Karl Leemann war vor 50 Jahren massgeblich an der Bergung jenes Lastwagens beteiligt, der bei der Seegfrörni im Hallwilersee versunken ist. Die Männer, die im Lastwagen sassen – der 24–jährige Rudolf Tellenbach und der 33-jährige Jakob Kuhn, beide aus Villmergen –, haben dabei den Tod gefunden.

«Die zwei Leichen sind von Tauchern der Seepolizei geholt worden», berichtet Karl Leemann. «Mein Kollege Christof Colombo und ich wurden für die Bergung des Lastwagens beigezogen. Es war für uns ein Routineauftrag. Zwei relativ einfache Tauchgänge, die jeweils etwa eine Viertelstunde gedauert haben. Dennoch hat mich natürlich der Tod der beiden Männer belastet.»

Das Unglück hat Leemann noch heute praktisch täglich vor Augen. «Vor 50 Jahren betrieb ich in Zürich zusammen mit meinem Kollegen eine Firma für Taucharbeiten, die ‹Leemann und Colombo›. Ich war damals noch Student.

Wie das Leben so spielt, wohne ich nun seit einigen Jahren in Seengen am Hallwilersee und kann von meinem Haus aus direkt auf den Ort des tragischen Geschehens am Seezopf in Meisterschwanden blicken.»

Der 9 Tonnen schwere Henschel, mit dem die beiden Arbeiter am Montagabend, 28. Januar 1963, gegen 18.30 Uhr die Seeüberquerung wagen wollten und dabei im Eis einbrachen, lag etwa 70 Meter weit vom Ufer entfernt in rund 60 Metern Tiefe.

«Wir hatten den Auftrag, ein Drahtseil an der Anhängevorrichtung zu befestigen, damit der Lastwagen ans Ufer gezogen werden konnte», erinnert sich Karl Leemann. Um sich ein Bild der Situation vor Ort machen zu können, hätten er und Christof Colombo vorerst einen anderen Lastwagen in der Villmerger Baufirma von Adolf Hegglin unter die Lupe genommen.

«Weil man in einer solchen Tiefe nicht viel sieht, wollten wir wissen, wie eine solche Anhängerkupplung beschaffen ist. So fiel es uns leichter, das Seil zu befestigen.»

In den kalten See gestiegen sind Karl Leemann und Christof Colombo beim Einlauf des Fahrwanger Baches. «Dort war das Wasser nicht gefroren und wir konnten relativ bequem abtauchen.»

Der gleiche Bacheinlauf war vermutlich den beiden Bauarbeitern zum Verhängnis geworden. Denn sie fuhren exakt dort auf den See hinaus, wo die Eisschicht deswegen am dünnsten war. Zudem hielten sie gemäss den Beobachtungen von zwei Buben nach einigen Metern an, um die Tragfähigkeit der Eisfläche zu prüfen.

Eingebrochen ist das schwere Gefährt erst beim Wiederanfahren, als sich das Hauptgewicht des Lastwagens kurzzeitig auf die Hinterachse verschob. Allgemein herrschte damals in der Region die Meinung vor, die beiden Männern hätten das Abenteuer allenfalls sogar überlebt, wenn sie nicht gerade an jener Stelle auf den See hinausgefahren wären.

Die Bergung des Henschel gelang, der nur leicht beschädigte Lastwagen stand wenig später wieder im Einsatz. Heute gehört er Adolf Hegglin, dem Sohn des damaligen Bauunternehmers, und steht, noch gut erhalten, in einem Schuppen in Villmergen.

Der heute 72-jährige Karl Leemann blieb dem Tauchen treu, bevorzugte als Korallentaucher auf den Malediven und Tauchschul-Betreiber in Kenia vorerst jedoch wärmeres Wasser. Später machte er sich mit der Entwicklung und dem Vertrieb von Taucherausrüstungen einen Namen. Unter anderem betrieb er in Hallwil die Firma Uwatec AG.