Lenzburg
Der Aargau als «Labor» für die eidgenössische Selbstfindung

Landammann Urs Hofmann begründete zum Abschluss des Gedenkjahres in einer historischen Analyse die Bedeutung der Schicksalsjahre 1415 und 1815 für den Aargau und die ganze Schweiz.

Heiner Halder
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Mit dem in der Justizvollzugsanstalt restaurierten Wisa-Gloria-Lastwagen als Honorar erfüllte der Gönnerkreis Museum Burghalde Landammann Urs Hofmann einen Bubentraum.

Mit dem in der Justizvollzugsanstalt restaurierten Wisa-Gloria-Lastwagen als Honorar erfüllte der Gönnerkreis Museum Burghalde Landammann Urs Hofmann einen Bubentraum.

Ruth Steiner

Eingeladen zum gut besuchten Vortrag hatte der Gönnerkreis Museum Burghalde Lenzburg, welches mit der Ausstellung «Stadt in Sicht» die Prägung der Berner auf seine Untertanen präsentiert. Denn mit der Eroberung der Habsburgischen Lande 1415 gingen zwar die alten Herren, doch es kamen neue. Der Freibrief von König Sigismund von Luxemburg in der Folge des Papst-Streites am Konzil von Konstanz stand so zu sagen an der Wiege der Eidgenossenschaft. Währenddem Lenzburg in den Bernischen Staat eingegliedert wird, teilten sich die sechs alten Orte in die Verwaltung der Grafschaft Baden und der Freien Ämter; das Fricktal blieb Habsburgisch.

Damit begann im heutigen Aargau die unterschiedliche Entwicklung und die Herausbildung der unterschiedlichen Identitäten einerseits, andererseits der zunehmende Zusammenhalt der eidgenössischen Orte mit der Tagsatzung in Baden als Katalysator. In den folgenden Jahrhunderten bildete sich unser «Kanton der Regionen» heraus und wurde «eine Art Labor für die eidgenössische Selbstfindung», formulierte es Hofmann.

Die Reformation und die innereidgenössischen Glaubenskriege, nicht von ungefähr in den katholischen Gemeinen Herrschaften angesiedelt, führten zusätzlich zu Differenzen im Aargau. Erst der Zweite Landfriede brachte den Übergang zur religiösen Toleranz, einzigartig im damaligen Europa. Trotz allem schweisste die gemeinsame Aufgabe den jungen Bund über die blutigen Konflikte hinaus zusammen. Die Analyse des Landammanns: «Ohne den Aargau wäre das eidgenössische Bündnis womöglich an der Glaubensspaltung zerbrochen.»

Ende 18. Jahrhundert war der Aargau nach wie vor viergeteiltes Untertanengebiet. Der Einmarsch der Franzosen 1798 schuf in der Helvetischen Republik aus dem aargauischen Untertanenland zwei, dann drei selbstständige Kantone (Aargau, Baden, Fricktal), aus welchen 1803 der heutige Kanton als «Kunstgebilde» entstand: «Ohne jegliche Staatsautorität und ohne anerkannte Behörden und Beamten, mit keinerlei Tradition», so Hofmann. Nochmals diente er in der Entwicklung der Kompromissfähigkeit und des Zusammengehörigkeitsgefühls als «Labor für Nationenbildung». Und seit 1815 hat noch keine der Aargauer Regionen je Sezessionsgelüste gehabt.

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