Lenzburg
Der Bau von Folientunneln wird zur Existenzfrage

Die Gärtnerei Rupp in Lenzburg muss die Hälfte ihrer Produktionsfläche im Bifang räumen. Diese soll nun mit drei Folientunneln im Bergfeld ersetzt werden.

Ruth Steiner
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Gespanne im Bergfeld weisen auf das Bauvorhaben hin. Chris Iseli

Gespanne im Bergfeld weisen auf das Bauvorhaben hin. Chris Iseli

Chris Iseli/AZ

Auf dem Landstrich im Bergfeld zwischen der Justizvollzugsanstalt und dem «Forellenhof» stehen seit einigen Wochen Baugespanne.

Hier will die Gärtnerei Rupp GmbH drei Foliengewächshäuser aufstellen, als Ersatz für Produktionsfläche, die dem Betrieb in der Stadt verloren geht.

Zwei der geplanten Tunnel werden 89 Meter, der dritte 71 Meter lang, am höchsten Punkt misst die halbmondförmige Baute 4,76 Meter. Betonfundamente, so heisst es, werden dafür nicht benötigt. Das Baugesuch liegt noch bis zum 5. Mai auf der Bauverwaltung auf.

Widerstand wegen schützenswerter Zone

Gegen den Standort der geplanten Folientunnel regt sich Widerstand aus den Reihen der Grünliberalen Partei (GLP) und aus der Nachbarschaft im Bergfeld. Nach Ansicht der GLP verstösst das Bauvorhaben gleich mehrfach gegen die bestehende Rechtsordnung. Die GLP beruft sich unter anderem auf das gültige Raumplanungsgesetz, wonach der Standort im Bergfeld laut kantonalem Richtplan als «Landschaft von kantonaler Bedeutung» definiert sei. Die Stadt Lenzburg habe die Anpassung des Nutzungsplans bisher noch nicht vorgenommen. Die GLP betont aber, sie begrüsse die einheimische Blumenproduktion, wenn dadurch Importe aus fernen Ländern verhindert werden können. Doch ist sie der Meinung, dass Treibhäuser dort aufgestellt werden sollten, wo permanente Abwärmequellen genutzt werden könnten. Auch die Arbeitsplätze sollten erhalten bleiben. Die GLP hat sich an der Einwohnerratssitzung vom 20. März mit einer Anfrage zu den Gewächshäusern an den Stadtrat gewandt. (str)

Das zur Bebauung vorgesehene Grundstück befindet sich in der Landwirtschaftszone 1. Was nun die Bewilligung anbelangt, so kann die Stadt das Bauvorhaben laut Auskunft des städtischen Bauamts ausserhalb des definierten Baugebiets nur mit Zustimmung der kantonalen Behörde bewilligen.

Das Departement für Bau, Verkehr und Umwelt prüfe, ob das Projekt zonenkonform sei, das heisst, der im Gebiet vorgesehenen Nutzung entspricht.

Gärtnerei hat lange Tradition

Gegen das Projekt kündigt sich Widerstand (siehe Kasten rechts) an. Zu den Zweifeln an der sogenannten Zonenkonformität kommen unter anderem auch Vorbehalte gegen die Verträglichkeit mit dem bestehenden Landschaftsbild.

Die Gärtnerei Rupp hat eine lange Tradition in der Stadt: Über vier Generationen produzierte der Familienbetrieb saisonalen Blumenflor vornehmlich für Gartencenter und die Blumenbörse.

1911 am Stadtrand auf die grüne Wiese gebaut, steht der mittlerweile an den langjährigen Mitarbeiter Pirmin Lang verpachtete Betrieb nun mitten in einer Bauzone. Etwa 50 Prozent der Betriebsfläche liegen auf Pachtland.

Die drei Eigentümer haben Eigenbedarf angemeldet und die Flächen gekündigt: Bis spätestens im Oktober 2015 muss Pächter Lang nun die drei Felder mit einer Produktionsfläche von rund 2500 Quadratmetern räumen. Dies entspricht exakt der beantragten neuen Fläche der Folientunnel, sagt Lang.

Erhält Rupp die Baubewilligung nicht, und kann die Teilaussiedlung nicht realisiert werden, hat das für Pächter Pirmin Lang fatale Folgen:

«Dann werde ich den Betrieb schliessen müssen. Nur mit der Hälfte der Produktionsfläche, welche im Bifang noch übrig bleibt, ist die Gärtnerei nicht überlebensfähig.»

Sechs Mitarbeitende und zwei Praktikanten würden auf der Strasse stehen. Eine andere Möglichkeit besteht laut Lang derzeit nicht.

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