Lenzburg
Das «Müllerhaus» bietet mehr als nur Worte

Das «Müllerhaus» ist weit über die Kantonsgrenzen hinaus ein Begriff. Dies vor allem wegen des Aargauer Literaturhauses. Doch das Herrschaftshaus beherbergt eine Fülle von weiteren Institutionen.

Fritz Thut
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«Müllerhaus» ist weit über die Kantonsgrenzen hinaus ein Begriff. Dies vor allem wegen des Aargauer Literaturhauses, das hier seit 2004 seinen Sitz hat und regelmässig Veranstaltungen durchführt und ausländischen Autoren Gastrecht gewährt.

Der «herrschaftlichste Bau im Kanton Aargau», im 18. Jahrhundert am Lenzburger Bleicherain erstellt, ist jedoch weit mehr als ein Literaturhaus. Darauf legen die Verantwortlichen grossen Wert. Die Missverständnisse, die nach dem Artikeltitel «‹Müllerhaus› heisst jetzt Literaturhaus» (az Aargauer Zeitung vom 11. September 2010) entstanden sind, räumte Alexander Krebs, seit Herbst 2009 Präsident der «Stiftung Dr. Hans Müller und Gertrud Müller», aus dem Weg.

Finanzkrise gut gemeistert

Der Stiftung gehört die herrschaftliche Liegenschaft; gemäss Stiftungszweck ist das Haus zu unterhalten und zu pflegen sowie «für gemeinnützige kulturelle Aktivitäten zu nutzen». Dies geschieht seit sieben Jahren auch durch das Literaturhaus, das seit letztem Jahr offiziell «Aargauer Literaturhaus Lenzburg» (ALL) heisst.

Der Namenswechsel hängt auch mit dem Umstand zusammen, dass sich das ALL neu ausrichten musste, nachdem die sehr grosse Unterstützung durch die Stiftung längerfristig nicht mehr gewährleistet gewesen wäre. Das Aargauer Kuratorium trägt nun die Hauptlast; das Müllerhaus steht nach wie vor als Sitz und Veranstaltungslokal zur Verfügung.

Für Stiftungsratspräsident Alexander Krebs hat die langfristige Sicherung des Stiftungsvermögens «oberste Priorität». Er räumte jedoch gestern an einer Medienorientierung ein, dass die «heftige Finanzkrise gewisse Spuren hinterlassen hat». Mit der Neuformierung des Literaturhauses und weiteren Massnahmen habe man, so Krebs, «Erträge und Kosten wieder in Balance» gebracht.

Ein zentrales Netzwerk

Neben den Mieten für Veranstaltungen und Ausstellungen nimmt der Verein «Netzwerk Müllerhaus» eine zentrale Stellung ein. Das «Netzwerk» betreibt im Moment für 13 Organisationen die Geschäftsstelle oder das Sekretariat. Das Spektrum reicht hier von der schweizerisch-chinesischen Gesellschaft über das Forum Helveticum bis hin zum Dachverband Schweizerischer Gemeinnütziger Frauen. «Es ist äusserst spannend», freut sich Geschäftsführerin Karin Büchli über diese Vielfalt.

Die Verantwortlichen wollen jedoch das «Müllerhaus» in Kanton und Region weiter fest(er) verankern. Die «Weinbar» am jeweils letzten Freitag im Monat läuft seit Jahren und ist Kult. Ab 2010 gibts jährlich zwei Müllerhaus-Tischgespräche (für eine Art Gönner-Vereinigung) und am 10. April startet mit «Lenzburg persönlich» eine Veranstaltungsserie für die breite Öffentlichkeit: Ein Gespräch unter Leitung von Peter Buri mit jeweils zwei interessanten Lenzburger Persönlichkeiten soll weitere Kontaktmöglichkeiten bieten. Wie Stiftungsratsmitglied Sabina Binggeli ausführte, machen Ria Franchi und Julian Häusermann den Auftakt.