Lenzburg
Der Avantgardist unter den Brunnen

Der Spittelbrunnen sticht mit seinen unkonventionellen Sujets am Jugendfest regelmässig heraus.

Janine Gloor
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Das Schmücken des Spittelbrunnens ist für die Freundinnen zur Tradition geworden.

Das Schmücken des Spittelbrunnens ist für die Freundinnen zur Tradition geworden.

Janine Gloor

Am Donnerstagmorgen vor dem Jugendfest wird der Stadt der letzte Feinschliff verpasst. Bezirksschüler kurven auf der Suche nach Blumen durch die Strassen und alle Brunnen werden aufwendig geschmückt. Der Spittelbrunnen sticht dabei regelmässig heraus. Mal präsentiert er sich verspielt wie beim Barbiemotiv, mal ganz puristisch wie im Expojahr 2002, als ein Modell des berühmten Monolithen den Brunnen zierte.

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Die geschmückten Brunnen

Seit sechs Jahren wird der Brunnen von sieben jungen Frauen geschmückt. Sie kommen alle aus Lenzburg und haben die Aufgabe von Eltern und Anwohnern übernommen. Schon vor dem Generationenwechsel hatte der Brunnen die traditionelle Linie verlassen. Die neuen Schmückerinnen sind nur zu gern in diese modernen Fusstapfen getreten. «Wir sind uns bewusst, dass dieser Brunnen nicht der Norm entspricht», sagt Tiziana Vögtli. Es gehe jedoch nicht darum, zu rebellieren, sondern zu zeigen, dass es am Jugendfest auch Platz für etwas Neues habe.

Es braucht Geld

Das Zeitfenster für das Schmücken ist eng, bis zur Brunnenführung um 17 Uhr muss alles fertig sein. Neben Zeit braucht es auch Geld, um den Brunnen in ein Kunstwerk zu verwandeln. Finanzielle Unterstützung holen sich die Frauen von den Geschäften in der Umgebung des Brunnens. «In den letzten Jahren haben wir mit teureren Installationen ein bisschen über die Stränge geschlagen», meint Vögtli. Deshalb lautet die Devise für dieses Jahr: Der Schmuck muss gefallen und bezahlbar sein. Inspiriert von lauen Sommernächten im Garten haben sich die Freundinnen für ein festliches Motiv entschieden. 300 Zitronen müssen an diesem Morgen in Scheiben geschnitten, unzählige Gläser arrangiert und über 700 Papierhütchen an Schnüren befestigt werden. Die weissen Hütchen bewegen sich sanft im Wind, Passanten bleiben interessiert stehen.

Schon öfters haben sie wegen der modernen Sujets Kritik einstecken müssen. Doch das lässt sie kalt. «Die Leute wollen immer wissen, was der Brunnen bedeute», sagt Annina Baumann, während sie am Baum eine Schnur befestigt. Doch nicht immer stehe ein tieferer Sinn dahinter, es dürfe doch auch einfach schön aussehen. Dieses Jahr dürfte das Motiv bei den zahlreichen Besuchern der Brunnenführung keine Verständnisprobleme hervorgerufen haben. Mit den gelben Zitronenschnitzen und den Girlanden ist der Eindruck von der sommerlichen Party perfekt.

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