Lenzburg
Das rote Velöli erhält ein zweites Leben

Erstmals konnten beim Werkhof Sonderabfälle abgegeben werden – die Entsorger wirkten befreit

Sibylle Haltiner
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Lenzburger können Haushalt-Sonderabfälle abgeben
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Die Werkhofmitarbeiter weisen einem Neuankömmling den Weg zur richtigen Sammelstelle.
Der Sperrmüll wird gewogen und muss nach Gewicht bezahlt werden.
Diese Reste von Unkrautvertilgern gehören zu den Sonderabfällen.

Lenzburger können Haushalt-Sonderabfälle abgeben

Jahrelang sind sie herumgestanden, im Keller, auf dem Estrich oder im Schopf: Farbtöpfe, Unkrautvertilgungsmittel, der kaputte Staubsauger, alte Computer oder leere Spraydosen. Am Samstag hatten die Lenzburgerinnen und Lenzburger die Möglichkeit, diese Altlasten in fachkundige Hände zu übergeben. Zum ersten Mal fand im Werkhof eine Sammlung für Haushalts-Sonderabfälle statt.

Diese Gelegenheit packte auch Paul Bruggisser beim Schopf, um sich Dingen zu entledigen, die seit Jahrzehnten herumstehen. «Wir haben die ehemaligen Kinderzimmer aufgeräumt und renoviert», erklärte er. Da sind einige Sachen zusammengekommen. Auch Farbreste, zum Teil gegen 30 Jahre alt, hat er abgeliefert. «Man ist froh, wenn es weg ist», konstatierte Bruggisser. «Eine solche Sammlung ist ein echtes Bedürfnis.»

Froh, das Ding los zu sein

Dies bestätigte auch Werkmeister Heinz Stettler. «Jeder ist dankbar, dass er seine Sonderabfälle hier entsorgen kann», meinte er und erzählte von dem Mann, der mit zwei Kanistern Altbenzin angekommen sei. Wo solle er denn sonst hin damit, habe er beim Entsorgen gesagt.

Die Sammlung war ein Pilotversuch, der gut ankam. Während die Mitarbeiter des Werkhofs Lenzburg bei der Entsorgung von Elektroschrott und Sperrmüll halfen, übernahmen Experten der Firma Altola aus Olten die Chemikalien. «Die Leute interessieren sich dafür, was mit den Abfällen passiert», berichtete Manfred Känzig. «Wir sortieren hier vor. In Olten haben wir ein Labor, um die Stoffe genauer zu bestimmen. Möglichst viel wird recycelt, der Rest kommt in die Sondermüllverbrennung.»

Doch nicht nur gefährliche Chemikalien brachten die Leute am Samstagmorgen in den Werkhof. Viele hatten zu Hause aufgeräumt. «Bei der Grossmutter hat sich viel Hausrat angesammelt, uraltes Zeug, das nicht mehr gebraucht wird», erzählte Carol Baumann. Auch Ruth Ramstein trennte sich von alten Sachen, wenn auch wehmütig. «Drei Jahre lang habe ich die Stühle gehortet, aber sie sind kaputt, und eine Sanierung hätte gegen 300 Franken pro Stück gekostet.» Leicht fiel ihr der Schritt nicht, kurz überlegte sie sich, die Sachen auf die Etagère zu stellen, damit sie jemand anderer mitnehmen könnte. Doch unterdessen warf der Werkhofmitarbeiter die Sperrholzstühle bereits in die Presse.

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Die Etagère ist eine Institution auf dem Lenzburger Werkhof. Wer etwas hat, das noch gebraucht werden könnte, legt es auf das Eisengestell. Zum Trampolin ohne Beine stellte Werkmeister Stettler eine originalverpackte Weihnachtsbeleuchtung, die im Elektroschrott gelandet war. «Die geht sicher weg», meinte er. Eine zweite Chance erhält auch ein Kinderfahrzeug aus rotem Metall, das nicht mit den Füssen, sondern mit Handhebeln in Bewegung gesetzt wird. «Zwei Generationen haben es gebraucht, doch jetzt sind auch die Enkelkinder zu gross dafür», erklärte Godi Zwimpfer. «Das Vorderrad habe ich behelfsmässig geflickt, ich hoffe, jemand nimmt es mit.»

Sein Wunsch ging schnell in Erfüllung: Nur zehn Minuten später wanderte das Velöli in einen anderen Kofferraum. Neue Kinder werden mit dem antiken Gefährt durch Lenzburg rollen.

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