Grossratswahlen

Das Sprachrohr des Bibers: Er will auch denjenigen eine Stimme geben, die keine haben

Matthias Betsche an der Bünz-Aue, einem seiner Lieblingsplätze in Möriken-Wildegg.

Matthias Betsche an der Bünz-Aue, einem seiner Lieblingsplätze in Möriken-Wildegg.

Matthias Betsche aus Möriken-Wildegg möchte sich als Grossrat noch konsequenter für diejenigen einsetzen, die keine Stimme haben.

Für den Termin mit der Zeitung steigt GLP-Grossratskandidat Matthias Betsche (49) in Lederschuhen und weissem Hemd aus einem eher schnittigen Auto. Mit den gleichen Lederschuhen stapft er wenige Minuten später über ein steiles Bort hinunter an die Bünz-Aue in seinem Wohnort Möriken, die er als Ort für das Gespräch vorgeschlagen hatte. Mit beiden Händen bahnte er sich einen Weg durch die Büsche, bis er ein schattiges Plätzchen gefunden hat.

«Ich war schon als Kind fasziniert von der Natur und allem, was kreucht und fleucht», sagt er. Als er zum ersten Mal eine Reihe plattgefahrener Frösche entdeckte, realisierte er, dass die Natur auch zerstört werden konnte. «Und dass man ihr helfen muss.» In diesem Fall mit einem Froschzaun. Seitdem ist er Naturschützer.

Fürsprecher für Lebewesen und ihren Lebensraum

Er entschloss sich, Jura zu studieren und wurde als Fürsprecher zum Sprachrohr derer, die keine Stimme haben. «Als Rechtsanwalt berate ich NGOs, Firmen und Private unter anderem im Bereich Nachhaltigkeit», steht auf seiner Website. Bekannt und gefürchtet ist er in der Region durch seine Tätigkeit als Präsident von Pro Natura Aargau.

«Meine juristischen Kenntnisse helfen mir auch in Fragen des Naturschutzes und der Raumplanung», sagt er. So zum Beispiel im Fall der Folientunnel im Seetal, wo der Regierungsrat eine Beschwerde von Pro Natura gutgeheissen hat. Die Tunnel müssen möglicherweise wieder abgebaut werden (die AZ berichtete).

Matthias Betsche will nicht verbieten oder verhindern, sei für Innovation und Nachhaltigkeit in der Raumplanung und Landwirtschaft. «Es ist immer auch eine Standortfrage», sagt er, «wir brauchen eine vorausschauende Planung mit allen Interessengruppen.» Betsche kommt ein bisschen von überall; aufgewachsen in Genf, Matur in Interlaken, Studium in Bern, Arbeit in Basel und Zürich, wo er eine Familie gründete.

Mit seiner Frau stiess er bei der Suche nach einer ländlichen Umgebung Möriken-Wildegg. «Der Aargau war goldrichtig», sagt er. In Möriken-Wildegg präsidiert er heute die Finanzkommission und ist Präsident des Vereins Freunde Schloss Wildegg. «Völlig unterschätzt» sei dieser Kanton mit seiner Vielfalt und den 3000 Kilometern Fliessgewässern.

An und in diesen Gewässern lebt einer seiner Lieblinge, der es regelmässig in die Medien schafft: der Biber. «Der Biber hat eine äusserst wichtige Funktion, er bringt Dynamik in die Gewässer», sagt Betsche. «Der Biber renaturiert gratis die Gewässer.» Nicht alle würden es so ausdrücken. «Natürlich gibt es auch Konfliktpotenzial.» Doch Teil seiner Aufgabe sei es, Lösungen zu finden.

Zum Beispiel mit Landwirten, mit denen man anhand des kantonalen «Massnahmenplans Biber» darüber diskutieren könne, welches Vorgehen geeignet sei, im Gewässerraum ein Zusammenleben von Mensch, Landwirtschaft und Biber zu ermöglichen. «Ich gebe den Tieren und Pflanzen im Aargau bei solchen Gesprächen eine Stimme», sagt er.

Der Biber, eine Aargauer Erfolgsgeschichte. Und zudem sei er auch extrem putzig anzuschauen, sagt Betsche und strahlt. Die Aargauer Erfolgsfigur Biber ist auch zur Galionsfigur für ein politisches Engagement Betsches geworden: Er präsidiert das Regionalkomitee Aargau «Jagdgesetz Nein».

Auch dem Biber droht mit der Änderung des Gesetzes Abschuss auf Vorrat, sagt Betsche. Aufgrund der Diskussionen im Parlament müssen wir davon ausgehen, dass auch der Biber auf der Abschussliste landen wird. «Man soll bedrohte Tierarten nicht noch seltener machen.»

Die Kandidatur für das Grossratsamt sei für ihn ein logischer Schritt. «Der Naturschutz ist von vielen politischen Entscheidungen abhängig», sagt er. Neben dem Naturschutz liegen ihm liberale Lösungen am Herzen. «Ich will Anreize setzen», sagt er. Unternehmen, die sich für Naturschutz und faire Standards einsetzen, sollen belohnt werden und jene, welche die Umwelt und das Gemeinwohl belasten, sollen die von ihnen verursachten Kosten tragen.

Das grundsätzliche Thema, das ihn schon heute bei seiner Arbeit beschäftigt und bei dem er politisch ansetzen möchte, sei die «zunehmende Zersiedelung des Aargaus». Das Mittelland werde zunehmend überbaut. Damit gehe den nächsten Generationen und der Natur wertvoller Lebensraum verloren.

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