Hallwilersee

Den Fischen «steht das Wasser bis zum Hals»: Sorgen um den Hallwilersee

Der Hallwilersee war einst stark überdüngt. Vor 35 Jahren wurde eine Belüftung installiert.

Der Hallwilersee war einst stark überdüngt. Vor 35 Jahren wurde eine Belüftung installiert.

Mehrere Organisationen richten ihre Forderungen an den Kanton.

Die Regierungsräte der Hallwilersee-­Kantone Aargau und Luzern haben Post erhalten: Die neun See-Anrainergemeinden, regionale Organisationen sowie die Eigentümer der privaten Fischreviere sandten ihnen eine Liste von Forderungen unter dem Titel «Commitment zum Hallwilersee».

In einer Medienmitteilung führen die Akteure aus, dass 1985/86 im Hallwilersee eine Belüftungsanlage in Betrieb genommen wurde, um das Gewässer mit ausreichend Sauerstoff zu versorgen. Dies war eine Massnahme, um der durch jahrzehntelange starke Überdüngung des Sees verursachten Probleme Herr zu werden – primär das Aufkommen von Massenalgenblüten und der massive Rückgang der Fischbestände.

«Aktuell liegen die Phosphorwerte im Hallwilersee tiefer», heisst es in der Mitteilung der kantonsübergreifenden Begleitgruppe KEK Seetal («IDEE SEETAL» und «Lebensraum Lenzburg Seetal»). Trotzdem: «Der Hallwiler- und der Baldeggersee brauchen nach wie vor Unterstützung, um die Nachwirkungen der Überdüngung zu überstehen. So steht den Fischen als Indikator für den ökologischen Zustand einer ganzen Region das Wasser buchstäblich bis zum Hals.»

Von der negativen Entwicklung alarmiert und direkt betroffen seien die Fischer: «Sie stellen bei den Fischen eine dramatische Abnahme der Vitalität, einen Parasitenbefall und deutliche Gewichtsverluste fest. So ist beispielsweise in lediglich vier Jahren das Felchenwachstum um mehr als 30 Prozent eingebrochen», heisst es in der Mitteilung. «Über die Ursachen herrscht nach wie vor Unklarheit. Ein Futtermangel kann jedoch ausgeschlossen werden, da die Nährstoffzufuhr seit Jahren konstant ist.»

Die Berufsfischer und die Begleitgruppe KEK Seetal wollen «dieser Negativspirale entschlossen entgegentreten», und haben deshalb das «Commitment» an die Regierungsräte geschickt. «Das Commitment bildet die solide Grundlage für die Bündelung und die Fokussierung aller Kräfte für eine längerfristige Erhaltung, eine nachhaltige Nutzung und die zukunftsgerichtete Bewirtschaftung des Hallwilersees zu Gunsten der ganzen Region.» Und: Das Dokument sei «als klares Signal und als Aufforderung zum effizienten und effektiven Handeln» zu verstehen.

Was im «Commitment» als «Ziele» bezeichnet wird, sind eigentlich Forderungen. «Die ungeklärten Wachstumsveränderungen der Felchen im Hallwilersee sind zu untersuchen», heisst es etwa. Und weiter: «Der Hallwilersee ist vor der Einschleppung invasiver Arten, insbesondere der Quaggamuschel, zu schützen.» Diese Muschel breitet sich in der Schweiz aus. Der Kanton Aargau hat bereits im Sommer mitgeteilt, dass er Massnahmen plant, um eine Einschleppung in den Hallwilersee zu verhindern.

Die Berufsfischer im Bunde haben ebenfalls Forderungen, die von der Begleitgruppe mitunterstützt werden: «Das Konkordat zum Fischfang ist zu überarbeiten. Die Dienstleistungen der Fischerei für die Öffentlichkeit und der Kantone sollen entschädigt werden.»

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