Welcher Teufel die beiden verunglückten Männer – den 24-jährigen Rudolf Tellenbach und den 33-jährigen Jakob Kuhn – damals geritten hat, ist auch 50 Jahre nach dem tragischen Ereignis reine Spekulation: «Der abenteuerliche Versuch, mit dem 9 Tonnen schweren Lastwagen den See überqueren zu wollen, hatte sicher etwas mit dem zuvor genossenen Alkohol zu tun», sagt der Villmerger Adolf Hegglin. Die zwei Männer waren bei seinem Vater angestellt, der damals eine kleine Bau- und Transportfirma betrieb.

«Weil alles Stein und Bein gefroren war, konnte auf den Baustellen nicht gearbeitet werden. Die beiden Männer sind offenbar an jenem Nachmittag vorerst durch verschiedene Beizen gezogen und haben – so hat es mir Vater erzählt – offenbar im Laufe des Nachmittags den gefrorenen See vorerst mit einem Jeep überquert. Am Abend haben sie dann denn Lastwagen geholt und wollten mit ihm den gleichen Versuch wagen.»

Adolf Hegglin junior hat vom Ereignis selber nichts mitbekommen. Er war damals erst drei Jahre alt. Gleich alt, wie der Henschel HS 140 AK, mit dem die beiden Männer versunken sind. «Der Henschel war für damalige Verhältnisse eine Super-Maschine. Sein Diesel-Motor brachte mit 180 PS eine stattliche Leistung und das Gefährt verkörperte in etwa den Gegenwert eines Einfamilienhauses.»

Noch zwei Dutzend Jahre im Einsatz

Klar, dass der Lastwagen nach dem Unglück sofort geborgen wurde und bald wieder im Einsatz stand: «Wie ich später gehört habe, war nicht allzu viel kaputt. Offenbar mussten lediglich die Frontscheiben ersetzt werden. Ich gehe zudem davon aus, dass es nicht allzu aufwendig war, das ganze Wasser aus dem Motor und den Nebenaggregaten zu entfernen», vermutet Hegglin.

Der 53-jährige Mechaniker muss es wissen, denn er kennt denn Henschel in- und auswendig. «Der Lastwagen war in der Firma meines Vaters noch gegen zwei Dutzend Jahre lang im Einsatz. Ich selber habe damit fahren gelernt und den Oldtimer dann später übernommen», erzählt er.

«Forelle», «U-Boot» und «Taucher»

Das Unglück und seine Folgen waren im Freiamt und Seetal noch lange präsent: «Wenn Vater mit dem Henschel auf einer Baustelle aufkreuzte, wurde er noch Jahre danach gefragt, ob er mit der ‹Forelle› gekommen sei. Der Lastwagen wurde in der Region auch etwa ‹U-Boot› oder ‹Taucher› genannt», erzählt Adolf Hegglin. Und der Autor dieses Artikels kann sich noch gut daran erinnern, wie er als Bub einst zusammen mit seinem Kollegen in die Führerkabine des Lastwagens geschlichen ist um zu überprüfen, ob die Sitzbank des Henschel tatsächlich wieder abgetrocknet war.

Mittlerweile steht der Lastwagen in einem Schuppen in Villmergen: «Ich bin noch ein paar Jahre damit gefahren und wollte ihn dann gründlich revidieren. Dazu habe ich mir ein identisches Fahrzeug als Ersatzteillager gekauft. Als wir dieses genauer unter die Lupe genommen haben, hat sich gezeigt, dass er sehr gut erhalten war. Deshalb haben wir den ersten Lastwagen auf die Seite gestellt und den zweiten Lastwagen auf Vordermann gebracht.» Weil dieser von Baujahr und Typ her mit ersten Lastwagen identisch ist, hat lange Zeit kaum jemand gemerkt, dass es sich beim mittlerweile prächtig revidierten Henschel nicht mehr um die «Forelle» oder das «U-Boot» von einst handelt.

Die «Forelle» bleibt vorderhand im Schuppen: «Ich würde diesen Lastwagen auch gerne revidieren. Aber dazu brauche ich Zeit und die fehlt mir im Moment», sagt Adolf Hegglin. Der Henschel II sei zwar optisch nicht mehr im allerbesten Zustand, aber technisch noch original erhalten. «Mal schauen», schmunzelt der Besitzer, «vielleicht läuft er ja zum nächsten Jubiläum der Seegfrörni wieder.»