Bevölkerung

Das Seetal wächst und wächst: Seengen hat jetzt 4000 Einwohner

Ammann Jörg Bruder (links) und die zugezogene Familie Ermel: Mirjam und Erich mit den Söhnen Ben (5) und Lars (4).

Ammann Jörg Bruder (links) und die zugezogene Familie Ermel: Mirjam und Erich mit den Söhnen Ben (5) und Lars (4).

Seengen begrüsst seinen 4000. Einwohner. Das Dorf hat ein rasantes Wachstum hinter sich. Der Bauboom hat vielfältige Auswirkungen auf das ganze Seetal.

Vor 40 Jahren zählte Seengen noch beschauliche 1610 Einwohner. Seitdem ist das Dorf beständig gewachsen, bis es nun seinen 4000. Einwohner begrüssen darf: Die Familie Ermel hat nach fünf Jahren in Südafrika Seengen als neuen Wohnort gewählt.

«Während unserer Zeit in Südafrika haben wir für die Ferien bei den Eltern ein Airbnb in Seengen gemietet», erzählt Mirjam Ermel. Das gegenüberliegende Haus habe ihnen so gut gefallen, dass sie es am liebsten gekauft hätten. Vor einem Jahr sind sie dann zurück in die Schweiz gezogen, zuerst nach Gränichen, um von dort aus nach einer langfristigen Lösung zu suchen. «Wir haben beschlossen, vor der Einschulung der Kinder in die Schweiz zurückzukehren», erklärt das Ehepaar. «Und tatsächlich stand dann genau das Haus zum Verkauf, das wir während unserer Ferien in Seengen entdeckt haben – da war die Entscheidung schnell gefällt», sagt Mirjam Ermel lachend. Sie und ihr Mann, beide knapp 40-jährig, arbeiten für ein Schwarzwälder Industrie-Unternehmen, das sich auf Komponenten für Produktionsanlagen in Chemie, Lebensmittelproduktion und anderen Gebieten spezialisiert hat. Erich Ermel in Cham, Mirjam Ermel von zu Hause aus. Beide sind aus der Gegend, Erich aus Schafisheim, Mirjam aus Muri. Und kennen gelernt haben sie sich an der Fachhochschule Brugg, Erich studierte Maschinenbau, Mirjam Wirtschaftsingenieurin.

Gemeindeammann Jörg Bruder freut sich über den Zuwachs und betont das hübsche Dorfbild, das trotz Wachstum gewahrt werden konnte. «Als Gemeinde können wir das zwar nicht selber beeinflussen, sind aber froh, dass es bei uns keine grossen Überbauungen gibt», sagt er. Er mutmasst, dass das am relativ teuren Bauland liegen dürfte, das die Rentabilität von Grossüberbauungen für Investoren schmälern würde. Deshalb konzentrieren sich diese auf Projekte in anderen Gemeinden. Und deshalb ist das gleichmässige Wachstum Seengens auch eher die Ausnahme in der Umgebung. Denn in vielen Nachbargemeinden sieht es anders aus.

Nachbarn mit Überbauungen

In Boniswil entstehen neben Schul- und Gemeindehaus gleich drei Überbauungen nebeneinander, fast 120 neue Wohnungen und bis zu 300 neue Einwohner bekommt Boniswil dadurch. Die ersten Wohnungen sind bereits bezogen, was sich in der Statistik niederschlägt: 34 Einwohner mehr als vor einem Jahr hatte die Gemeinde Ende 2018 (+2,4 Prozent). Noch stärker gewachsen sind nur Egliswil (3,2 Prozent) und Beinwil am See (3,6 Prozent). Wie viele andere Gemeinden benötigt auch Boniswil neue Steuerzahler, um die steigende Ausgabenlast decken zu können. Bis 2020 soll die Bevölkerung von 1400 auf rund 1700 Einwohner anwachsen. Schlusslicht von sechs befragten Gemeinden ist Birrwil, das sogar einen Bevölkerungsrückgang hinnehmen musste. Dies, nachdem neue Überbauungen die Einwohnerzahl zwischen 2012 und 2016 um fast 25 Prozent hochschnellen liessen. Die nun grössten Bauprojekte in Birrwil, die Färbi-Überbauung und das Köbi-Areal verzögern sich. Doch spätestens ihre Fertigstellung wird Birrwils Wachstum noch einmal vorantreiben. An dem anhaltenden Bauboom haben aber nicht alle Freude. «Vom See her sieht man wegen der vielen Treppenhäuser praktisch nur noch Beton», schrieb Landschaftsschützer Benno Stocker bereits vergangenen März in einem Leserbrief.

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