Das Wort «Haus» steht im Namen. Aber bisher existiert das Stapferhaus vor allem mit seinen Projekten. Dann, wenn im Zeughaus eine Ausstellung läuft, also gut jedes zweite Jahr. Permanent gibt es nur das Büro auf dem Schloss Lenzburg.

Das Stapferhaus war bisher nie ein «Haus», nie Museum. «Ein Museum werden wir auch in Zukunft nicht sein», sagt die Leiterin des Stapferhauses, Sibylle Lichtensteiger. «Wir haben keine Sammlung, wir archivieren nicht. Wir wollen bloss zum Nachdenken anregen.»

Gelände wird überbaut

Und doch:Wenn das Stapferhaus erst eigene vier Wände hat, wird aus den einzelnen Projekten eine dauerhafte Institution. «Wir müssen auch mit fixen Räumen innovativ bleiben», sagt Sibylle Lichtensteiger, «es darf nicht verstauben.» Bisher wurde das Innere des Zeughauses für jede Ausstellung umgebaut.

Doch für immer hätte das Stapferhaus dort ohnehin nicht bleiben können, denn das Gelände gehört den Ortsbürgern, irgendwann wird es überbaut. Hinzu kommt: «Wir sind im Zeughaus ständig am Kämpfen gegen die Kälte, gefrorene Leitungen, Durchzug. Und es mangelt an Räumen für Workshops», sagt die Stapferhausleiterin.

«Standort mit Dynamik»

Diese Woche haben der Stiftungsrat und eine Begleitkommission entschieden, dass das Stapferhaus in einen Neubau auf dem heutigen Post-Parkplatz am Westende des Bahnhofs in Lenzburg ziehen soll. Sorgfältig hatte man zuvor auch zwei andere Orte analysiert: eine Höhle im Schlossberg und die ehemalige Hero-Fabrik. Das Ergebnis der Studie der Firma Infras sei «überraschend eindeutig» gewesen, sagt Lichtensteiger. «Es gab keine Zweifler.» Der Neubau beim Bahnhof soll es sein.

Dort wird das Stapferhaus am Puls der Zeit sein. «Man hat den Wind der durchfahrenden Züge in den Ohren. Diese Energie spürt man», so Lichtensteiger. Und Markus Maibach von Infras findet: «Ein Standort mit Dynamik passt besser für dieses Haus der Gegenwart. Im Schlossberg wäre das Mittelalter zu nah gewesen.» Oder wie in einem Reduit, findet Sibylle Lichtensteiger. Im Gebäude der Hero-Fabrik wäre die Ausstrahlung des Hauses weniger eigenständig gewesen.

«Diese Lage ist ein Signal», findet der Schweizer Kulturunternehmer Martin Heller. Er war als Mitglied des Begleitgremiums am Entscheid beteiligt. Ausserdem brauche jedes Projekt neue Stufen: «Das Stapferhaus hat sich die nächste Stufe verdient. Es ist eine überregionale Einrichtung.»

Nie leer stehen

Nur deswegen kann das Stapferhaus einen solchen Schritt auch wagen. Denn eines ist klar: Der Betrieb wird teurer. In einem eigenen Haus soll die Ausstellungs-Kadenz erhöht werden – es soll nie leer stehen, und deshalb werde sicher eine weitere Projektleiterstelle nötig, laut Lichtensteiger auch zusätzliche in der Vermittlung und Kommunikation.

Für die Projektkosten werden momentan 350000 Franken mittels Sponsoring reingeholt, im eigenen Haus müssten es jährlich rund eine halbe Million sein. «Wir sind am Rechnen», sagt Lichtensteiger, «das Haus steht noch nicht.» Aber man habe ein gutes Netzwerk.

Auch mit der Grundeigentümerin, der Post, muss weiter verhandelt werden. «Das Luftschloss wird langsam konkret», sagt Lichtensteiger, «aber es bleiben noch viele Schritte, bis es Realität ist.»

Ist die Finanzierung gesichert, wird es darum gehen, für das Stapferhaus auf dem heutigen Post-Parkplatz eine flexible Hülle zu schaffen, die mit der Zeit – beziehungsweise der Gegenwart – mithalten kann. In «Haus der Gegenwart» soll das Haus vielleicht umbenannt werden. Definitiv geplant ist ein Haus mit zwei Stockwerken, darunter ein zusätzlicher Raum für flexiblere, kurzfristigere Ausstellungen.

Um Geld wird das Stapferhaus mit Sicherheit kämpfen müssen, aber kaum um seine Daseinsberechtigung: Die Gegenwart wird immer komplexer und die Institution, 1959 offiziell als «aargauische und schweizerische Stätte der geistigen Auseinandersetzung» gegründet, wird als Ort des Nachdenkens über das Jetzt wichtig bleiben.