Hallwilersee

Das Motto lautet: «Ab morgen wirds besser»

Strahlen unter dem Schirm: Ehepaar Studer mit Tochter Stefanie.  bA

Strahlen unter dem Schirm: Ehepaar Studer mit Tochter Stefanie. bA

Der Sommer brachte bislang vor allem viel Regen und kühle Temperaturen – die Stimmung unter den Campinggästen im Strandbad Tennwil ist trotz des schlechten Wetters gut.

«Das Wetter nervt mich.» Daniel Leuenberger, Betriebsleiter des Arbeiterstrandbands und Campingplatzes Tennwil, sitzt am Empfang und wartet auf Kundschaft. Vergeblich: Kaum einer kommt bei diesem Wetter mit Sack, Zelt oder Badhose angereist.

600 Personen könnten sich auf dem Campingplatz niederlassen, zurzeit sind es gerade 100, die Regen und Kälte trotzen. Einige haben ihre Zelte dagelassen und sind heimgegangen. Kommt die Sonne wieder, erscheinen auch sie wieder.

«Das Wetter macht die ganze Saison kaputt», sagt Leuenberger. «Dabei begannen die ersten Monate so gut. Im April, Mai und Juni war das Wetter fantastisch.»

Bleiben die Badi- und Campinggäste aus, so hat dies Konsequenzen für das Bad: Weniger Konsumation im Restaurant, weniger Arbeit für die Studenten, die einige Wochen lang im Strandbad arbeiten. Der Betriebsleiter muss sie heimschicken. «Es kann gut sein, dass sie einen anderen Job annehmen.»

Bereits jetzt bilanziert Leuenberger eine schlechte Saison. «Im Vergleich zum letzten Jahr haben wir die Hälfte eingenommen.» Solche Tiefs kennt er aus der Vergangenheit. Jede Saison verlaufe anders, «was bleibt einem da übrig, als sich dreinzuschicken?». Deshalb stellte er sich kürzlich abends in die Küche und bereitete einen Dreigänger für eine Behindertengruppe aus Graubünden zu. «Ich wollte den Leuten eine Freude machen.»

Kein Aquafit im See

Die verbliebenen Gäste – vorwiegend aus dem Aargau – gehen die trüben Sommertage gelassen an. Mit Schirmen ausgerüstet, überqueren sie den Platz, einige diskutieren über eine Mausefalle, die nachts nicht richtig zugeschnappt ist, andere klopfen einen Jass. Lediglich die Aquafit-Gruppe, die jeden Morgen punkt 10.30 Uhr in den Hallwilersee steigt, streikt. Lufttemperatur. 14 Grad, Wassertemperatur: 20 Grad.

Familie Christen aus Koblenz sitzt am Morgentisch, als die Sommerreporterin erscheint. Der Regen tropft aufs Zeltdach, im Vorraum muffelts leicht. «Solange es nicht hineinregnet, bleiben wir», witzelt Ehepaar Doris und Roland Christen. Das schlechte Wetter habe was Schönes, finden die Kinder: «Wir lesen viel, machen Spiele.» Die Stimmung auf dem Campingplatz sei bei Regen besonders friedlich.

Beinahe ins Schwärmen gerät Brigitta Mazzocco aus Aarau. Die Geräusche vom Wasser und der Regen hörten sich wie ein Musikstück an für sie. Die Tochter des Gründungsmitglieds des Arbeiterstrandbads Tennwil, Margrit Rodel, fasst es so zusammen: «Ich fühle mich viel näher bei der Natur.» Wenig später schlüpft sie in ihre Regenjacke und läuft den See entlang ins Café nach Seengen.

Besuch im Aquarena

Bei strömendem Regen haben Denise und Ruedi Studer aus Oftringen ihr Zelt aufgeschlagen. Bis jetzt ist alles trocken geblieben: Beutelsuppe, Kleider, Campingstühle. Die 13 Monate alte Tochter Stefanie strahlt, statt im Hallwilersee herumzuplanschen, darf sie mit ihren Eltern ins Aquarena nach Bad Schinznach.

Das Motto der Studers «Ab morgen wirds besser.» Die Meteorologen sehens anders: Erst im August solls wieder sommerlich warm werden.

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