Macht der Bundesrat seine Ankündigung wahr, dann könnten dem Kanton Aargau schon bald bis zu 62 Millionen Franken für geplante Massnahmen der Agglomerationsprojekte fehlen.

Vor kurzem hat der Bund seine Pläne publik gemacht, kein Geld mehr für das Agglomerationsprogramm Aargau-Ost 3. Generation zur Verfügung zu stellen. Das Agglomerationsprogramm strebt eine koordinierte Planung von Siedlung, Landschaft und Verkehr in urbanen Räumen an.

Streicht der Bund nun die Zuschüsse wie angekündigt, so haben diese Massnahmen auch Auswirkungen auf Planungen in der Region: Das prominenteste Opfer der fehlenden Bewilligung dieser Beiträge wäre die geplante Aufwertung des Bahnhofareals Lenzburg mit der Neugestaltung des Bahnhofplatzes.

Das Vorgehen des Bundes stösst deshalb in Lenzburg auf wenig Verständnis – insbesondere, da die ungenügende Konkretisierung und Umsetzung der Planung von wesentlichen Entscheiden des Bundesamts für Verkehrs (BAV) und der SBB abhängen.

«Die Planungs- und Bauarbeiten erfordern eine Koordination mit den Hauptbauarbeiten für die Gleisinfrastruktur, welche von den SBB im Jahr 2023 in Angriff genommen werden. Zu den Bewertungen des Bundes wird aber vorerst für die Region und die Gemeinden eine Vernehmlassung durchgeführt bei der sich die Stadt einbringen wird», erklärt Stadtplanerin Helen Bisang.

So wie es aussieht, starten die Vorbereitungsarbeiten der SBB im Jahr 2022. «Das bedeutet für Lenzburg, dass man voraussichtlich 2022 mit dem neuen Bahnhofplatz beginnen könnte», sagt Bisang.

Seit 40 Jahren ein Fiasko

Die Leidensgeschichte rund um den Bahnhof Lenzburg reicht bald vierzig Jahre zurück bis in die 80er-Jahre des vergangenen Jahrhunderts. Damals wurden Studien zur Neugestaltung des Bahnhofs in Auftrag gegeben. Daraus resultierten Projekte, die jedoch nie realisiert wurden. Mit der Erarbeitung eines Kommunalen Richtplans Bahnhof wurde 2002 eine neue Planung aufgegleist.

Acht Partner (SBB, RBL, Post, Kanton Aargau, Stadt Lenzburg, Hero, Coop und NAB) beteiligten sich daran. Die Planung sah vor, die Seetalbahn zu verlegen und im Bahnhof auf Gleis 6 einzuführen. 2006/07 wurde die vorgesehene Anpassung rückgängig gemacht und die Seetalbahn auf ihrem bisherigen Trassee belassen.

Zwei Jahre später nahm die Stadt die Neugestaltung des Bahnhofplatzes in Angriff: Der Einwohnerrat bewilligte im Juni 2009 einen Kredit für einen Projektwettbewerb und nach Anlaufschwierigkeiten sprach er schliesslich 1,4 Millionen Franken für die Weiterbearbeitung des ausgewählten Projektes «Loop».

Im Frühling 2014 kam das Aus für «Loop», sämtliche Planungsarbeiten werden mit einem Schlag zur Makulatur. Die SBB informierte, dass das Bundesamt für Verkehr neue Bewilligungsrichtlinien anwende, welche Auswirkungen auf die Gleisgeometrie (Länge und Breite der Geleise) und indirekt auch auf den Bahnhofplatz hätten.

Die missliche Situation der Regionalen Busbetriebe (RBL) zwang den Stadtrat jedoch zum Handeln: Um den zunehmenden Busbetrieb zu entlasten, wurden im Dezember 2014 vor dem Perron des «Seetaler» Abfahrkanten für drei Buslinien in Betrieb genommen.

Im Frühling 2015 folgte die nächste Hiobsbotschaft: Bei den SBB hatte man offenbar realisiert, dass die Entwicklung des Bahnhof-Areals in ganz anderen Dimensionen erfolgen muss als angenommen. Es wird von einer «grundlegend neuen Planung» gesprochen.

Projekt nicht gefährdet

Stadtplanerin Helen Bisang betont, dass mit den jüngsten Ankündigungen des Bundes weder die Neugestaltung des Bahnhofplatzes noch der neue Busbahnhof infrage gestellt würden.

«An der gesamten Planung des Bahnhofareals mit Buswartehalle wird festgehalten.» Wegen der erwähnten Abhängigkeiten von Entscheiden zu den SBB-Projekten könnten diese zur Zeit jedoch nicht weiterbearbeitet werden.

Noch ist der Entscheid des Bundes nicht definitiv gefällt. Kanton, betroffene Gemeinden und Regionalplanungsverbände können zu den Plänen Stellung nehmen. Laut Helen Bisang sind die geplanten Lenzburger Massnahmen gut begründet und dringend. Auch der Kanton habe das Problem erkannt und werde sich gemeinsam mit der Stadt für eine Mitfinanzierung einsetzen.