Es ist eine Hetzjagd, die hier inszeniert wird. Und man selbst der Getriebene. Man wagt sich kaum umzublicken. Sind es unbarmherzige Häscher, die einem an den Kragen wollen. Auf jeden Fall steigen die Temperaturen ungemütlich an. Die Hitze sitzt im Nacken. Dann Momente der Ruhe, um nach Luft zu schnappen. Zu kurz. Man rennt wieder los.

Nein, halt. Man sitzt doch nur da und lauscht gebannt. Regelrecht in Bann geschlagen. Wie ein Wildtier, das seinen Blick dem Scheinwerferkegel nicht entreissen kann.

Gehetzt und gebannt also. Hervorragend vorgetragene Musik kann den Zuhörer diesem Zwiespalt aussetzen. So tut es die Musikgesellschaft Sins unter der Leitung von Michael Rösch mit ihrer Interpretation von Stephen Bullas «Firestorm». Nachdem der letzte Ton verklungen ist, brandet der Applaus aus dem Publikum los, kennt kaum ein Ende. Die Messlatte am Aargauischen Musiktag in Seon ist gelegt.

Musiktag statt «Eidgenössisches»

Insgesamt rund 1400 Musikantinnen und Musikanten aus 41 Vereinen konnten am Wochenende am einzigen diesjährigen Musiktag im Kanton begrüsst werden. Darunter auch fünf ausserkantonale Gastvereine. Über 200 freiwillige Helfer standen an den drei Festtagen im Einsatz.

Das Organisationskomitee hat hinter dem Seoner Bahnhof rund um die grosse Turnhalle ein kompaktes Festgelände errichtet. Am Samstagnachmittag gönnen sich die Musiker nach dem Konzertauftritt bei herrlichem Wetter eine flüssige Erfrischung, bevor sie sich zur Seetalstrasse begeben, wo bereits Hunderte Zuschauer den Strassenrand säumen, und für den Paradevortrag bereit machen. Die Stimmung an diesem Musiktag könnte besser nicht sein.

«Die Musikgesellschaft Seon hat sich gegen eine Teilnahme am Eidgenössischen Musikfest in St. Gallen entschieden. Die Idee bestand schon länger, dafür in diesem Jahr einen eigenen Musiktag zu veranstalten», sagt Thomas Fierz, Vizepräsident des Organisationskomitees und Mitglied der Musikgesellschaft Seon. Für einige der Vereine ist der Musiktag in Seon im Gegenzug eine willkommene Möglichkeit, um sich über den Stand der Vorbereitungen für das «Eidgenössische» zu versichern.

Von Experten begleitet

Die Konzertauftritte in der Turnhalle wurden von drei Experten begleitet und die Vereine danach in einem Gespräch über ihre Stärken und Schwächen aufgeklärt. Auf die Paradevorträge folgte eine Punktevergabe, wobei musikalische und choreografische Qualitäten sowie die Startformation bewertet wurden. Während des Festakts im grossen Festzelt am Samstag- und am Sonntagabend wurde dann die Paraderangliste verkündet, was zu grossen Jubelgesängen führte. Am Festakt wurden ausserdem die vielen Veteranen geehrt. (siehe Box oben).

Da Regierungsrat Alex Hürzeler am Apéro der Ehrengäste vom Sonntagmorgen mit Ständerätin Christine Egerszegi und Grossratspräsident Theo Vögtli nicht teilnehmen konnte, begrüsste er die Festgäste bereits am Samstagabend. Er lobte die Blasmusik als tragenden Pfeiler des Musikwesens im Kanton Aargau und liess den Veteranen, die massgeblich für das Funktionieren eines Vereins verantwortlich seien, seine Anerkennung zukommen. Mit einem Meer aus wehenden Vereinsfahnen konnte der Festakt nach diesen unterstützenden Worten ausklingen und der abendliche Festbetrieb aufgenommen werden.