Beinwil am See

Das Rössl vom Wolfgangsee galoppiert ins Seetal

Präsident Hansrudolf Bürgi und Markus Bitterli. Er sorgt neu für die Verpflegung.

Präsident Hansrudolf Bürgi und Markus Bitterli. Er sorgt neu für die Verpflegung.

Mit dem «weissen Rössl» zeigt die Theatergesellschaft ab Januar eine Operette, welche die Geschichte der Gesellschaft massgeblich geprägt hat.

Aus einem Alt-Berliner Schwank entstanden, 1930 in Berlin uraufgeführt, von den Nationalsozialisten wegen der jüdischen Mitautoren und einer «skandalösen Badeszene» als entartete Kunst gebrandmarkt, sensationelle Erfolge in London und am New Yorker Broadway gefeiert: Die Operette «Im weissen Rössl» hat eine aufregende Aufführungsgeschichte geschrieben.

Ab dem 20. Januar 2018 wird die Operette im Seetal um ein weiteres Kapitel ergänzt. Dann öffnet sich der Vorhang im Löwensaal zur neuesten Produktion der Theatergesellschaft Beinwil am See. Vor prächtiger Kulisse wird der liebestrunkene Kellner Leopold allen Hürden trotzen und danach streben, das Herz der Rössl-Wirtin Josepha für sich zu gewinnen.

«Das ‹weisse Rössl› ist in mehrerer Hinsicht eine besondere Operette», sagt Hansrudolf Bürgi, der langjährige Präsident der Theatergesellschaft Beinwil am See. «Erst nach der eigentlichen Glanzzeit der Operette entstanden, ist sie der Vorläufer zum deutschen Musical.»

Zum vierten Mal im Löwensaal

Die Erfolgsoperette, die am Wolfgangsee im österreichischen Salzkammergut spielt, wird bereits zum vierten Mal im Löwensaal gespielt. Die ersten Aufführungen fanden 1946 gleich nach dem Krieg statt. Auch 2004 wurde das «weisse Rössl» im Seetal gezeigt.

«Das war die finanziell erfolgreichste Inszenierung der Theatergesellschaft», so Hansrudolf Bürgi. «Sie hat es uns erlaubt, zwei Jahre später die teure Oper ‹Die lustigen Weiber von Windsor› auf die Bühne zu bringen.»

Man setzt in Beinwil am See aber nicht nur stofflich auf Bewährtes. Bei Regisseurin Monika Wild und dem musikalischen Leiter Konrad Jenny befindet sich auch die künstlerische Leitung in bewährten Händen. «Beim ‹weissen Rössl› ist das gesamte Bühnengeschehen in steter Bewegung», bemerkt Theatergesellschaftspräsident Bürgi. «Monika Wild verlangt Sängern und Darstellern viel ab.» Und fährt fort: Was dabei herauskommt, ist immer gut.»

«Weisses Rössl» als Inspiration

Das Gesamtbudget für die Produktion mit insgesamt 24 Aufführungsterminen beläuft sich auf rund 700 00 Franken. Daraus werden 50 000 bis 60 000 Franken allein für Urheberrechte veranschlagt. Hansrudolf Bürgi hofft auf eine Besucherauslastung von rund 85 Prozent, damit das «weisse Rössl» für die Theatergesellschaft auch finanziell eine Erfolgsgeschichte wird.

Um dies zu erreichen, ist die Theatergesellschaft darum bestrebt, vermehrt auch jüngeres Publikum an die Operettenaufführungen zu locken. «Das ist uns vor zwei Jahren schon teilweise gelungen», so Bürgi. «Wir haben vermehrt Werbung bei Vereinen gemacht. Aber gegen das grosse Freizeitangebot für die Jugend anzukommen, ist sehr schwierig. Die grauen Haare sind im Löwensaal immer noch in der Überzahl.»

Dafür erlebte der Laienchor, der sich aus Sängerinnen und Sängern aus der ganzen Region zusammensetzt, in diesem Jahr eine Verjüngung. «Wir hoffen natürlich, dass diese jungen Chormitglieder auch ein junges Publikum nach Beinwil am See mitbringen», sagt Bürgi.

Zum ersten Mal wirkt Markus Bitterli im Vorstand der Theatergesellschaft mit. Er ist nach langer Abwesenheit aus dem Seetal vor kurzem nach Reinach gezügelt und zeichnet bei der neuesten Operetteninszenierung für die gesamte Verpflegung verantwortlich. «Ich besuche die Operette in Beinwil bereits seit den 80er Jahren regelmässig und habe mich nun entschieden, bei der Produktion mitzuwirken», sagt er.

Sein Anliegen ist es, für das Verpflegungsangebot vor allem Dienstleister aus der Region zu berücksichtigen. Aber auch das «weisse Rössl» dient am Buffet als Inspirationsquelle. «Wir werden zum Beispiel Mozartkugeln anbieten.»

Es ist in Beinwil am See also alles angerichtet, damit es ab dem 20. Januar heissen kann: «Tritt ein und vergiss deine Sorgen».

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