Schon der dritte Fall dieses Jahr: Immer wieder wird die Seetalbahn wegen Unfällen stundenlang unterbrochen – sehr zum Ärger der gestressten Bahnpassagiere. Verspätungen entstehen nicht nur wegen Kollisionen mit Fahrzeugen, sondern auch aufgrund technischer Störungen. Zuletzt legte ein Blitz die Bahn lahm. Was ist nur mit dem Seetaler los?

«Käfer-Cabrio» total zerstört

Nach dem Unfall vom frühen Mittwochabend steht die Polizei vor einer Sisyphusarbeit: Wer von den sieben beteiligten Verkehrsteilnehmern ist wie stark schuldig? Die Polizei hofft, wie sie gestern mitteilte, auf die Hilfe von Zeugen. Ein erster hat sich bereits gemeldet: Der Traktorfahrer, dessen Versuch nach nach links abzubiegen die verhängnisvolle Kettenreaktion ausgelöst hatte.

Seon/Lenzburg: Auffahrkollision zwischen mehreren Fahrzeugen fordert vier Verletzte

Seon/Lenzburg: Ermittlungs- und Räumungsarbeiten nach dem Unfall vom Mittwochabend.

Kurz nach 17 Uhr fuhr der Landwirt Richtung Lenzburg. Beim «Tannlihag» stoppte er wegen seines Abbiegemanövers. Danach staute sich hinter dem Traktor eine Fahrzeugkolonne. Das bemerkte eine Frau zu spät. Sie prallte mit ihrem Fahrzeug gegen ein anderes Auto und stiess dieses nach vorne gegen einen dritten Wagen. Was nach der ersten Auffahrkollision passierte, ist zur Zeit noch weitgehend ungeklärt. Sicher ist, dass eines der Autos auf die Gegenfahrbahn geschleudert wurde – direkt vor ein korrekt entgegenkommendes «Käfer»-Cabriolet. Die zwei Fahrzeuge kamen nach einer Frontalkollision auf dem Gleis des Seetalers zu stehen. Sieben Stunden lang ging bei der Bahn gar nichts mehr. Und auf der Strasse bildete sich ein langer Stau.

Weil die Unfallaufnahme durch die Polizei sehr anspruchsvoll war, mussten die Pendler bis um 23 Uhr auf Busse umsteigen. Am Unfall eigentlich unbeteiligt, aber trotzdem auch darin verwickelt wurde ein LKW, welcher beim «Tannlihag» parkiert war. Eines der Fahrzeuge kollidierte mit ihm. Beim Unfall wurden vier Personen verletzt. Es entstand ein Schaden von etwa hunderttausend Franken.

Blitz legte Bahn lahm

Der Ausfall des «Seetalers» vorgestern war nicht der erste. In den letzten Monaten kam es zu mehreren Ausfällen der Bahn. Der letzte Fall war vor neun Tagen. Am frühen Morgen des 8. August schlug ein Blitz im Raum Hitzkirch ein und führte zu einer Stellwerkstörung, wie die SBB dem «Seetaler Boten» bestätigte. Die Strecke Eschenbach-Lenzburg war von 7.15 Uhr bis 9.30 Uhr unterbrochen. Auch damals behalf sich die SBB mit Ersatzbussen, welche die Pendler entlang der gesperrten Strecke an den Bestimmungsort transportierten.

Ein Verkehrsunfall ereignete sich im April in Beinwil am See. Dort kollidierte ein 20-jähriger Autolenker mit der Seetalbahn. Er fuhr am späteren Nachmittag auf der Gartenstrasse und beabsichtigte, über die Geleise in die Aarauerstrasse einzumünden. Dabei stiess er gegen den Zug, welcher in Richtung Lenzburg fuhr. Der Junglenker und sein Beifahrer wurden leicht verletzt. Die Kantonspolizei vermutete, dass er das Blinklicht übersehen hatte, welches den fahrenden Zug ankündete.

Seon: Jungfahrerin (19) prallt mit ihrem Wagen gegen Seetalbahn

27.2.2018, Seon: Jungfahrerin (19) prallt mit ihrem Wagen gegen Seetalbahn

Ein ähnlicher Unfall passierte Ende Februar in Seon. Eine 19-Jährige fuhr kurz vor neun Uhr morgens auf der Seetalstrasse. Sie beabsichtigte, links über die Bahngeleise Richtung Altersheim abzubiegen. Dabei übersah sie den in Richtung Lenzburg fahrenden Seetaler. Die Junglenkerin musste leicht verletzt ins Spital gebracht werden. Bahn und Strasse waren fast zwei Stunden gesperrt.

Verantwortungslose Autofahrer

Schon vor einem Jahr kam die Diskussion auf, ob sich die Unfälle in Seon an den Bahnübergängen ohne Barrieren häufen. Im August 2017 ereigneten sich innerhalb von wenigen Tagen zwei ähnliche Unfälle. Fahrzeuge fuhren über die mit Blinklichter gesicherten Bahnübergänge. Der Unfallhergang glich dabei den Zwischenfällen, die dieses Jahr in Seon und Beinwil am See passiert waren.

Unfall in Seon

12. August 2017: Rentner will abbiegen und kollidiert mit Seetalbahn

Mit voller Wucht rammte die Seetalbahn den Toyota eines 90-jährigen Seniors. Der Rentner wollte trotz Warnsignal noch über die Bahnstrecke fahren.

Trotz der Häufung erklärte der damalige Seoner Ammann, Heinz Bürki, die Situation habe sich eher verbessert. Als es vor einigen Jahren noch mehr unbewachte Bahnübergänge gegeben habe und die Züge schneller gefahren seien, habe es viele und auch tödliche Unfälle gegeben. Nach wie vor anzutreffen sind offenbar jene verantwortungslosen Autofahrer, die kurz vor dem Zug noch über Bahnübergänge ohne Schranken fahren.

Herzliches Zugpersonal

Auch der Kanton versuchte vor einem Jahr, die Situation zu entdramatisieren: Die Übergänge in Seon seien keine Unfallschwerpunkte, erklärte Kai Schnetzler, Leiter der Sektion Verkehrssicherheit des Kantons Aargau. Zwar seien auf dieser Bahnstrecke viele Übergänge nicht mit Barrieren gesichert, doch die Signalisation mit auffälligen roten Warnleuchten reiche aus.

Trotz den Ausfällen und Verspätung fällt der Seetaler auch positiv auf. Nämlich durch das freundliche Personal. Regelmässig begrüsst ein Zugchauffeur die Pendler am Freitagabend per Durchsage persönlich und wünscht ihnen ein schönes Wochenende.

Die Polizeibiler aus dem August 2018: