben der Feuerwehr nimmt auch der Rettungsdienst und die Kantonspolizei an diesen Rundgängen teil.»

Lüscher ist froh über diese Rundgänge. «Sie vermitteln uns wertvolle Gebäudekenntnisse, auch wenn im Moment alles immer wieder anders ist.» Plötzlich ist da ein Treppenhaus, wo vor vier Wochen noch nichts gewesen sei. «Bis jetzt gab es glücklicherweise noch kein Feuerwehr-Ereignis.»

Von den Brandschutzmassnahmen ist Kommandant Lüscher beeindruckt: «Der Coop-Neubau ist ein Vorzeigeobjekt für vorbeugenden Brandschutz», lobt er. Unzählige fix installierte Nasslöschposten seien über das ganze Gelände verteilt. Es sei sogar ein eigenes Löschwasserbecken vorgesehen, weil das Hydrantennetz der Gemeinde Schafisheim bei einem Grossereignis nicht genügend Wasser liefern könne.