Lenzburg

Die Sanierung der Bleiche kostet rund 4,6 Millionen Franken – das Geschäft kommt vor den Einwohnerrat

Die ehemalige Textilfabrik Bleiche soll saniert werden.

Die ehemalige Textilfabrik Bleiche soll saniert werden.

Eine Liegenschaft, zwei Projekte: Die Bleiche soll für schulische Belange genutzt und das industriehistorisch wertvolle Wasserrad revitalisiert werden. Das letzte Wort hat das Volk beim Urnengang am 17. Mai.

Jetzt kommt die ehemalige Bleiche wieder auf die politische Agenda: Der Einwohnerrat muss sich in der kommenden Sitzung am 12. März mit einem Verpflichtungskredit in der Höhe von 4,625 Millionen Franken befassen.

Mit diesem Betrag soll das 47 Meter lange und 9 Meter breite markante Gebäude unweit des Angelrain-Schulareals am Aabach saniert und neu genutzt werden. Zum einen für schulische Belange, zum andern plant der Verein Industriekultur am Aabach schon länger, das Wasserrad zu restaurieren und in der Bleiche einen Ausstellungsraum einzurichten.

Laut Vorlage beabsichtigen der Verein und die Hausbesitzerin, die Einwohnergemeinde Lenzburg, «das Wasserrad als Zeitzeuge der einst blühenden Textilindustrie für die Nachwelt zu erhalten». Aus diesem Grund soll dort in Zusammenarbeit mit Museum Aargau und dem städtischen Museum Burghalde eine Informationsstelle eingerichtet und Führungen organisiert werden.

Die Sanierung des Wasserrades war bereits im September 2018 auf der Traktandenliste des Einwohnerrats gestanden. Und hatte damals für derart kritische Voten gesorgt, dass der Stadtrat das Geschäft zurückzog, noch bevor es im Rat zur Abstimmung gelangte.

Einwohnerrat forderte Gesamtkonzeption

Dieser Schritt hatte jedoch nichts mit dem Projekt als solches zu tun. Im Gegenteil: Dem Wasserrad und dessen industriehistorischer Bedeutung war im Einwohnerrat viel Sympathie entgegengebracht worden. Die Bleiche am Aabach ist ein bedeutender Teil vom Lenzburger Quartier «Kleinvenedig». In der Liegenschaft wurde der Grundstein zur Industrialisierung im Aargau durch die Familie Hünerwadel gelegt.

Sie hat Lenzburg stark geprägt und viel zur Entwicklung der Stadt beigetragen. Stein des Anstosses zur einwohnerrätlichen Ablehnung im September 2018 war das Vorgehen des Stadtrats. Zu diesem Zeitpunkt hatte er die Bleiche bereits als möglichen Standort für schulische Belange im Visier gehabt, was ebenfalls erhebliche baulichen Massnahmen erforderte.

Dass die Liegenschaft nicht in einem Schritt saniert werden sollte, wurde im Einwohnerrat nicht goutiert. «Zwei Bauvorhaben bedingen zwei Planungen. Das führt unweigerlich zu Mehrkosten für die Einwohnergemeinde», hatte Francis Kuhlen (FDP) damals moniert. Quer durch die Fraktionen hinweg wurde deshalb eine Gesamtkonzeption «Sanierung Bleiche» verlangt.

Nun liegt das Bauvorhaben, wie vom Einwohnerrat im September 2018 verlangt, als Gesamtpaket vor. Kostenpunkt: 4,625 Millionen Franken.

Während dem im südseitigen Bereich des Gebäudes das Kulturprojekt realisiert werden soll, plant der Stadtrat, die restliche Liegenschaft wie folgt zu nutzen: Im nordseitigen Erdgeschoss sind Räume für Textiles und Technisches Gestalten geplant. Im darüberliegenden Obergeschoss sollen Tagesstrukturen eingerichtet werden. Offen bleibt im Moment die Nutzung des Dachgeschosses.

«Der Standort liegt in unmittelbarer Umgebung zum Schulareal Angelrain und eignet sich als ehemaliger Industriebau gut für die Umnutzung zu Räumen für das Textile und Technische Gestalten und für die Tagesstrukturen», heisst es in der Botschaft.

Verworfen hat der Stadtrat hingegen die Absicht, in der Bleiche zwei Kindergärten einzubauen. In Gesprächen mit Schulpflege und Schulleitung sei «ein Kindergarten im Schulareal Angelrain pädagogisch sinnvoller» erachtet worden.

30 Prozent mehr Lenzburger

Die Gesamtkosten von 4,625 Millionen Franken sind wie folgt aufgeschlüsselt: 1,665 Millionen Franken betragen die Aufwendungen für den Bau der Werkräume im Erdgeschoss. Das Fach Textiles und Technisches Gestalten wird im neuen Aargauer Lehrplan obligatorisch geführt. 1,409 Millionen Franken kosten die Tagesstrukturen im ersten Obergeschoss.

In diesem Betrag sind zudem die Treppe und ein Lift bis ins Dachgeschoss enthalten. 1,123 Millionen Franken sind für die Fassaden- und Dachsanierung vorgesehen, 253000 Franken für die Sanierung des Dachstocks. 175'000 Franken steuert die Einwohnergemeinde «an die Gemeindearbeiten im Bereich des Wasserrads» bei.

Passiert das Geschäft im März die erste politische Hürde, so muss auch noch der Souverän grünes Licht dazu erteilen. Die Vorlage soll am 17. Mai an die Urne kommen.

Fakt ist: Lenzburg hat Schulraum dringend nötig. Nachdem erst vor wenigen Jahren über 25 Millionen Franken in Schulbauten investiert worden waren, ist es in den Schulzimmern bereits wieder eng geworden. Seit 2010 ist die Bevölkerung Lenzburgs um rund 30 Prozent gestiegen auf 10830 Personen Ende Dezember 2019.

Meistgesehen

Artboard 1