Boniswil
Dem Lotsendienst für die Schulwegsicherung droht das aus — doch die Eltern wollen nicht helfen

Die Schulwegsicherung ist wichtig — da sind sich alle einig. Doch die Schullotsen haben Rekrutierungsprobleme und die Eltern wollen den Lotsendienst zwar behalten, aber nicht helfen.

Michael Küng
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Im Jahr 2000 kam im Oberdorf die Arbeitsgruppe «Sicherer Schulweg AgsS» zustande. Jetzt fehlen Helferinnen und Helfer. (Symbolbild)

Im Jahr 2000 kam im Oberdorf die Arbeitsgruppe «Sicherer Schulweg AgsS» zustande. Jetzt fehlen Helferinnen und Helfer. (Symbolbild)

Aargauer Zeitung

Bis Ende dieses Schuljahres wird der freiwillige Lotsendienst für den Boniswiler Schulweg gleich drei Helferinnen verloren haben, darunter auch die Organisatorin der Schulwegsicherung.

Damit droht dem vor fast 20 Jahren gegründeten Lotsendienst nun das Aus, denn Nachfolger sind bis heute keine in Sicht, wie der Gemeinderat von Boniswil mitteilt. Der Dienst regelt den Verkehr beim Fussgängerübergang Bäckerweg über die Seetalstrasse für Kinder des Kindergartens und der Unterstufenschule.

Die Schulwegsicherung wurde im Jahr 2000 von in der Kappelen und im Oberdorf wohnhaften Eltern initiiert, die sich in der Arbeitsgruppe «Sicherer Schulweg AgsS» zusammengeschlossen haben.

Die bis heute gültige Vereinbarung mit der Gemeinde sieht vor, dass die Arbeitsgruppe für die Organisation und den Betrieb des Lotsendienstes verantwortlich ist und an jedem Schultag jeweils zu Schulbeginn und -ende zwei Lotsen stellt.

Die Gemeinde übernimmt im Gegenzug die Kosten: Instruktion, Ausrüstung, Versicherung und Entschädigung für die freiwilligen Helfer. Pro Einsatz bekommt jede Lotsengruppe aus zwei Personen eine Entschädigung von 15 Franken. Pro Jahr belaufen sich die Ausgaben auf nicht ganz 15 000 Franken.

Gemeinde schaltet sich ein

Eine Guillotineklausel im Vertrag zwischen der Arbeitsgruppe «Sicherer Schulweg» und der Gemeinde sieht allerdings vor, dass die Vereinbarung aufgekündigt werden kann, wenn die Arbeitsgruppe nicht mehr in der Lage ist, den Lotsendienst aufrechtzuerhalten. So verhindert die Gemeinde, dass sie den Lotsendienst eines Tages selbst organisieren muss. Genau diese Klausel droht nun umgesetzt zu werden, zum Unmut einiger Eltern.

Dabei werde der Lotsendienst schon heute nicht mehr von den Eltern selbst verrichtet, teilt der Gemeinderat mit.

Als im letzten Jahr betroffene Mütter angesprochen wurden, hätten diese energisch auf der Weiterführung des Lotsendienstes bestanden. Gleichzeitig hätten sie aber vorgebracht, keine Lotseneinsätze übernehmen zu können und als Begründung unter anderem die Betreuung jüngerer Geschwister ihrer Schulkinder vorgebracht.

Damit gerät der Gemeinderat in eine Zwickmühle. Denn Guillotineklausel hin oder her: «Die Einstellung des Lotsendienstes ist für uns im Moment keine Option», sagt Gemeindeschreiber Rudolf Holliger. «Es ist wie bei der Feuerwehr: Wird einmal ein Leben gerettet, hat es sich gelohnt.»

Nur vier Helferinnen

Aktuell wohnen vier Kinder aus dem Kindergarten und den zwei ersten Primarstufen oberhalb der Seetalstrasse. Für die Sicherheit ihres Schulwegs sorgen aktuell nur gerade vier engagierte Helferinnen, die täglich im Zweierteam an den Fussgängerstreifen stehen.

«Am Anfang waren alle Helferinnen selbst Eltern betroffener Schulkinder. Heute ist das keine Einzige mehr. Auffallend ist auch, dass wir im Moment ausschliesslich Frauen haben, die mithelfen», sagt Rudolf Holliger.

Zwar wurde seit der Einführung der Schulwegsicherung die gefährliche Seetalbahn verlegt – der Gründung der Arbeitsgruppe «Sicherer Schulweg» ging ein tödlicher Unfall voraus – doch gleichzeitig habe der Lastwagenverkehr im Dorf deutlich zugenommen, sagt Holliger.

Anstatt den Vertrag mit den Lotsen nun einfach zu kündigen, beraumt der Gemeinderat deshalb für den März eine Diskussionsrunde an mit Schulvertretern, einem Delegierten der Beratungsstelle für Unfallverhütung und Eltern.

Dabei könnte auch zur Sprache kommen, ob notfalls eine Reduktion auf die verkehrsreichsten Tage eine Option ist. «So weit sind wir im Moment aber noch nicht», schliesst Rudolf Holliger.