Möriken-Wildegg
Das unter Schutz stehende «Jodhüsli» fiel einem Irrtum zum Opfer

In Wildegg haben die Arbeiten zur Sanierung des Knotens «Bären» und der Hellgasse begonnen. Einen aufwändigen Strassenumbau gab es vor 39 Jahren an dieser Stelle schon einmal.

Heinz Fröhlich
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Um die Strassenkreuzung übersichtlicher zu machen, wurde 1972 gegenüber vom «Bären» die alte Scheune abgebrochen. heinz frölich/archiv

Um die Strassenkreuzung übersichtlicher zu machen, wurde 1972 gegenüber vom «Bären» die alte Scheune abgebrochen. heinz frölich/archiv

Auch damals wurde der «Bären»-Knoten dem Verkehr angepasst. Zu diesem Zweck musste die grosse, gegenüber dem Restaurant Bären stehende Scheune abgerissen werden. Dabei wurde irrtümlicherweise auch das weitherum bekannte «Jodhüsli» abgebrochen.

Zivilschützer irrten sich

Passiert ist dieses Malheur aus Unkenntnis. Offiziell mit dem Abbruch der Scheune beauftragt war eine Firma aus Villmergen. Zufällig war zur gleichen Zeit in Wildegg auch eine Zivilschutzübung geplant. Dies brachte die Organisatoren der Übung auf eine an sich gute Idee: Sie fanden, der Abbruch der Scheune sei für ihren geplanten Zivilschutzeinsatz ein ideales Übungsobjekt.

Bei der Übung passierte dann aber das Malheur. Die Zivilschützer werteten das kleine Gebäude hinter der Scheune als für ihre Übung besser geeignet als die grosse Scheune. Dieses spontane Umdenken hatte schlimme Folgen, denn die Zivilschutzpioniere bodigten das «Jodhüsli», von dem sie glaubten, es gehöre ebenfalls zum Abbruchauftrag. Ein fataler Irrtum.

Wildegger Heilwasser

Tatsächlich stand das «Jodhüsli» unter Schutz; es gehörte zum Landesmuseum-Inventar und überdachte die jod- und bromhaltige Mineralquelle, die 1830 von Jakob Friedrich Laué entdeckt wurde. Lange Zeit wurde das Wildegger Heilwasser «gegen Arterienverkalkung, chronische Katarrhe, Asthma und Kropf» empfohlen und fand bis in die Zwischenkriegszeit Absatz. Später ging der Wasserertrag zurück, eine Vermarktung lohnte sich nicht mehr.

Wiederaufbau für 160000 Franken

Das Schweizerische Landesmuseum als Besitzerin der Anlage liess 1976 für 160000 Franken ein neues, pavillonartiges Gebäude erstellen. Gleichzeitig wurden Brunnenschacht und Brunnen erneuert und die alte Kolbenpumpe wieder funktionstüchtig gemacht.

Seit damals gibt es sogar eine Wendeltreppe, über die man rund 12 Meter in den 27,5 Meter tiefen Brunnenschacht steigen kann. Von den Neubaukosten Franken übernahm die Eidgenossenschaft 110000 Franken. Der Kanton Aargau, als Verantwortlicher für die Zivilschutzübung, musste 40000 Franken zahlen.

Von den gegenwärtigen Bauarbeiten ist das «Jodhüsli» nicht betroffen. Man wird also auch weiterhin das frisch aus der Erde sprudelnde Jodwasser trinken können, das per Knopfdruck von einer Pumpe ans Tageslicht gefördert wird.