Lenzburg/Schafisheim
Das Stück von Max Frisch ist so aktuell wie eh

Die Freie Bühne Schafisheim zeigt an den beiden nächsten Wochenende den Klassiker «Biedermann und die Brandstifter». Die Rolle des Gottlieb Biedermann sei die grösste Herausforderung, sagt Schauspieler Clemens Borter.

Sibylle Haltiner
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Die Brandstifter Schmitz und Eisenring haben Benzinfässer deponiert. Biedermann will das nicht wahrhaben.

Die Brandstifter Schmitz und Eisenring haben Benzinfässer deponiert. Biedermann will das nicht wahrhaben.

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«Scherz ist die drittbeste Tarnung», erklärt Eisenring dem Haarwasserfabrikanten Biedermann. «Die zweitbeste: Sentimentalität. Aber die sicherste Tarnung ist immer noch die blanke Wahrheit. Die glaubt niemand.» Wie wahr.

Obwohl die beiden Brandstifter keinen Hehl daraus machen, dass sich in den Fässern, die sie auf dem Dachboden von Biedermanns Haus deponiert haben, Benzin befindet, will der Hausherr das nicht wahrhaben. Wider besseres Wissen hat er Schmitz und Eisenring in sein Haus aufgenommen und verschliesst die Augen vor den offensichtlichen Tatsachen.

Wo sollen die Fässer stehen?

Am letzten Wochenende schliff das Ensemble der Freien Bühne Schafisheim unter der Leitung von Regisseur Cornelis Rutgers an den letzten Feinheiten ihres aktuellen Stücks «Biedermann und die Brandstifter». Auch die genauen Abläufe der Inszenierung mussten eingeübt werden. Auf welchem Weg erreichen die Schauspieler den Dachboden, der leicht erhöht neben der Stube liegt? Wie müssen die Fässer stehen, damit sie die Sicht der Zuschauer nicht behindern? Bei der ersten Aufführung morgen Freitag soll alles wie am Schnürchen klappen.

Max Frisch hat «Biedermann und die Brandstifter» in den 50er-Jahren geschrieben. Ist das Thema noch aktuell? «Das Stück hat auch in der heutigen Zeit noch viel zu sagen», meinte Regisseur Rutgers. «Es ist ein Aufruf, etwas zu unternehmen. Obwohl Biedermann klar ist, dass er sich Brandstifter ins Haus geholt hat, reagiert er nicht. Auch heute noch wird dem Volk stückweise Freiheit entzogen, und obwohl wir das sehen, lassen wir es geschehen.»

Anna mag Biedermanns nicht

Bei der Probe zeigte sich, dass sich die Schauspielerinnen und Schauspieler intensiv mit ihren Rollen auseinandergesetzt haben. «Ich glaube, Anna mag ihre Arbeitgeber nicht besonders», meinte Jocelyne Naumann, die das Dienstmädchen spielt.

Sven Berner verkörpert den Brandstifter Schmitz. «Etwas vom Schwierigsten an dieser Rolle ist die Sprache. Schmitz ist ja ungebildet und spricht undeutlich. Trotzdem muss ihn das Publikum gut verstehen.»

Als grosse schauspielerische Herausforderung empfindet Clemens Borter die Rolle des Gottlieb Biedermann. «Er ist ganz anders als ich und es ist schwierig, sich in diesen Menschen hineinzufühlen.» Dass ihm das trotzdem sehr gut gelungen ist, davon kann sich das Publikum an den beiden kommenden Wochenenden überzeugen.

Aufführungen: Rudolf-Steiner-Sonderschule, Lenzburg: 13. und 14. März, 19.30 Uhr, 15. März, 17 Uhr. – Rudolf-Steiner-Schule, Schafisheim: 21. März, 19.30 Uhr, 22. März 17 Uhr.