Für gewöhnlich finden Besucher die historischen Zimmer, die weiten Säle und die versteckten Kammern auf Schloss Wildegg zu nächtlicher Stunde verschlossen vor. Doch für den Weihnachtsmarkt von Möriken-Wildegg, der am Freitag und Samstag bei der rund 800-jährigen Burganlage stattfand, machte Schlossmuseumsbetreiberin Museum Aargau eine Ausnahme.

Ausgerüstet mit Entdeckergeist und einer handflächengrossen Taschenlampe wagten sich Hunderte neugieriger Besucher des Weihnachtsmarkts auf einen ausgewählten Rundgang durch die finsteren Räume und Gänge und liessen die ehemalige Wohnstätte der Familie Effinger in neuem und überraschendem Licht erscheinen.

Zu Beginn dieser besonderen Besichtigung erwiesen sich die Taschenlampen allerdings noch als unnötig. Denn Glanz spendete in der Eingangshalle ein prächtig geschmückter Weihnachtsbaum. Wie Schlossführerin Esther Lenzin berichtete, gehören die Christbäume auf der Wildegg zu einer langjährigen Tradition. So habe Julie, die letzte und 1912 verstorbene Effinger, jeweils die Dorfbevölkerung zur Adventszeit eingeladen, den geschmückten Baum zu besichtigen. Dies weil sich vor über hundert Jahren noch lange nicht jede Familie einen Weihnachtsbaum leisten konnte.

Aristokratischer Geist im Innern

Nächste Station auf dem Rundgang war die Salisstube und hier hatten insbesondere die jüngeren Besucher viel Freude daran, die Lichtkegel von ihren Händen durch das dunkle Zimmer tanzen zu lassen. Zusammen mit Esther Lenzin machten sie das Porträtbild des extravaganten Bernhard Effinger ausfindig, der zur Zeit der Regentschaft von Louis XIV. gelebt hatte und sich ganz unbescheiden als Sonnenkönig der Wildegg bezeichnete.

In der Salisstube wurde auch deutlich, was die Faszination einer solchen von Taschenlampen begleiteten Führung ausmacht. Das Sehen wird nun zu einem Suchen und das Zimmer setzt sich erst allmählich durch verschiedene, fokussierte Einzeleindrücke zusammen. Dies führt im Endeffekt zu einer neuen und tastenden Wahrnehmung des Schlossinnern.

Schlossgeister liessen sich am Wochenende übrigens auch in den diskretesten Winkeln keine blicken, dazu war wohl auch das Treiben im Schloss während des Weihnachtsmarkts zu geschäftig. Aber der aristokratische Geist, der immer noch innerhalb des altehrwürdigen Gemäuers nistet, der war durchaus auszumachen. Beispielsweise im Esszimmer mit seiner ausladenden Porzellangeschirrsammlung. «Die Menge des Geschirrs», so führte Esther Lenzin aus, «bestimmte über das soziale Prestige des Gastgebers».

Der Weihnachtsmarkt wartet

Einziger Wermutstropfen dieses faszinierenden Einblicks ins Schloss Wildegg war seine kurze Dauer. Doch das Interesse an den Taschenlampenführungen war gross und ein straff getakteter Ablauf ohne Alternative. Und schliesslich wartete ausserhalb der Burgmauern der Weihnachtsmarkt auf die Besucher mit vielen kulinarischen Spezialitäten und seinen 50 Marktständen, an denen Schmuck und Winteraccessoires, Selbstgestricktes, Selbstgebackenes und Regionalgebranntes gekauft werden konnte.

Karin Brenner, die Präsidentin des neu gegründeten Vereins Wiehnachtsmärt Möriken-Wildegg, freut sich über die gute Zusammenarbeit mit der Schlossmuseumsbetreiberin. «Museum Aargau zeigt sich am Wiehnachtsmärt sehr engagiert, das ist für die Organisation natürlich äusserst positiv.» Mit dem Verlauf des Weihnachtsmarkts ist sie ebenfalls sehr zufrieden. «Ich bin immer wieder überrascht wie viele Besucher den Weg aufs Schloss finden. Das ist grossartig.»