Möriken-Wildegg

Den Maler freuts: Kamin der Jura Cement muss wegen Flugsicherheit rot-weiss gestrichen werden

Der 125 Meter hohe Kamin der Jura-Cement-Fabrik muss wegen der Flugsicherheit rot-weiss gestrichen werden. Das freut den einheimischen Maler August Kreis.

«Das ist das Grösste, das einem Maler passieren kann!» August Kreis steht am Fuss des 125 Meter hohen Kamins der Wildegger Jura-Cement-Fabrik, nach dem Kühlturm des Kernkraftwerks Leibstadt das zweithöchste Bauwerk im Kanton. «Was für ein Highlight!», sagt er, reibt sich die Hände – und legt los: Mit seiner Angestellten Saskia Schürmann stellt der Malermeister Kübel mit roter und weisser Farbe in den Förderkorb, der mit langen Seilen an der Spitze des Kamins hängt.

Kreis und Schürmann zwängen sich in den Sicherheitsgurt. Ein letzter Blick auf die Checkliste, dann ein Ruck: Der Korb schwebt mit Maler und Malerin in die Höhe.

«Man ist irgendwie happy da oben»: August Kreis und Saskia Schürmann bei der Arbeit.

«Man ist irgendwie happy da oben»: August Kreis und Saskia Schürmann schweben an ihren Arbeitsplatz.

Am Boden stellt Mitarbeiter Horst Schaumann sicher, dass Drahtseile und Elektrokabel immer straff sind und sich nicht verwickeln.

100 Meter über Boden stoppt der Korb. August Kreis und Saskia Schürmann setzen hier ihre Arbeit fort, die sie vor mehreren Tagen begonnen haben: Der Kamin wird mit fünf Ringen versehen, drei rote und zwei weisse, jeder zehn Meter hoch.

Das entspricht einer Gesamtfläche von etwa 700 Quadratmetern, die zweimal gestrichen wird. Dafür braucht es rund 220 Kilo rote und 160 Kilo weisse Farbe.

Rund 50 Jahre ohne Markierung

Die Ringe erhält der Kamin nicht aus ästhetischen Gründen. Das Bundesamt für Zivilluftfahrt (Bazl) hat Jura-Cement angewiesen, den Kamin rot-weiss zu markieren und zu beleuchten. Dies aus Sicherheitsgründen, wie das Bazl auf Anfrage der az mitteilt: «Solche Bauten können ein Hindernis für Flugzeuge und Helikopter darstellen», sagt Sprecherin Martine Reymond.

Doch warum muss der in den 1960er-Jahren erbaute Kamin erst jetzt rot-weiss gestrichen werden?

Beim Bazl heisst es, dass diese Richtlinien seit 1993 gelten und man die Beurteilung solcher Luftfahrshindernisse 2013 von der Luftwaffe übernommen habe.

«Bereits existierende Objekte wurden von uns schrittweise übernommen und die Inspektionen der rund 9000 Luftfahrshindernissen in der Schweiz nach Prioritäten durchgeführt», sagt die Bazl-Sprecherin. Bei Jura Cement sei diese Inspektion «etwas spät angestossen worden».

Probleme mit starken Winden

Zurück zum Kamin, wo August Kreis und Saskia Schürmann am Mittwochnachmittag den untersten der fünf Kreise malten.

Um im frei hängenden Korb arbeiten zu dürfen, hatten die beiden einen Sicherheitskurs belegt. Die Arbeit in schwindelerregender Höhe selbst macht August Kreis keine Mühe. «Ich bin schwindelfrei.»

Als sich der Förderkorb jedoch vergangene Woche in 120 Metern Höhe bei starkem Wind plötzlich vom Kamin wegbewegte, wurde es sogar dem erfahrenen Malermeister flau im Bauch. «Da habe ich leer geschluckt.» Wegen der starken Winde habe man die Arbeit mehrmals abbrechen müssen.

Am Mittwochabend ist das Werk vollendet. Die Kreise sind fertig und thronen wie ein Wahrzeichen über Jura-Cement – ein Wahrzeichen, das August Kreis als alt eingesessener Möriker nun jeden Tag anschauen kann.

Die Augen des Malersmeisters funkeln, wenn er sagt: «Von meinem Haus habe ich einen super Blick auf mein Chämi.»

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