Früher befand sich die Kanzel in der Lenzburger Stadtkirche auf der rechten Seite. Dort steht Sophie Haemmerli-Marti im bodenlangen schwarzen Kleid und spricht mit dem Chorleiter des Oberstufenchors, der die Störenfriedin wegschicken will. Absurd, denn vor der Probe war er noch ganz vertieft in die Biografie «Ebigs Füür» der Dichterin.

Sophie Haemmerli-Marti in der Stadtkirche ist eine Szene des Oberstufentheaters. Für das Jubiläumsjahr der Dichterin haben sich die Lehrer und Theaterleiter Herbert Rinderknecht und Fabio Rudolf mit ihrem Leben auseinandergesetzt. Sophie Haemmerli-Martis Geschichte böte genug Stoff für ein ganzes Landschaftstheater. Doch eine historische Umsetzung des Stoffes wäre zu aufwendig gewesen. Die Anforderungen an Bühnenbilder und authentische Sprache hätten den Rahmen des Freifachs Theater gesprengt. Rinderknecht und Rudolf haben gemeinsam eine Lösung gefunden, wie sie die Geschichte in einem modernen Rahmen erzählen können und Sophie Haemmerli-Marti und ihrer Zeit trotzdem gerecht werden.

Bühnenbild ist eine Projektion

Das Problem mit den Bühnenbildern konnte sehr elegant gelöst werden: Das Bühnenbild kommt von hinten. Der Abschluss der Bühne bildet eine flächenfüllende Leinwand, die aus dem Backstage-Bereich mit einem riesigen Beamer bestrahlt werden kann. Dieses Spezialgerät wird auch verwendet, um grosse Lichtin- stallationen auf öffentliche Gebäude zu projizieren. So können historische Bilder der Rathausgasse oder der Stadtkirche mit einem Klick als Bühnenbild installiert werden.

Neben dem Bühnenbild sorgen auch Elemente zum Anfassen, beziehungsweise Draufsitzen für das richtige Setting: Auf dem Pausenplatz des Oberstufenzentrums Lenzhard lädt Urs F. Meier, Präsident der Stiftung Burghalde, antike Stühle und einen Tisch aus dem Lieferwagen. Es hat ihn nicht erstaunt, dass bis auf eine Schülerin, die aus Othmarsingen stammt, niemand der jungen Theaterleute Sophie Haemmerli-Marti gekannt hatten. Doch es freue ihn, dass sich die Schülerinnen und Schüler für Sophie Haemmerli-Marti engagierten.

In der Aula ist die Theaterprobe im Gang. Ein Mädchen taucht mit einem blumenbesetzten Strohhut auf. «Der ist perfekt», sagen die Kolleginnen. Insgesamt kommen im Stück vier verschiedene Sophies vor, die für verschiedene Abschnitte in ihrem Leben stehen. Rudolf und Rinderknecht verbinden so Rückblenden und Szenen aus der Gegenwart zu einem Theaterstück, das das Leben der Sophie Haemmerli-Marti auch für Uneingeweihte greifbar macht. Und wer ganz genau hinschaut, wird den einen oder anderen Lenzburger Charakter – unter neuem Namen – erkennen.