Die SVP hat den Sitz von Pascal Furer im Staufner Gemeinderat verloren. Eigentlich hätte er weitergegeben werden sollen, vom designierten Grossratspräsidenten Furer an Patrick Braun, den 58-jährigen Hypi-Banker, der seit 33 Jahren in Staufen wohnt. Doch das Volk entschied sich für seine Herausforderin: Mit einem Glanzresultat von 630 Stimmen wurde Denise Berger (37) in den Gemeinderat gewählt.

Um 11 Uhr sei das Telefon mit der guten Nachricht gekommen. «Ich habe mich sehr gefreut», sagt sie. Sie sei sehr gespannt auf das Resultat gewesen. Gerade, weil sie nicht genau wusste, was sie zu erwarten hatte. Vor nicht allzu langer Zeit war Denise Berger noch eine Neuzuzügerin. Seit 2014 wohnt sie mit ihrem Mann und mittlerweile vier Kindern im Alter von 1 bis 10 Jahren in Staufen. Die Region kennt sie aber schon länger. Vor knapp 15 Jahren ist die junge Familie aus der Ostschweiz nach Lenzburg gezogen. Den Bodensee vermissen die beiden Ostschweizer bis heute ein bisschen, aber das kulturelle Angebot, die Einbettung in schöne Naherholungsgebiete, die gute Infrastruktur sowie die verkehrstechnisch günstige Lage der Region Lenzburg haben sie überzeugt. So wurden sie bei der Suche nach einem Heim für die wachsende Familie in Staufen fündig. «Staufen bietet viel Lebensqualität», sagt Berger. «Eine gute Schule für die Kinder, engagierte Bewohner und das gesamte Dorf hat Tempo 30.»

«Neuzuzüger gut integrieren»

Auch Denise Berger ist eine engagierte Person. In Lenzburg ist sie seit zehn Jahren künstlerische Leiterin des jährlich stattfindenden Gaukler- & Kleinkunstfestivals. In Staufen ist sie Mitglied des Vereins «Läbigs Staufen». «Die Leute setzen sich ein», sagt sie. Sei es für einen Spielplatz oder um am Jugendfest das Dorf mit Blumen zu schmücken.» Für die Gemeinderats-Kandidatur habe sie sich recht kurzfristig entschieden. Als Parteilose habe sie kein Komitee im Rücken gehabt. «Doch nach und nach erhielt ich positive Rückmeldungen und Unterstützung aus dem Dorf», sagt sie. Denise Berger machte sich persönlich auf, um ihre Wahlflyer in die Briefkästen zu werfen. Auch im neuen Quartier Esterli-Flöösch war sie unterwegs, wo in den letzten Jahren viele neue Mehrfamilienhäuser gebaut wurden. Das Dorf habe sich optisch verändert, sagt Denise Berger. «Aber ich finde es gut, dass es neue Staufnerinnen und Staufner gibt.» Im Sommer werde im Kindergarten eine neue Abteilung eröffnet. Wichtig sei, dass die neuen Bewohnerinnen und Bewohner in das Dorf integriert werden können.

Die ausgebildete Pflegefachfrau HF hat im letzten Jahr noch ein Masterstudium in Arbeits- und Organisationspsychologie abgeschlossen. Momentan arbeitet sie nicht auswärts, «hält aber im kulturellen Bereich die Augen offen». Privat ist Berger gern draussen, sei es beim Campen mit der Familie oder als Skipperin auf einem Segelschiff. Auf ein bestimmtes Projekt, das sie als Gemeinderätin als erstes anpacken möchte, will sich Berger nicht festlegen. Noch sind die Ressorts nicht verteilt. Sie freut sich auf die Arbeit im Gemeinderat. Mit einigen Mitgliedern habe sie sich bereits ausgetauscht und ist überzeugt, dass es sich um ein gutes Gremium handelt.