Hä? Drachen im Seetal? Klar, den herzigen kleinen Fauchi auf Schloss Lenzburg kennt wohl jedes kleine und grosse Kind weitherum. Dass jedoch die Drachensippe viel grösser sein soll und sich ihre Spuren weit ins Aargauer und Luzerner Seetal hineinziehen, ist hingegen weniger bekannt.

Glaubt man Drachenforscher Ambrosius Ferdinand Sigismund Maria von und zu Drachenfels, so hausen hier Spezies wie Luftflugdrachen, Feuerdrachen, ja sogar Luftschlossdrachen will man hier ausgemacht haben. Unermüdlich forscht er, um herauszufinden, wie sie gelebt haben und wer tatsächlich miteinander verwandt ist.

Seine bisherigen Resultate sind in einem fantasievoll illustrierten Kinderbuch «Seetaler Drachen-Saga. Band 231» verewigt. Forschungsarbeit ist jedoch eine Riesenbüez und kaum allein zu bewältigen. Jetzt hofft der Drachenforscher auf Unterstützung von Gross und Klein.

Dan Wiener, Buchautor; Rafael Enzler, Projektleiter; Cornelius Müller, Idee Seetal und René Bossard, Seetaltourismus (v. l.), sind die Initiatoren und Realisatoren der Drachensaga.  Str

Dan Wiener, Buchautor; Rafael Enzler, Projektleiter; Cornelius Müller, Idee Seetal und René Bossard, Seetaltourismus (v. l.), sind die Initiatoren und Realisatoren der Drachensaga. Str

Was im Buch als fantasievolle Geschichte daherkommt, ist in Tat und Wahrheit ein neues Tourismusangebot, welches mehr Leute zu den Ausflugszielen ins Seetal locken soll. Mit der Drachensaga werden primär Familien angesprochen. Auf spielerische Art und Weise sollen sie den Familiengeheimnissen der Seetaler Drachenfamilien auf die Spur kommen.

Roter Faden durch die Angebote

Die Realisation des Projekts überhaupt möglich gemacht hat die Neue Regionalpolitik (NRP) des Bundes, mit welcher strukturschwache ländliche Regionen unterstützt werden sollen. «Dabei geht es darum, die vorhandenen Potenziale auszuschöpfen und die Zusammenarbeit zwischen den Regionen zu fördern», erklärte René Bossard, Geschäftsführer von Seetal Tourismus, der das NRP-Projekt vor gut zwei Jahren beim Kanton als «Angebotsinszenierung für Familien im Seetal» eingereicht hatte.

Mit dem Drachental will man nicht ein neues touristischen Angebot schaffen, sondern die vorhandenen Möglichkeiten besser miteinander verbinden. «Was bisher gefehlt hat, ist ein einheitlicher Auftritt. Mit der Seetaler Drachensaga wollen wir einen roten Faden schaffen, der die bestehenden Produkte und Dienstleistungen auf erlebnisreiche Art und Weise miteinander verknüpft», erklärte Bossard gestern bei der Präsentation von Drachental auf Schloss Hallwyl, einem der Orte, der Teil des NRP-Projektes ist.

Die Projektkosten belaufen sich auf 540 000 Franken. 300 000 Franken stammen aus NRP-Geldern vom Bund und den Kantonen Aargau und Luzern, den Rest finanzieren hauptsächlich die Leistungsträger und Sponsoren. Nebst Initiator Tourismus Lenzburg Seetal sind an der Seetaler Drachensaga auch der Lebensraum Lenzburg Seetal und Idee Seetal, das Pendant aus dem Kanton Luzern, beteiligt.

Die Luzerner hatten von dem Projekt Kenntnis erhalten und das Thema ebenfalls aufgenommen. Von der Entwicklung der Idee bis zur Umsetzung wird Seetal Tourismus von der Firma Gutundgut Gmbh unterstützt, die spezialisiert ist auf Tourismus-, Freizeit- und Kulturprojekte. «Diese Art der touristischen Inszenierung ist schweizweit einmalig. Geschichten gegen den Kantönligeist – das gab es noch nie», sagte Projektleiter Rafael Enzler.

«Geschichten erzählen verbindet Generationen und Regionen», so Enzler. «Entdecken, erfinden und erleben steht im Fokus des Freizeitangebots.» Die Drachenforschung führt an verschiedenste Drachenorte, unter anderem auf Schloss Lenzburg, ins Schloss Hallwyl, auf den Hallwilersee, in die Jugendherberge Beinwil am See, ins Schongiland und bis auf Schloss Heidegg.

Das Drachental wird am 29. April mit einem Drachenfest an verschiedenen Orten eröffnet.