«Das Schloss hat mich schon immer fasziniert.» Für Ruedi Suter, den Seenger, ist mit «das» natürlich Schloss Hallwyl gemeint. Erste Erinnerungen gehen zurück «wie ich als Kind mit meinen Eltern per Ruderboot die Springkonkurrenzen im Schlosspark besuchte».

Pferdesport gibt es direkt ums Wasserschloss längst keinen mehr. In den letzten Jahren hat das Seetaler Wahrzeichen eher mit kulturellen Anlässen auf sich aufmerksam gemacht – und da ist Ruedi Suter nicht ganz unschuldig. Als Grossrat setzte er sich 2004 mit einem Postulat dafür ein, dass auch der Kiesplatz am Aabach für Veranstaltungen wie etwa das Open-Air-Kino verwendet werden darf.

Berufung in die Kommission

Das Engagement – die Postulatsanliegen wurden von der Regierung umgesetzt – blieb nicht ohne Folgen. 2005 wurde Suter in die Aufsichtskommission gewählt. Diese Aufgabe blieb nicht lange auf die «Hallwyl» beschränkt. Bald folgte die Berufung in die Kommission Museum Aargau.

Die letzten acht Jahre präsidierte der bis 2008 im Kantonsparlament sitzende Rektor der Berufsschule Lenzburg die beiden Gremien. Auf Ende Jahr will er sich, bevor die Amtszeitbeschränkung wirkt, zurückziehen. «So kann ich mir für anderes mehr Zeit nehmen; ich muss weniger ‹jufeln› als jetzt», schildert Ruedi Suter die geplante Nutzung der frei werdenden Zeit.

Eine Abkehr von den in Museum Aargau zusammengeschlossenen Institutionen, zu denen auch die Schlösser Lenzburg, Wildegg, Habsburg, das Kloster Königsfelden und der Legionärspfad Vindonissa gehören, plant Suter aber nicht: «Ich werde das Geschehen von aussen weiter verfolgen.»

Von der Aufsicht zum Beirat

Der scheidende Präsident ist sich im persönlichen Rückblick bewusst, dass er eine Phase des intensiven Wandels begleiten durfte. Oder gar gestalten? Da nimmt sich Suter bescheiden zurück. «Das Museum Aargau ist ohne Zweifel eine Erfolgsgeschichte; aber dies ist in erster Linie der Verdienst von Hans-Ulrich Glarner und Thomas Pauli.» Die beiden Leiter der kantonalen Abteilung für Kultur sind laut Suter die Väter dieser neuen Organisation.

Er habe das Privileg gehabt, eine «sehr spannende Zeit hautnah begleiten zu dürfen», so Suter. Der Vereinigung von «früheren Konkurrenten unter einem gemeinsamen Dach» habe sich im Nachhinein gelohnt – «auch wenn sich damals einige als Verlierer gefühlt haben».
«Zu sehen, wie sich unterschiedliche Kulturen aus verschiedenen Orten zusammenfinden, war sehr interessant. Gemeinsame Jahresthemen und ein einheitlicher, abgestimmter Auftritt gegen aussen sind die Basis der immer höheren Eintrittszahlen», fasst der Kommissionspräsident das letzte Jahrzehnt zusammen.

Er selbst sieht sich in einer bescheidenen Rolle: «In den Kommission haben wir viele gute Spezialisten. Ich selbst habe lediglich als Moderator gedient.» Unter seiner Ägide hat sich die Rolle der Begleitgremien gewandelt: «Mein Verdienst», so Suter, «ist höchstens, dass die frühere Aufsichtskommission zu einem Beirat geworden ist.»

Das Liebesleben der Dohlen

Bei den Erinnerungen an die vier bis sechs Sitzung pro Jahr blendet Ruedi Suter fast in die Anfangszeit seiner Tätigkeit und wieder zu Schloss Hallwyl zurück. Open-Air-Kino und Oper im Schlosshof waren da noch keine Routine und schon gar keine Selbstverständlichkeit.
Berichte über die Fruchtbarkeit der Schlossdohlen mussten beigebracht werden. Inzwischen ist die hiesige Kolonie wieder die grösste im ganzen Land und Ruedi Suter überzeugt: «Die Musik und das Licht haben das Liebesleben der Dohlen beflügelt.»

Als ehemaliges Vorstandsmitglied des Trägervereins der Oper Schloss Hallwyl kann Suter das sich immer wiederholende Trauerspiel mit der vom Kanton einzuholenden Baubewilligung noch heute nicht verstehen. Mit der nötigen zeitlichen Distanz, kann ihm der Vorschlag aus einer kantonalen Amtsstube, die Freiluft-Oper wegen den Dohlen doch in den Dezember zu verschieben, ein Lächeln entlocken.

Schöne Erinnerungen

Wesentlich angenehmer sind noch ältere Erinnerungen ans Schloss Hallwyl. Hier fand 1995 die Fahnenabgabe des Füsilierbataillons 57 statt. Als Major im Generalstab hatte Ruedi Suter diese traditionsreiche Einheit vier Jahre lange geführt. Und noch weiter zurück, irgendwo zwischen Militär und Springkonkurrenz, liegt der Hochzeitsapéro im Schlosshof. «Bei schönstem Wetter», wie sich der 61-jährige erinnert.