Tennwil
Der Co-Therapeut auf vier Hufen: Die Klienten fassen zum Pferd oft schneller Vertrauen

Zusammen mit Pferd Tex bietet Elaine Bentler in Tennwil Pferdetherapie an.

Anja Suter
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Elaine Bentler bietet mit Pferd Tex in Tennwil Reittherapie an.

Elaine Bentler bietet mit Pferd Tex in Tennwil Reittherapie an.

Zvg / Aargauer Zeitung

«Das Pferd kann oft der Schlüssel zum Klienten sein, sie fassen zu ihm schneller Vertrauen», sagt Elaine Bentler. Damit meint die 29-Jährige ihren «Tex». Einen 14-jährigen Wallach. Seit sechs Jahren ist er nun bei ihr. «Ich reite schon, seit ich ein Kind bin. Vor ein paar Jahren entschied ich mich dann dazu, ein eigenes Pferd zu kaufen», sagt Bentler. «Dank Tex habe ich einen viel besseren Ausgleich im Leben. Ich habe als Krankenschwester einen sehr anspruchsvollen und emotionalen Job.» Weil sie auch anderen Menschen helfen wollte, entschied sich Elaine Bentler, die damals noch in Deutschland wohnte, eine Ausbildung zur Pferdetherapeutin zu machen. «Ich wollte einen Nebenjob, der mich erfüllt und Freude bereitet», sagt sie.

Die Stunden haben keinen festen Ablauf

Vor drei Jahren zog es Eliane Bentler in die Schweiz, die Pferdetherapie und das Coaching bietet sie nun in Tennwil an. Einen genauen Ablauf gibt es bei ihren Stunden nicht. «Zuerst mache ich mir ein Bild vom Klienten und den Problemen, die sie oder ihn beschäftigen. Zudem kläre ich ab, ob es auch körperlich möglich ist, mit dem Pferd zusammenzuarbeiten.» So hatte Bentler in Deutschland auch Klientinnen und Klienten in der Therapie, die im Rollstuhl sassen. «Hier in der Schweiz ist das leider momentan noch nicht möglich.»

Puzzeln auf dem Pferderücken

Häufig arbeitet die 29-Jährige mit Kindern zusammen. «Dabei geht es beispielsweise um Lernschwächen, Konzentrationsprobleme oder auch Krankheitsbilder wie Trisomie 21», erklärt sie. «Am wichtigsten ist es immer zu sehen, wie die Klienten und Tex aufeinander reagieren. Pferde neigen dazu, die Gefühle ihres Gegenübers zu spiegeln. Meine Aufgabe ist es, beide Reaktionen richtig einschätzen zu können.» Oft sei es auch so, dass in der ersten Stunde am Boden gearbeitet werde und die Klienten noch nicht auf dem Pferd sitzen. «Wenn ich mit Kindern zusammenarbeite, machen wir viele Übungen spielerisch. Wichtig ist es, dass sie nicht unter Druck gesetzt werden.» So suchen die Kinder etwa Puzzleteile oder fügen Wörter, die auf dem Reitplatz aufgehängt sind, richtig zusammen, während sie auf Tex sitzen. «Viele Stunden gestalte ich aber auch spontan, je nachdem, auf was die Kinder Lust haben», sagt Elaine Bentler. So kann es auch mal vorkommen, dass Tex bemalt wird oder mit Tüchern verschönert. Der Wallach lässt sich dabei selten aus der Ruhe bringen. «Er ist sich vieles gewohnt, da er auch trainiert ist.» Tex sei bei der Reittherapie und im Coaching der Co-Trainer, weshalb sein Empfinden genauso wichtig sei wie das des Klienten. «Wir wollen eine schöne Atmosphäre schaffen und dabei an kleinen Zielen arbeiten», sagt die Pferdetherapeutin.

«Körperliche Tätigkeiten nehmen immer mehr ab»

Bei der Reittherapie geht es unter anderem auch um die Balance und Körperspannung. «Die körperlichen Tätigkeiten nehmen in der heutigen Zeit immer mehr ab, was sich schon im Kleinkindalter bemerkbar macht», sagt Bentler. «Aber genau dort setzt die Reittherapie an: Körper, Geist und Seele werden angesprochen.» Das Schönste an ihrem Beruf seien für sie die Fortschritte, die ihre Klienten machen. «Ich habe schon mit Kindern gearbeitet, die aus sehr schwierigen Verhältnissen kamen und kaum noch gesprochen haben. Zu sehen, wie sie wieder Vertrauen fassen können, mehr sprechen und manchmal sogar lachen, ist unbeschreiblich», so Bentler.