Seon
«Das Positive hat überwogen»: Ulrich Stucki führt das Hallenbad-­Café seit 30 Jahren

Stucki wirtet sein Jubiläum in Seon – auf eine etwas andere Weise. Ans Aufhören denkt der 54-Jährige noch lange nicht.

Anja Suter
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Ulrich Stucki hinter der verzierten Plexiglasscheibe an der Kasse des Cafés Hallenbad. Fürs Bild zog er die Maske ab.

Ulrich Stucki hinter der verzierten Plexiglasscheibe an der Kasse des Cafés Hallenbad. Fürs Bild zog er die Maske ab.

Chris Iseli

Dass er so lange am selben Ort bleiben würde, hätte Ulrich Stucki nicht gedacht. «Ich weiss noch, wie wir hier das 10-Jahr-­Jubiläum feierten und dazu schrieben, ‹schon zehn Jahre, feiern Sie mit uns›. Der Bademeister hat da noch zu mir gesagt, dass zehn Jahre gar nicht lang seien.» Inzwischen ist Stucki dreimal so lange im Hallenbad Seon. Seit 30 Jahren führt der 54-Jährige das Hallenbad-­Café. «Zuvor hatte ich im Restaurant Linde in Leutwil gekocht und die Wirteschule besucht», sagt Stucki. Doch bald wollte er etwas Eigenes haben und machte sich auf die Suche nach einem Restaurant. «Die Gemeinde Seon hat das Hallenbad-Café ausgeschrieben und ich griff zu» sagt er.

Angebot der Metzgereien bestimmt das Menu

Dass sein Restaurant direkt an das Hallenbad angeschlossen ist, stört ihn nicht, im Gegenteil: «Kein Wirt hat es so einfach wie ich, die Gäste laufen rein und stehen direkt hier bei mir, ich muss sie nur noch empfangen», erklärt er lachend. Stucki lebt aber keineswegs nur von den Gästen, die nach dem Aqua-Fit-Kurs oder dem Schwumm im kühlen Nass noch etwas essen wollen. «Zur Mittagszeit haben wir eigentlich fast nur Gäste von auswärts», sagt er. Diese kommen vor allem wegen der Menus, die täglich wechseln. Im Hallenbad-Café kocht Ulrich Stucki zusammen mit einem Team aus zwölf Angestellten gut bürgerliche Küche und ist bekannt für seine grossen Portionen.

Bei der Auswahl der Menus achte er vor allem auf das Angebot der Metzgereien aus der Region. «Am Ende muss das Preis-Leistungs-Verhältnis stimmen», sagt Stucki.

«Anzahl Gäste ist schwierig abzuschätzen»

Der Wechsel zu einem anderen Restaurant kommt für Stucki nicht in Frage, «wenn es die Gesundheit zulässt, möchte ich hier auch gerne das 40-Jahr-­Jubiläum feiern», sagt er. Er könne auf eine tolle Zeit zurückblicken, «natürlich mit Höhen und Tiefen, aber das Positive hat überwogen. Zum Beispiel die tolle Zusammenarbeit mit meinem Team und unsere tolle Kundschaft.» In den vergangenen 30 Jahren ist viel passiert. Drei Umbauten hat Stucki miterlebt, die letzte im vergangenen Jahr. Einige Male wurde im Café eingebrochen, einmal konnten die Täter jedoch von einem Polizeihund bei ihrer Flucht durchs Dorf gefasst werden, erzählt der Wirt und zeigt einen Zeitungsartikel, der zum Vorfall verfasst wurde.

Eine Situation wie die jetzige hat der Wirt in all den Jahren noch nie erlebt. «Ich kaufe momentan einen Grossteil meiner Zutaten im Dorf, weil die Anzahl Gäste so schwierig abzuschätzen ist», sagt er. Trotzdem sei er froh, dass sein Restaurant geöffnet haben dürfe. «Vor allem, weil ich im vergangenen Jahr aufgrund der Umbauarbeiten schon zwei Monate schliessen musste», sagt Stucki.

Monatsmenus finden grossen Anklang

Da er coronabedingt kein Fest zu seinem Jubiläum veranstalten konnte, entschied sich der Wirt für eine andere Lösung. «Es gibt jeden Monat ein anderes Jubiläumsmenu», sagt er. Diesen Monat ist es Kalbsrahmgeschnetzeltes mit Rösti und Gemüse. «Die Monatsmenus finden bei den Gästen sehr grossen Anklang», sagt Stucki erfreut. Bei der Frage nach dem beliebtesten Menu muss der «Hallenbad»-Wirt jedoch nicht lange überlegen: «Pommes frites und Chicken-­Nuggets», erklärt er lachend.