Beinwil am See
Das schiefe Haus ist wieder gerade – dafür sind in der Gemeinde jetzt mehrere Kosten in Schieflage

Das schiefe Haus von Beinwil am See steht wieder gerade. Die Sanierung der Leitungen, die für diese Schieflage verantwortlich sind, kommt die Gemeinde teurer zu stehen als gedacht.

Pascal Meier
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Das schiefe Haus wurde aufgerichtet. HO

Das schiefe Haus wurde aufgerichtet. HO

Isabelle Schwab

Das Haus neben der Schiffanlegestelle Beinwil am See ist bei Ausflüglern am Hallwilersee berühmt. Über mehrere Jahrzehnte versank es langsam im Boden, Ende 2016 steckte eine Ecke des Hauses 56 Zentimeter tief in der Erde.

Seit Kurzem steht das Haus wieder gerade. Die Eigentümer haben ihr Zuhause aufrichten lassen und damit noch grössere Schäden verhindert. Die Rettungsaktion war spektakulär: Eine Spezialfirma trennte das rund 900 Tonnen schwere Haus vom Fundament, hob es bis zu 80 Zentimeter an und stellte es in den Senkel.

Die Lücke zwischen Fundament und Haus wurde geschlossen und zugemauert. Federführend war die Innerschweizer Firma Iten, die 2012 in Zürich Oerlikon ein 6200 Tonnen schweres Verwaltungsgebäude um 60 Meter verschoben hatte.

Haftpflicht-Fall für Gemeinde

Mitschuldig an der Schieflage ist laut einem geologischen Gutachten vermutlich eine defekte Kanalisationsleitung der Gemeinde. Das Wasser suchte sich eigene Wege durchs Erdreich. Im Bereich der Seestrasse, bei der Schiffstation und beim Seehotel Hallwil senkte sich der Boden ab. Am dramatischsten zeigte sich dies beim schiefen Haus am See.

Glück im Unglück: Die Haftpflichtversicherung der Gemeinde zahlte einen grösseren Betrag an die Sanierung des Hauses, Beinwil trägt nur den Selbstbehalt von 5000 Franken.

Der Fall wird trotzdem teuer: Ende 2013 hatte die Gemeindeversammlung einen Kredit von 600'000 Franken für die Sanierung der lecken Leitung gesprochen. Dann stellte sich heraus: Die Sanierung ist viel aufwendiger als angenommen. Es braucht weitere Untersuchungen des Baugrunds und Sonderbohrungen. Neue Sanierungsvarianten wurden ausgearbeitet und eine davon ausgewählt.

Das kostet nun voraussichtlich 1,1 Millionen Franken, inklusive Vorarbeiten. Abzüglich des bereits bewilligten Kredits von 600'000 Franken verbleiben also 500'000 Franken. Für diese beantragt der Gemeinderat nun an der Gemeindeversammlung einen Zusatzkredit.

Kreisel eine Million teurer

Die Wasserleitung am See ist nicht das einzige Projekt, das teurer wird als angenommen. Regelrecht explodiert sind die Kosten des Kreisels beim Löwenplatz. Dieser war hauptsächlich zwischen 2008 und 2010 gebaut worden, nun legt der Gemeinderat der Sommergmeind die beiden Kreditabrechnungen vor.

Demnach beläuft sich der Anteil der Gemeinde an den Gesamtkosten auf rund 1,93 Millionen Franken; dies inklusive Anpassungen an Unterführung, Verlegung von Werkleitungen und Kreiselschmuck. Das Projekt kostet Beinwil damit etwa doppelt so viel, wie die Gmeind 2007 in zwei Kredittranchen bewilligt hatte. Auch der Kanton muss mehr bezahlen.

Grund für die Kostenüberschreitung von rund 965'500 Franken: Es stellte sich heraus, dass Decke und Bodenplatte der Unterführung zu schwach sind für die Last des umgebauten Knotens. Die bestehenden Teile mussten deshalb abgebrochen und neu gebaut werden, genauso die Technik und WC-Anlagen. Das führte laut Gemeinderat zu den höheren Kosten.

«Löwen»-Analyse günstiger

Einen Teil dieser Mehrkosten konnte der Gemeinderat bei anderen Projekten kompensieren, deren Kredite stark unterschritten wurden: Das dreijährige Pilotprojekt Pforte Arbeitsmarkt kostete nur etwa 6300 statt 125'000 Franken.

Grund: Sowohl Grundkosten als auch arbeitsmarktliche Massnahmen wurden mehrheitlich über andere Kostenträger finanziert. Viel weniger als budgetiert kosteten auch die Zustandsanalyse und das Nutzungskonzept für das ehemalige Hotel/Restaurant Löwen. Der Kredit von 150'000 Franken wurde um rund 52'130 Franken unterschritten.

Der «Löwen» beschäftigt Beinwil jedoch weiterhin: Basierend auf dieser Analyse hatte die Gemeindeversammlung Ende 2016 knapp zwei Millionen Franken für die Sanierung und Umnutzung der altehrwürdigen Gemeinde-Liegenschaft bewilligt – ein Projekt, das in den vergangenen Jahren viel zu reden gab, mehrmals überarbeitet werden musste und die Gemeinde viel Geld kostete.

Im Erdgeschoss sind nun Bibliothek, Spitex und Vereinszimmer vorgesehen, im Untergeschoss Künstlergarderoben und Vereinsarchiv sowie im Gewölbekeller ein Mehrzweckraum.

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