Lenzburg
Den Kahlschlag eines US-Forschers korrigieren: Liefert der Schlossberg bald mehr Wein?

Die Revision der Bau- und Nutzungsordnung ermöglicht unter anderem, einen Entscheid des puritanischen amerikanischen Schlossbesitzers Lincoln Ellsworth zu berichtigen – dieser liess den Rebberg roden.

Ruth Steiner
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Die BNO-Revision soll der ortsbürgerlichen Rebbauern-Vereinigung gestatten, ihr Anbaugebiet zu erweitern (gelb schraffierte Fläche).

Die BNO-Revision soll der ortsbürgerlichen Rebbauern-Vereinigung gestatten, ihr Anbaugebiet zu erweitern (gelb schraffierte Fläche).

Sandra Ardizzone

Als Lincoln Ellsworth 1925 Schloss Lenzburg von seinem Vater erbte, ging es dem schlosseigenen Rebberg an den Kragen. Der amerikanische Polarforscher war ein glühender Verfechter der Prohibition, welche zu jener Zeit die Herstellung und den Verkauf von Alkohol in den USA verbot.

Deshalb liess Ellsworth seinen Rebberg in Lenzburg kurzerhand roden. Damit verschwand eine jahrhundertealte Weinbautradition am Schlossberg – bis sie die Ortsbürger Rebbauern-Vereinigung vor bald 70 Jahren wieder aufnahm.

Nun soll die laufende Gesamtrevision der Nutzungsplanung den Weg frei machen, um die früheren Zustände am Schlossberg wieder herstellen zu können. Wird die Revision angenommen, so kann die ortsbürgerliche Rebbauernvereinigung ihre Expansionsabsichten weiterverfolgen. Schon seit Jahren liebäugelt sie mit einer Erweiterung der Anbaufläche.

«In der aktuellen BNO-Revision soll nun eine Rebbauzone ausgeschieden werden, was für das Projekt Rebbergerweiterung eine erhebliche Erleichterung darstellen würde.» – Corin Ballhaus, Präsidentin der Rebbauern-Vereinigung

«In der aktuellen BNO-Revision soll nun eine Rebbauzone ausgeschieden werden, was für das Projekt Rebbergerweiterung eine erhebliche Erleichterung darstellen würde.» – Corin Ballhaus, Präsidentin der Rebbauern-Vereinigung

zvg

Deren Realisierung hat die Bau- und Nutzungsordnung (BNO) aus dem Jahr 1997 bisher verhindert. Gescheitert sind die Pläne der ortsbürgerlichen Rebbauern vorläufig an einem Passus, welcher in der Schutzzone Kulturland eine Umgestaltung beziehungsweise Anpassung des bestehenden Terrains strikte verbot. Offenbar war damals nicht an eine Terrassierung des Rebbergs gedacht worden.

«In der aktuellen BNO-Revision soll nun eine Rebbauzone ausgeschieden werden, was für das Projekt Rebbergerweiterung eine erhebliche Erleichterung darstellen würde», freut sich Corin Ballhaus, die erst kürzlich gewählte neue Präsidentin der Lenzburger Rebbauern-Vereinigung. Laut dem langjährigen Vorstandsmitglied Kurt Wernli baut die Rebbauern-Vereinigung heute auf einer Fläche von 40 Aren Reben an.

Die Anbaufläche möchte man in Zukunft mehr als verdoppeln. Vorgesehen ist, von der Stiftung Schloss Lenzburg in unmittelbarer Nachbarschaft zum eigenen Rebberg zusätzlich 56 Aren Land zu pachten und mit Rebstöcken zu bepflanzen. Mit dieser Aktion würde sich das Erscheinungsbild des Schlossbergs wieder jenem vor dem Ellsworthschen Kahlschlag annähern.

Selbst wenn die Rebbauern ihre Anbaufläche in Zukunft erheblich ausbauen, so werden sie nicht zu grossen Weinproduzenten, stellt Corin Ballhaus ein verbreitetes Missverständnis klar und ergänzt: «Auf dem neuen Areal werden in der Summe nicht mehr Rebstöcke angepflanzt als auf der bisherigen Fläche».

Mit dem Ausbau streben die Ortsbürger Rebbauern vielmehr eine Anpassung an aktuelle Bewirtschaftungstechniken an. Diese hätten sich stark verändert, so Kurt Wernli. Bei topografischen Gegebenheiten wie sie der Schlosshang darstelle, entspreche ein terrassiertes Anlegen der Rebzeilen heute der gängigen Praxis. Dieses Vorgehen hat jedoch für die Bepflanzung weitreichende Folgen.

«Die Bestockung mit Rebpflanzen auf einer horizontal terrassierten Fläche ist geringer als bei einem vertikalen Anbau, da Zirkulationsflächen für Mensch und Maschine vorgesehen werden müssen», erklärt Kurt Wernli. Die Terrassierung, ergänzt Präsidentin Ballhaus, sei für den Rebberg insgesamt optisch und ökologisch eine Aufwertung.

Mit andern Worten: Bei der Ortsbürger Rebbauern-Vereinigung steht nicht die Expansion der Weinproduktion im Vordergrund. «Wir wollen ein Kulturgut pflegen am Schlosshang, das über den Rebbau hinausgeht», betonen die beiden Rebbauern-Vorstandsmitglieder.

Eine Mitwirkung bei der laufenden BNO ist noch bis zum kommenden Freitag möglich.

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